Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 28 (9.7.1867)
- Date
- 1867-07-09
- Page
- Seite 555 (sequence 7)
- Language
- German
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555 Setzer, 1 Schlosser, 2 widmeten sich dem Banquiergeschäft, 5 der Handlung, 1 Mädchen trat in Dienstverhältnisse, 3 kehrten zur Mutter zurück. Am meisten zieht die Anstalt Unterstiitznng aus der Feier der Jahreszeit für jeden, der die Anstalt mit wenigstens 100, Thlr. fördert. Es sind deren bereits 94, im verflossenen Jahre kamen dafür 900 Thlr. ein, an freiwilligen Gaben 2345 Thlr; einzelne Zöglinge zahlen ein kleines Kostgeld, wodurch der Anstalt im vorigen Jahre 996 Thlr. zuflossen. Der Bestand der beim Schluffe des Jahres übrig blieb, war 1054 Thlr. baar und 1800 Thlr. in Papieren. Außerdem besitzt die Anstalt ein neues, ganz vortrefflich eingerichtetes Haus. Jedes Waisenkind kostet der Anstalt pro Kopf jährlich 75 Thlr. an Beköstigung, Wäsche, Bedienung n. s. w., so daß nur die Bekleidung, Gehalt des Lehrers und die allgemeinen Ausgaben für die Anstalt noch in Rechnung kommen. Vergleicht man dies mit anderen Waisenanstalten, so sticht die unsrige durch die Wohlfeilheit der Verpflegungskosten höchst vortheilhaft hervor. Um so berechtigter ist der Wunsch, daß die Wohlthätigkeit, namentlich in den beiden Provinzen sich diesem Hause in immer größerem Maße zuwende! Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien, 27. Juni. Endlich ist die „Wiener Kirchen- Zeitung" doch einmal verurtheilt worden! Im Februar stand in diesem Judenfresserischen Blatte ein Artikel „Ein jüdischer Doktor und ein katholischer Pfarrer," worin ein vr. Pollak der Vernachlässigung eines armen Kranken beschuldigt und zugleich die Juden geschmäht wurden, vi-. Pollak erhob Klage — aber die Kirchen-Zeitung wurde freigesprochen. Der Kläger appellirt, und das Oberlandesgericht gab die Entscheidung, der Verfasser jenes Schimpfartikels, Konstantin Cholewa Ritter v. Pawlikowski, sei des Vergehens der Ehrenbeleidigung schuldig, und werde zu einer Geldstrafe von vierzig Gulden, im Nichteinbringlichkeitsfalle zu acht Tagen Arrests, sowie zum Ersätze der Kosten des Strafverfahrens und Strafvollzugs verurtheilt, und es werde zugleich das Verbot der Wciterverbreitung des Beilageblattes der Wiener Kirchen-Zeitung vom 2. Februar 1867 ausgesprochen, und sei der Wort-Inhalt gegenwärtigen Urtheils auf Kosten des Verurtheilten in dem ersten nach Rechtskraft des Urtheils erscheinenden Blatte der Wiener Kirchen-Zeitung an der Spitze des Blattes zu veröffentlichen. Pest, 18. Juni. (Privatmitth.) Vom 1840er Landtage an ward die Emancipation dadurch vorbereitet, daß in dem Maße, wie sich der Druck auch unfern christlichen Mitbürgern fühlbar machte, und wir als Leidensgefährten angesehen wurden, auch unsere Stellung eine erträgliche, die Stimmung überhaupt eine bessere wurde. Im 1861er Landtag war sie uns nicht nur zugesagt, sondern als eine abgemachte Sache zugesichert. Als Beleg hierfür, wie die derzeitige Gesetzgebung über diesen Punkt dachte, sei nur ein Fall erwähnt: In meinem Zimmer äußerte sich ein hervorragender Deputirter der Deük-Partei über diesen Gegenstand: „Jetzt ist von Ihrer Seite keine Agitation nöthig, indem die Judenfrage im Landtage glänzend durchgeführt ward. Freilich jetzt hat es nichts auf sich, wenn man auf Seiten der Juden ist, vor dem 1840er Landtage aber, wo man mir in meinem Hause die Fenster eingeschlagen, weil ich im Comitate für die Gleichberechtigung sprach, damals war es Verdienst." So und ähnlich sprachen viele, die noch heute an der Spitze stehen. Was nun seitdem die Juden in Ungarn verschuldeten, daß man ihnen das zugesagte Recht vorenthält, schmälern oder daran mäkeln will, das ist uns leider unbekannt; nur so viel wissen wir, daß diese reaktionäre Strömung nicht von unten kommt. Die leiseste Anregung von oben würde die Bahn gebrochen haben. Auch wir Juden hatten uns mit Leib und Seele, mit Gut und Blut der allgemeinen Bewegung angeschlossen, so daß uns eine andere Anerkennung hätte werden sollen; und stehen wir im Allgemeinen auch noch auf einer niedreren Stufe der Bildung als unsere auswärtigen Glaubensbrüder, an Patriotismus werden wir sicherlich nicht übertroffen. Oder sollte sich der Jude dadurch die Zurücksetzung verdient haben, daß er, wie in keinem andern Lande der Welt, sich mit einer solchen Hast vom Handel zum Ackerbau der Art gewendet, daß der Flächenraum des von Juden bearbeiteten Feldes bei weitem den manches deutschen Königreiches übersteigt; und welches Lob müßte ihnen zu Theil werden, wollte man auch in dieser Beziehung den Juden gerecht werden, denn die Landwirthschaft kann bei Vielen derselben als Muster- Wirthschaft im Vergleich zu ihren magyarischen Nachbarn gelten; denn er, den man sonst nur des Wu- 7 ' .; | *, * U. ■ t