Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 28 (9.7.1867)
- Date
- 1867-07-09
- Page
- Seite 557 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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557 Pest, 26. Juni. Auf Desk'S Interpellation in der heutigen Sitzung erklärt das Ministerium, daß es gleich nach Ende der Vertagung die Gesetzentwürfe bezüglich der siebenbürgischen Union, der Nationalitäten-Frage und der Juden-Emancipation vorlegen werde. — Die Stimmung ist eine sehr gereizte. Es fanden Zusammenstöße zwischen Juden und Christen statt, z. B. in der Nacht zwischen Sonntag (23.) und Montag. Frankreich. Paris, im Mai. In der nächsten Zeit wollen zwei hiesige Arbeiter zum Judenthume übergehen und zwar ganz dem Ritus gemäß. Ihre Absicht geht allerdings dahin, zwei Jüdinnen zu heirathen. — In Paris cirkulirt eine Petition an den Minister, in welcher verlangt wird, daß der Gemeinde ein unmittelbarer Antheil bei der Wahl ihres Großrabbinen eingeräumt werde. Italien. Rom, im Juni Der Papst hat am 17. Juni, tem Jahrestag seiner Thronbesteigung, eine Rede gehalten, deren Wortlaut der Univers bringt. Er sagte, nachdem er dem Cardinalcollegium gedankt: „Wenn wir die menschlichen Dinge mst menschlichen Augen betrachten, so finden wir darin ohne Zweifel nur Gegenstände der Besorgniß und der Furcht, denn ein großer Theil der heutigen Gesellschaft läßt sich Hinreißen durch falsche Ideen von Fortschritt und Einheit; aber was ist ein Fortschritt ohne Wahrheit, eine Einheit ohne Liebe und Gerechtigkeit? Der Fortschritt und die Einheit, wie sie die Welt versteht, führen nur zum Egoismus, welcher die dem Geiste des Evangeliums am meisten entgegengesetzte Leidenschaft ist. Wir haben eine Reihe von Jrrchümern verdammt, welche man unter dem Namen Shllabus zusammengefaßt hat. Wir wiederholen und erneuern diese Verdammung." — Wenn der gegenwärtige Papst an die Ideen denkt, die er von seiner Thronbesteigung an, welche er an diesem Tage feierte, bis 1849 hegte, in seinen Regierungshandlnngen bethätigte, und dadurch der europäischen Bewegung von 1848 den ersten Anstoß gab, so! muß er sich eingestehen, daß er damals für Jrrthümer ansah, was er jetzt als Wahrheit ansieht, und was er jetzt als Jrrthümer ansieht, damals für Wahrheit hielt. Es müßte ihm daraus klar werden, wie gefährlich es für einen Menschen ist, wer er auch sei, seine jeweiligen Ansichten für unumstößliche Wahrheit zu halten und auszugeben. Jedenfalls will es doch Etwas bedeuten, daß die große Mehrzahl der Menschen überhaupt und die bedeutendsten Geister einer langen Zeit die Ansichten, welche der Papst im Shllabus als Jrrthümer verdammte, als Recht und Wahrheit anerkennen. Verdammt daher der Papst dieselben von Neuem, so sieht dies die Welt von» Neuem als einen ohnmächtigen Protest gegen Recht und Wahrheit an. Florenz, im Juni. Der Educ, Israel, giebt die Liste der israelitischen Gemeinden, welche bei dem „jüdisch italienisclwn Congreß" am 30. April d. I. vertreten waren. Es waren deren zwanzig, darunter die größeren Gemeinden Ancona, Ferrara, Florenz, Livorno, Mantua, Modena, Neapel, Padua, Reggio, Turin, Venedig, Verona. Man votirte 1000 Lire jährlich für Verbreitung guter Bücher für israelitische Erziehung in italienischer Sprache. Man wies den Antrag, vom Staate Subventionen für den israelitischen Cultus zu verlangen, so wie auch die Gesetzgebung hinsichtlich des israelitischen Cultus zu influiren, vorläufig, ab. Ueber die Resultate der, das Rabbinerseminar betreffenden Debatte ist bereits in diesem Blatte berichtet worden. Der Executiv-Ausschuß wurde beauftragt, wo irgend in Italien gegen die Gewissensfreiheit der Israeliten ein An- oder Eingriff Vorkommen sollte, sich die nöthigen Notizen zu verschaffen und darüber an den Congreß zu berichten. Ein Antrag der Gemeinde von Asti auf Zusammenberufung einer rabbinischen Conferenz, um die von der Zeit geforderten und gebotenen Reformen zu berathen, wurde von der Majorität dahin modistzirt, daß eine solche Confcrenz wünschenswerth sei, und ihre Beschlüsse an den Executiv-Ausschuß des Congrcsses zur weiteren Berathung zu richten hätte. Außerdem wurden Bestimmungen darüber getroffen, in welchen Fällen der Epecutiv-Ausschuß einen Congreß zu veranlcffsea habe. Aus Oberitalien, 25. Juni. (Privatmitth.) So eben erhielt ich den Bericht von den Sitzungen der Gemeindeabgeordneten in Florenz. Ich enthalte mich 28