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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-07-09 · Heft 28 (9.7.1867) · p. Seite 554

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 28 (9.7.1867)
Date
1867-07-09
Page
Seite 554 (sequence 6)
Language
German
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554 lehrer-Seminars zugestanden worden, in so fern sie durch die königliche Prüfungs-Commission mit einem Befähigungs-Zeugnisse versehen werden. Nach dem königlichen Erlaß des Kriegs-Ministers und des Ministers des Innern vom 14. d. Mts., durch welchen die General-Commando's und die oberen Provinzial- Behörden von diesem Beschlüsse in Kenntniß gesetzt werden, ist dabei maßgebend gewesen, daß das genannte Seminar mit Genehmigung der Landes-Regierung von der Judenschaft der vormaligen Provinz Niederhessen zur Ausbildung israelitischer Elementarlehrer dauernd begründet ist, daß dasselbe, wenn es auch den Charakter einer Privatanstalt hat, doch unter Aufsicht und Leitung der Staatsbehörde steht, und daß die von letzterer ernannte Commission zur Prüfung der in der Anstalt ausgebildeten Abiturienten nach den Vorschriften der vom Staate begründeten Seminare erfahre, daß mithin' die besagte Anstalt sich in wesentlich gleichen Verhältnissen befindet, wie die jüdische Vereinsschule in Münster und wie die jüdische Lehrerbildungs- Anstalt in Berlin, denen beiden für ihre Abiturienten die Begünstigung der sechswöchentlichen DienstleisMng zugestanden ist. In Betracht kam dabei auch noch, daß die im vormaligen Kurfürstenthume Hessen bestehenden israelitischen Elementar-Volksschulen einen öffentlichen Charakter haben und in dieser Beziehung den christlichen Volksschulen gleichstehen. (K. Z.) Brrölau, 21. Juni. (Privatmitth.) Wie wir hören, ist seit Ostern d. I. die Lehrerabtheilung des hiesigen jüdischen theol. Seminars aufgehoben worden. Es hat das in der That seine guten Gründe. Denn so nothwendig auch eine solche Anstalt zur Ausbildung jüdischer Lehrer früher war, so machte sich doch dies Bedürfniß weniger geltend, seitdem durch die Annexion von Hannover und Cassel zwei neue Lehrer-Seminare zu den früher in Preußen bestehenden hinzugekommen waren.*) Da galt es denn, die eigentliche Aufgabe eines theologischen Seminars in'S Auge zu fassen und ihr nicht durch Rücksichtnahme auf Nebenziele Eintrag zu thun. Die Lehrerabtheilung aber, wie sie erst später dem Rabbiner-Seminare *) Dieser Umstand möchte doch wohl schwerlich ein Lehrerseminar für den großen östlichen Theil des preußischen Staates überflüssig machen, vielmehr bleibt dieses Bedürfniß nach wie vor, unsrer Meinung nach, ein sehr dringendes. (Redaktion.) angefügt worden, ist nie zu rechtem Gedeihen gekommen, weil die Mittel fehlten, ein rechtes, ganzes Lehrer-Seminar zu schaffen. Die Lehrer am Rabbiner- Seminar — mit dem Herrn Direktor nur 5 an der Zahl — konnten unmöglich eine so große Zahl von Unterrichtsstunden in der Lehrerabtheilung geben, als es für diese unbedingt erforderlich gewesen wäre; eine Combinirung dieser Abtheilung mit den untern Classen des Rabbiner-Seminars stellte sich je länger je deutlicher als für beide Anstalten gänzlich unzulässig Heraus; andere Nachtheile, welche die Verbindung zweier so ungleichartiger Institute nothwendig erzeugen muß, können hier nicht aufgezählt werden. So entzog die Lehrerabtheilung dem Rabbiner-Seminar einen Theil der diesem nothwendigen Kraft, ohne doch dadurch selbst zu einer gesunden Existenz gelangen zu können. Mit der Aufhebung derselben hat sich daher die Anstalt nur auf ihr eigentliches großes Ziel zurückgezogen. Sie wird auch in Zukunft jungen Leuten gestatten, zum Behufe ihrer Ausbildung im höheren jüd. Lehrfache an dem hcbr. Unterricht Theil zu nehmen, im übrigen aber sich damit begnügen, ein jüd.- theologisches Seminar zu sein. — X. — Paderborn, im Juni. (Privatmitth.) Hier ist der „Neunte Jahresbericht über die israelitische Waisen- Erziehungs-Anstalt für Knaben und Mädchen in Westfalen und Rheinland zu Paderborn von Fanny Nathan, Gründerin und Vorsteherin der Anstalt^ erschienen. Mau erkennt mit großer Befriedigung aus diesem Berichte, wie diese immer noch mit geringen Mitteln versehene Anstalt im Wachsthum begriffen ist, ein Wachsthum, das freilich mehr dem Muthe und dem Gottvertrauen der Leiterin und deren Beiständen, den Mitgliedern des Curatoriums, als dem Zufluß von Unterstützungen zuzuschreiben ist. Das am 1. März 1856 mit zwei Knaben eröffnete Waisenhaus zählte am Schluffe des Jahres 1866 32 Zöglinge, nämlich 21 Waisenknaben und 11 Waisenmadchen. Der Unterricht wird von dem Lehrer der Anstalt gegeben, drei Knaben besuchen das Gymnasium, ein Zögling arbeitet als Schlossergeselle bei der Eisenbahn. Die Verpflegung ist den Verhältnissen angemessen, jedenfalls kräftig und gesund. Es kamen unter den Kindern keine Krankheiten, nur einige leichte Erkältungen vor. Von den dreizehn Kindern, welche seit dem Bestehen der Anstalt entlassen wurden, wurden 1 Drucker und

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