Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 28 (9.7.1867)
- Date
- 1867-07-09
- Page
- Seite 565 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Allgemeine Zeitung des Zu-enthums. Femlleton-Leilage M Nr. 28. Leipzig, den 9. Juli 1867. Gallerir von Abgeordneten jüdischen Glaubens. 9. Jsacco Pesaro Maurogonato. Dießmal führen wir einen italienischen Abgeordneten ein. Er ist in Venedig am 6. November 1817 geboren. Seine Aeltern sind Israel Pesaro von Ferrara und Allegra Mulli von Venedig. Er studierte die Rechte, erhielt die Doctor-Würde, und wurde von seinem mütterlichen Onkel Davide Maurogonato an Sohnes Statt angenommen, als dessen Universal-Erbe er den Zunamen Maurogonato an den seinigen hinzufügte. Er war mit Betty Ascoli von Görz (Schwester des berühmten Professors Cavalier G. I. Ascoli) verheirathet, hatte von ihr vier Töchter, und blieb Wittwer. Er ist Besitzer eines bedeutenden Vermögens. Im Jahre 1847, als die Vorahnungen der bald darauf erfolgten ereignißvollen Begebenheiten die Gemächer der Venetianer erregten, wirkte er mit Manin im Sinne einer legalen Bewegung. — Von der provisorischen Regierung iu Venedig wurde er im April 1848 zum General-Post-Direktor ernannt. Im August wurde er in die Finanz-Commisston berufen, und erhielt im März 1849 das Finanz- und Handelsministerium, womit auch die Getreidebesorgung, ein in einer belagerten Stadt höchstwichtiger Gegenstand, verbunden war. Er war Deputirter in beiden zu Venedig zusammenberufenen Assembleen. Er hinterließ den Staatsschatz reicher ausgestattet, als er ihn bei seinem Eintritte ins Ministerium vorgefunden hatte, obwohl Anfangs drei, später vier und dann sechs Millionen monatlich verausgabt wurden. Seine Verwaltungs-Rechnungsabgabe wurde in der Folge von der österreichischen Regierung als richtig und regelgemäß anerkannt. Nach der Rückkehr der Oesterreicher nach Venedig, zog er mit Manin nach den jonischen Inseln; kehrte jedoch bald nach Venedig zurück, wo er ein zurückgezogenes Leben führte. Die österreichische Regierung verwendete ihn bei der neueren Regelung der Spar-Kasse und des M ernte di Pieta (Pfand-Leihanstalt) von Venedig, und hierauf wurde er zu einem der Directoren der Sparkasse ernannt. Seit mehreren Jahren ist er eines der fünf Mitglieder des 8labilimento mercantile, Revisor der Assicurazioni Generali, und auch sonst für allgemeine Jnteresien thätig. Er hat mehrere Monographien veröffentlicht, unter andern eine Geschichte des Duells. Auch an der Redaction verschiedener Zeitschriften war er betheiligt. Bei Uebernahme Venedig's von Selten der Italiener wurde er zuerst Provinzial-Deputirter, hierauf Abgeordneter ins Parlament. Als solcher stimmte er bei der Cabinetsfrage über das Verbot der Volks-meeting im Venetianischm wegen der Convention Langrand Dumonceau unter dem Ministerium Ricasoli für die Sache der Ordnung mit der Rechten zu Gunsten des Ministeriums, und wurde nach der Auflösung der Deputirten-Kammer im Wahl-Collegium von Mira (im Venetianischen) wieder ernannt. Wegen seiner Vertrautheit mit den Finanz-Angelegenheiten ist er Mitglied der Finanz-Commission, und ist Verfechter gewisser Maßnahmen, welche eine geordnete Regelung der Finanz-Administration im italienischen Staate zum Zweck haben. 10. Enrico Guastalla. Gegenüber einem Ministeriellen, der selbst iu der Bewegung Legalität anstrebt, und in der Bolks-meetings- Frage selbst gegen die vielleicht zu weit greifenden Bestrebungen seiner Geburtsstadt, für die Regierung abstimmt, (ein solcher Conservativer ist I. P. Maurogonato, deffen Leben wir soeben in gedrängten Umrissen gezeichnet haben), stellen wir einen Democraten von edlem und reinem Schlag. Enrico Guastalla, von armen Eltern im Jahre 1831 zu Guastalla gebürtig, ging mit geringen Elementarkenntnissen ausgerüstet, in früher Jugend nach Mantua, wo er als Handelsagent in Dienst trat. Die Ereignisse vom Jahre 1848 entzünden ihn, und er tritt ins revolutionnäre Corps von St. Andrea. Er ward eingezogen und mehr als einen Monat in den Kasematten von Cittadella zurückgehalten. Er entkam, und flüchtete zu der Mantuanischen Colonne, in die er eintrat, ohne zuvor selbst seiner Familie in Guastalla ein Lebewohl zu sagen. Bei den von dieser Colonna Mantovana ausgeführten Waffenthaten erwarb sich E. Guastalla die Anerkennung als Kämpfer von Muth und Einsicht. Ruch