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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-07-09 · Heft 28 (9.7.1867) · p. Seite 559

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 28 (9.7.1867)
Date
1867-07-09
Page
Seite 559 (sequence 11)
Language
German
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559 Israeliten machten demselben ein werthvolles Geschenk mit einem geräumigen und trefflich gelegenen Baugrund. Die Mittel für den Bau flössen reichlich und namentlich waren es die Damen, welche für die Ausführung kräftig wirkten. Bei der feierlichen Grundsteinlegung stellte sich der Umstand, den ich oben hervorgehoben, recht deutlich heraus; es erschienen die Mitglieder aller Gemeinden Baltimores, und die Geistlichen derselben waren im Vereine dabei thätig. Gerade deshalb gestatten Sie mir noch einige Worte über die Feier selbst. Sie wurde eingeleitet durch den Dr. med. Joshua I. Cohen, welcher mit warmen Worten Veranlassung und Zweck des Baues schilderte. Hieraus hielt der Rabbiner Dr. Benjamin Szold ein ergreifendes Gebet, und nach diesem der Rabbiner Dr, Salom Deutsch die Hauptrede in deutscher Sprache. Die Metalltafel, welche dem Steine eingefügt ward, wurde verlesen und der Stein geschlossen. Hierauf nahm Dr. Abram Arnold das Wort in einer sehr beredten Rede , in welcher er die Stellung der Juden in Amerika pries, und wie sie sich derselben auch würdig zu machen wissen. Den Schluß bildete eine Rede des Rabbiners H. Hochheimer, der sehr geschickt an die Worte Bileams in dem Wochenabschnitte (4. Mos. 24, 5.» anknüpfte. Er sagt unter Anderem: „Und bietet sich uns heute nicht ein ähnliches Bild dar, nur in einen engern Rahmen gefaßt? Niein Auge ruht hier auf einer Versammlung, wie sie unsere Stadt, soweit es die jüdische Bevölkerung betrifft, noch nicht aufzuweisen hatte. Und es ist nicht blos die Größe dieser Versammlung, nein! es ist vielmehr die Art und Weise ihrer Zusammensetzung, es sind die verschiedenen Bestandtheile derselben, die ich hier im Auge habe, und die trotz ihrer Verschiedenheit sich hier zu einem harmonischen Ganzen verschmolzen haben, das jeden Mißton ausschließt. Oder hört ihr hier auch die Schlagwörter: Reformer, Orthodoxe, Radicale, Hyperorthodoxe rc. Schlagwörter, mit denen man an andern Orten so freigebig um sich zu werfen pflegt? Nein: Kulonu bne ish echod nochnu. fl. B. M. 42, 11), „Kinder ein und desselben Mannes sind wir allesammt"; hier sind wir Alle, hier fühlen wir uns Alle als Söhne Israels und nur als Söhne Israels. Und siehe, da sind sie ja Alle erschienen, alle unsere Gemeinden, alle unsere Vereine, alle unsere Gesellschaften; keine blieb zurück, alle sind sie gekommen, eine jede etliche Steine herbeibringend zu dem Bau, der sich an dieser Stelle erheben soll. Wie mit einem Zauberschlage sind alle jene kleinlichen Eifersüchteleien, alle jene Parteirücksichten, die sonst wohl hier und dort emportauchten, gewichen, gewichen vor einem Unternehmen, das nur die Eintracht auszuführen im Stande ist und die Brüderlichkeit." In diesem Geiste zweifeln wir nicht an der bald zu vollendenden, völlig befriedigenden Ausführung des Baues und an dem segensreichen Bestände der Anstalt. Philadelphia, 4. Juni Unsre Leser werden sich erinnern, daß es in Amerika einen, dem englischen nachgebildeten Board of Delegates of American Israelites giebt, der aber noch immer zu keinem rechten Leben gelangen kann. Es haben sich ihm 53 Gemeinden angcschloffen, aber bei der eben stattgesundenen Jahresversammlung waren nur 25 vertreten. Der Hebrew Leader enthält einen ausführlichen Bericht, aus welchem wir den wichtigsten Gegenstand hier hervorheben. Es betraf die Errichtung eines College, welche bereits hier zu Lande so oft schon diskutirt worden. Herr A. S. Cohen aus NewAork, ein sehr begabter Redner, hatte den Antrag auf sofortige Vornahme aller vorbereitenden Schritte zur Gründung eines höheren Lehrinstitutes in Anschluß an die hier existirende Hebrew Education Society School gestellt und befürwortete ihn warm und beredt gegen alle Einwendungen. Rev. Isaaks aus New-Jork sprach vom nationalen oder richtiger nativistischen Standpunkt für die Errichtung der betreffenden Lehranstalt. Die meist auS Deutschland herübergekommenen Lehrer und Rabbinen gingen darauf aus, das Land zu germanisiren, und dem müsse Einhalt gethan werden. Er richtete sich sodann emphatisch an den anwesenden Rev. Dr. Jastrow!Philadelphia), indem er.ihn ermahnte, seine Nützlichkeit für das Land, die er eingestehe, durch Erlernung der englischen Sprache zu erhöhen. Dr. Jasttow erwiederte hierauf, für die Ermahnung dankend, daß die Gefahr der Germanisirung nicht so sehr groß wäre, daß wir noch eine Zeit lang uns mit den aus Deutschland kommenden Rabbinen würden behelfen müssen, und das sei für die Bildung im amerikanischen Judenthum kein Schaden. Er fragte, ob Rev. Isaaks wohl hier in Amerika durch hier ge- 28*

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