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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-07-09 · Heft 28 (9.7.1867) · p. Seite 560

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 28 (9.7.1867)
Date
1867-07-09
Page
Seite 560 (sequence 12)
Language
German
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borcne Lehrer und nur aus englischen Büchern schöpfend, seine theologischen Kenntnisse sich hätte aneignen können. Im Ganzen sei Amerika dazu bestimmt, von jeder Nation dasjenige aufzunehmen, was sie vor andern voraus habe, und die Deutschen hätten wahrlich nicht gerade den geringsten Beitrag zu diesem geistigen Nationalitätenbazar zu liefern. Zur Sache übergehend, meinte I., daß wir hier im Lande noch keine Facultät für jüdische Theologen gründm könnten, weil hierzu ein Ue b er schuß an hervorragenden theologischen Capacitäten vorhanden sein müßte, die im praktischen Amte entbehrt werden könnten. Es müsse Jemand aus dem Lehramt an einer solchen Anstalt seinen ausschließlichen Beruf machen, wenn er Meister sein und Meister erziehen wollte, und dabei könnte er immer nur für einen Theil der vielumfassenden Lehrgegenstände die nöthige Befähigung besitzen. An solchen Anstalten wie in Breslau, Paris, Padua rc. wirken die bedeutendsten Männer, jeder in seinem Spezialfach. Das aber sei gar noch nicht die Dringlichkeitsfrage; denn größere Gemeinden könnten vorläufig ihre Nabbinen aus Europa berufen, und kleinere Gemeinden müßten doch jedenfalls ohne Rabbiner bestehen, aber Leher brauchten wir für die Jugend, und diese Lehrer müßten die Sprache des Landes kennen und nicht blos diese, sondern auch seinen Geist und seine Zustände, wenn sie erziehend und nicht blos lehrend sollen einwirken können. Daher müsse man sofort ein Lehrerseminar eröffnen, nicht fragen, woher die Schüler kommen werden; sie werden kommen und sollte es Anfangs auch nur Einer sein. Prunklos anfangen solle man; das Lokal und das Lehrpersonal so wie den Charter der Education Society School habe man, die Reverenden in hiesiger Stadt würden ihre Dienstleistungen gern dazu hcrgeben; es könne also vorerst ohne große Kosten vorgegangen und Lehrer, Vorbeter und Schochrim ausgebildet werden. Man suche die Kunden, wenn das Geschäft eröffnet ist, und dann werden sie sich finden. Rev. Isaaks wies auf das Beispiel bedeutender Universitäten hin, die mit einer geringen Schülerzahl angefangen hatten und nach Ueberwindung aller Hindernisse groß und berühmt geworden wären. Nachdem Herrn A. S. Cohen'S Antrag auf sofortige Vornahme der nöthigen Schritte durch das Exeäouceomits zur Eröffnung des Seminars angenommen war, erklärte der Antragsteller in sichtlicher Freude über den Erfolg, im Aufträge seiner Gemeinde tTerech Emuno) dieselbe zu einem jährlichen Beitrag von 100 Doll, bereit. Andere ähnliche Erklärungen folgten nach. Nun hängt es von dem Executivcomite ab, die Anstalt ins Leben zu rufen. Ein Antrag, welcher aus der von Rev. Morais angeregten Debatte hervorging, die Gemeinden wegen einer Einigung der Riten zu befragen, wurde durch Beschluß für die nächste Conventton zurückgelegt. Ein demnächst wichtiger Gegenstand der Verhandlungen war die politische Stellung der Juden in unserem Lande mit Rücksicht auf die kirchlichen Bestrebungen , welche die Christianisirung der Constitution so wie der sonstigen gesetzgeberischen Emanationen in dem Gesammtstaat wie in den Einzelstaaten hartnäckig verfolgten. Präsident Abraham Hart (Philadelphia) verlas eine Denkschrift, die er dem Eon groß für den Fall zu überreichen vorschlug, daß eine Petition der kirchlichen Partei in dem oben bezeichneten Sinne wieder zum Borschein kommen sollte. Die Denkschrift ist durch schönen Styl und männliche Gesinnung ausgezeichnet, und wurde ihrem ganzen Wortlaute nach durch Applaus angenommen. Uns behagt diese Annahme eii bloe nicht; so ausgezeichnet die Denkschrift ist, so kann sie doch als das Werk eines Einzelnen Manches übersehen haben, was bei einer gemeinschaftlichen Redaction durch ein Counts hätte nachgeholt werden können. Jndeß es ist gut, daß man gerüstet dasteht. Marokko. Paris, 30. Mai. Der Moniteur berichtet nach Briefen aus Tanger dom 23. Mai, daß eine Bande von Bergbewohnern des Riff die schwersten Gewaltthaten an verschiedenen Israeliten, die sich nach Tetuan begaben, und namentlich an der Person des Abraham Pariente, des Dolmetschers und Schutzbefohlenen des österreichischen Vice Consuls, verübt hat. Pariente blieb todt auf dem Platze, und das österreichische General-Consulat fordert Genugthuung für diesen Frevel.

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