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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-07-09 · Heft 28 (9.7.1867) · p. Seite 558

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 28 (9.7.1867)
Date
1867-07-09
Page
Seite 558 (sequence 10)
Language
German
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558 Ihnen einen Auszug von demselben mitzutheilen, da ich von dem Versprechen gelesen, das Ihnen Ihr achtungswerther Corresp. vom Po gethan hatte, Ihnen hiervon zu erzählen. Ich zweifle nicht, daß er unterdessen sein Wort gehalten. Uebrigens erwähne ich auch diesen Gegenstand bloß deßhalb, um unmaßgeblich zu äußern, daß auch mir das Urtheil Ihres Herrn Correspondenten vom Po über den religiös-moralischen Zustand unserer Glaubensgenossen in Italien etwas schroff, und dessen Tadel über die Beschlüsse der Florenzer Versammlung in Bezug auf die Rabbinerschule von Padua mit allzu mikroskopischer Scharfsichtigkeit ausgesprochen erscheint. Ach, du mein lieber Goti! könnten wir auch nur ein Glas Wasser trinken, wenn wir die Welt von Infusorien beständig vor Augen sähen, die in jedem Tropfen desselben wimmelt! Wenn man den Bericht hierüber liest, macht die Sache den üblen Eindruck nicht, den ich nach jenen Worten befürchtete. Das Paduaner Institut wurde befürwortet, dessen Schutz von Seiten der ital. Gemeinden in Aussicht gestellt ist. Vergessen wir nicht, daß die Assemblee keine executive Macht hat, nicht einmal der größte Thcil der Gemeinden war vertreten, unter den Vertretern waren weder Professoren noch mehr als ein Rabbiner ifür Asti), in der That, man darf mit dem Resultate nicht unzufrieden sein. Das Weitere wird sich schon in schriftlichen Verhandlungen gestalten. Ueberhaupt scheint mir der Geist der Versammlung ein würdiger und ernster gewesen sein, der von der Wichtigkeit des Augenblicks volles Bewußtsein hatte. Im Allgemeinen aber, so viel mir die italienischen Gemeinden bekannt sind, war die Richtung derselben stets mehr conservativ als umgekehrt-/-freilich greift, besonders im jüngeren Theile ein noch im Wachsen begriffener religiöser Jndisferentismus um sich, allein es gibt noch viele, viele Herzen, die für das Judenthum, für dessen Geschichte, Ideen und Sittenlehre warm schlagen, und bei jedem nur etwas ungewöhnlichen Vorgänge wie eine Phalanx ihre Bereitwilligkeit mit Edelmuth bethätigen. Es ist ist dies eine Grundlage, welche nach irgend welcher Abschwächung des allzusehr überwuchernden politischen Geistes unserer jüngsten Epoche, noch günstige Resultate zu Stande bringen dürfte. Herr Ende Lollh, Professor am Rabbiner-Collegium zu Padua, hat das erste Heft eines Wörterbuches der hebräisch-rabbinischen Sprache veröffentlicht. Nach der Probe zu urtheilen, scheinen wir ein gediegenes, originelles und nützliches Werk erwarten zu dürfen. In Neapel ist jüngst Herr David Consigli, ein Romagnole unseres Glaubens, zum Parlamentsdepudirten erwählt worden. Also acht. Als erfreuliches Zeichen unsrer Zeit will ich Ihnen nicht die Notiz vorenthalten, daß zwischen dem Bischöfe von Casale (nunmehr Erzbischof von Mailand) und dem Oberrabbiner jener Gemeinde, vor der Abreise des Elfteren nach seiner neuen Erzdiöcese sehr freundliche Höflichkeitsbezeugungen Statt gefunden haben. Gebe es nur recht viele solcher Kirchenfürsten! Amerika. Baltimore, 1. Juni. (Privatmitth.) Sie erhalten anbei ein schön ausgestattetes Schriftchen, welches die Grundsteinlegung des hier zu erbauenden Asyls für Israeliten, nemlich für Kranke und Altersschwache, die am 25. Juni stattgefunden, ausführlich beschreibt und die dabei gehaltenen Reden abdruckt. Der Eindruck, den diese Schrift und ihr Inhalt auf Sie machen wird, ist sicher ein sehr günstiger. Man ersieht aus derselben, wie es trotz der verschiedenartigsten Ausschreitungen und sonderbaren Erscheinungen mit dem Judeuthume in Amerika ganz gut steht, und es im Grunde mit den europäischen zu wetteifern wohl im Stande ist. Wenn bei uns die verschiedenen religösen Ansichten sofort durch getrennte Gemeinde und gesonderte Tempel zum Ausdruck kommen, so ermangeln wir dafür jener oft so anwidernden Streitigkeiten, welche in den europäischen Gemeinden zur Tagesordnung gehören, weil eben die entgegengesetzten Richtungen in einem Gemeindeverbande zusammengeschachtelt verbleiben müssen. Kommt dagegen irgend eine allgemeine das Judenthum betreffende Frage zur Sprache, oder giebt es ein großartiges Wohlthätigkeitsinsütut ins Leben zu rufen: so hört alle Parteiung auf, und Alles was ein Herz hat für die gute Sache, verbindet sich, voll Eifers und Opferwilligkeit. Es war hier einige Male vorgekommen, daß jüdische Kranke in den allgemeinen Hospitälern von christlicher Seite Bekehrungs halber sehr belästigt wurden. Ein solcher Fall erregte 1865 allgemeine Aufmerksamkeit; ein Meeting wurde gehalten und beschlossen, ein jüdisches Hospital für Kranke und Greise zu erbauen. Ein Comite wurde gewählt, und vier

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