Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 28 (9.7.1867)
- Date
- 1867-07-09
- Page
- Seite 556 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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556 « chers anklagte, scheut keine Zeit und kein Geld, sein Feld rationell zu bearbeiten, wenn es auch keine 5 °/o abwirft. Der Erfolg ist auch in staatsöconomischer Beziehung ein glänzender, denn es ist factisch, daß seitdem der Jude Grund und Boden erwerben darf, im Ungarlande der Boden durchschnittlich mit 200/« im Werthe gestiegen ist. Und das ist eben, was den Juden hier so tief berührt, daß ihm anstatt Anerkennung Zurücksetzung, anstatt Fortschritt nur ihm allein Rückschritt zu Theil wird. Der Jude sehnt sich nicht so sehr nach Amt- und Wahlbefähigung, er steht.bescheiden bei Seite, sieht gelassen zu, wie zuweilen sein Hausmeister oder Ochsenknecht zur Wahl gehört; aber ihn schmerzt um so mehr die schlechte Stimmung als Folgen einer solchen Zurücksetzung, die hierdurch beim Pöbel hervorgebracht wird. Was aber uns vollends niederdrückt, ist der Gedanke, daß unser großer Volksmann Deäk, dessen Worte allein genügt hätten, alle Borurtheile zu bannen, es Unterlasten hat eine Lanze für den gekränkten Volksstamm einzulegen, während doch die größten Geistes-Heroen der Vorzeit die Gleichberechtigung aller anstrebten. Ja, während in den fernsten Weltheilen gleiche Rechte für den Halbwilden oder Schwarzen entweder schon bestehen, oder dafür gekämpft wird, werden in Ungarn die Menschenrechte nahe einer halben Million eingeborener Einwohner, die Generationen hindurch mit ihren bevorzugten Mitbrüdern Leid und Freud, Roth und Elend durchgemacht haben, verweigert, einzig und allein, weil sie andern Glaubens sind. Kostuth hat seiner Zeit sich damit enschuldigt, nicht daß dir Juden nicht reif zur Emancipation seien, sondern vielmehr die christlichen Bewohner Ungarns seien nicht reif dazu, und verweigerte solche bis zur 12. Stunde. Was kann man heute noch dagegen aufbringen? Wenn in der jüngsten Landtagssitzung auf. Anregung der Linken unsere Frage wieder zur Sprache . kam, und man wieder nur hingeworfene, geringschätzende Worte zum weiteren Aufschub hatte, so ist dies das Verletzende und Kränkende. M. Ä. Löwh. Pest, 22. Juli. (Unterhaussitzung.) Das wichtigste Ereigniß der heutigen Sitzung war ein Antrag des Abgeordneten Sigmund Bernath. Derselbe wies in kurzer Rede darauf hin, daß sowohl nach den in einer der letzten Sitzungen gesprochenen Worten des Justizministers, als auch im Sinne des betreffenden 1848er Gesetzes, welches für die Sessionen des Landtags die Wintermonate bestimmt, eine bald erfolgende Vertagung des Landtags in Aussicht stehe; in Berücksichtigung dieser Eventualität bringe er fünf Anträge ein, welche die Ausarbeitung von ebensoviel Gesetzentwürfen durch das Ministerium bezwecken, damit dieselben gleich bei Wiedereröffnung der Session dem Hause sofort vorgelegt werden können. Wir theilen von diesen Anträgen den ersten und vierten mit, die uns interessiren. Sie lauten: 1. Das königlich ungarische Ministerium des Innern wird achtungsvoll aufgefordert: Es wolle dem Hause einen Gesetzentwurf vorlegen, durch welchen die Gleichberechtigung unserer israelitischen Mitbürger an unseren bürgerlichen Rechten feierlich ausgesprochen und dieselben in diese Rechte factisch eingesetzt werden. 4. Das königlich ungarische Cultus- und Unterrichtsministerium wird achtungsvoll aufgefordet: Es wolle dem Hause einen Gesetzentwurf vorlegen, durch welchen alle Wirksamkeit und alle Folgen des von der absolutistischen Regierung kläglichen Andenkens angenommenen und die mehr als acht Jahrhunderte alte kirchliche apostolische Autorität des gekrönten Königs, wie auch die Rechte der Bürger aller Confessionen vernichtenden Concordats endgiltig aufgehoben werden und unsere Verfassung vor der Einmischung was immer einer fremden Macht in unsere Staatsangelegenheiten gesichert werde. Pest, 23. Juni. Die „Magd. Ztg." läßt sich aus Wien unte^ Anderem schreiben: „Jetzt, wo die Vertagung des Landtages vor der Thür steht, ohne daß irgend etwas für die Anhänger des mosaischen Glaubens geschehen wäre, die ohnehin schon bei den Comitatswahlen auf Grund der bestehenden Gesetze auf drei Jahre hinaus, bis 1870, von allen Gemeinde- und Bezirksämtern ausgeschlossen sind, jetzt, wo die Sache abermals wieder auf die lange Bank geschoben worden ist, wird es den Juden doch zu arg und sie conspiriren, um eine Steuerverweigerung anzuzetteln und von Pest aus durch das ganze Land bei „ihren LeMen" in Scene zu setzen, weil „wer keine Rechte besitzt, auch keine Pflichten habe"! Ich brauche nicht erst hinzuzufügen, daß daraus nur ein harmloser Sturm im Glase Wasser hervorgehen kann; doch ist die Sache immerhin charakteristisch und interessant." — Es versteht sich von selbst, daß dies eine Erfindung und zwar ein schlechter Witz des Corresp. der M. Z. ist. — )