Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 27 (2.7.1867)
- Date
- 1867-07-02
- Page
- Seite 538 (sequence 10)
- Language
- German
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538 Judengesetze"? Oder will man für die Juden ein specielles Jncolatsgesetz schaffen und daher die Verkoppelung dieser beiden einander so fremden Gegenstände? Ein hervorragendes Mitglied der hiesigen Judenschaft machte uns gegenüber die Bemerkung, mit demselben Rechte, mit welchem man die Emancipation mit dem Jncolat in Verbindung bringt, könne man es auch mit dem erst zu creirenden Gesetze über die heimischen Irrenanstalten in Connex bringen. Man müßte eben einfach irrsinnig sein, um bei einem derartigen Vorgehen um ein Jncolat in Ungarn nachzusuchen. Dieses Wort charakterisirt die Stimmung der hiesigen Juden. Gegen Eötvös ist man allgemein sehr erbittert. Man erklärt ganz offen, von einem conservativen Minister wäre eher ein entschiedener und ernster Schritt zu erwarten, als von einem Doktrinär, der in der Theorie außerordentlich liberal thut, im practischen Leben jedoch seine Theorien schon deßhalb nicht anwenden kann, weil er vor seinem eigenen Schatten erschreckt. Leugnen läßt es sich keinesfalls, daß der edle Freiherr sich in dieser Frage, in welcher er durch seine Vergangenheit so engagirt ist, etwas entschiedener hätte einsetzen können. Ueberhaupt fürchten wir, daß cs unserem Cultusminister noch sehr schlimm ergehen wird. Mit Tcmporisiren, Schönthun nach allen Seiten und mit unfruchtbarem Theoretisiren hat noch Niemand Großes geleistet. Und ein Cultus- und Unterrichtsminister hat nicht nur jenseits, sondern auch diesseits der Leitha keine kleine Aufgabe." — Wir glauben nicht, daß diese Vorgänge allein bei den Juden Ungarn's „böses Blut" machen werden, sondern sicherlich werden diese ungarischen Freiheitshelden, die der Staatsregierung für sich! nicht genug abringen können, bei allen Liberalen Europas ein eigenthümliches Urtheil erlangen. Für diese Verbindung des Jncolatsgesetzes mit der Frage über die Gleichstellung der Juden wird wohl der Grund sein, daß man befürchtet, wenn man sie von den auf ihnen lastenden Beschränkungen befreit, werden viele Juden in Ungarn einwandern. Man will also der Einwanderung überhaupt und wahrscheinlich durch besondere Beschränkungen der Einwanderung der Juden einen Riegel vorschieben. Diese Furcht ist gewiß eine übertriebene, denn die Einwanderung von Seiten der christlichen Confessionen, denen bisher schon solche Beschränkungen nicht entgcgenstanden, in Ungarn war immer eine sehr, schwache. Donaufürstenthümer. Bukarest, 12. Juni. Fürst Carl tritt nun endlich seine längst projektirte Reise in die Moldau an, nachdem sich die Gemüther daselbst wiederum einigermaßen beruhigt haben. Zwar hat die Tragödie von Jassy noch ein Nachspiel in der Stadt Baran gefunden, woselbst in den Straßen beiläufig 100 Israeliten, darunter 20 österreichische Unterthanen, in derselben Weise, wie sie in Jassy von dem liberalen Judenverfolgungs-Ministerium beliebt wurde, eingefangen und in Kelten gelegt worden sind, doch hat die sofortige Reclamation des österreichischen General-Consulats alsbald ihre Freilassung zur Folge gehabt. Johann Bratiano, dessen Beruhigungsmission in der Moldau einen so traurigen Ausgang hatte, wird den Regenten aus in die Augen springenden Gründen nicht begleiten; um aber L>en Fürsten nicht (fast hätte ich geschrieben „ohne Aufsicht") ohne einen Dolmetsch der Gefühle der durch die Maßregeln seiner Regierung beglückten Moldauer zu lassen, wird der Bruder des Herrn Bratiano, welcher den Vornamen Demeter führt, und dem Cultusministerium vorsteht, Se. Hoheit begleiten. Jassy, 19. Juni (Telegr. d. „Presse.") Gestern wurden die in erster Instanz als Vagabunden verurtheilten Israeliten vom Appellhofe freigesprochen. Der ehemalige Minister und jetzige Deputirte Epuriano führte die Vertheidigung und geißelte in mehrstündigem glänzenden Plaidoyer stimmtliche gegen Israeliten verübte Gewaltthätigkeiten unter donnerndem Beifall des Auditoriums. Frankreich. Paris, im Juni. Die .-leck. I8I-. beginnt in Nr. 12 einen Catalog aller der Künstler und Fabrikanten (nicht Kaufleute) jüdischer Religion, welche in der gegenwärtigen Ausstellung Erzeugnisse ihrer Kunst und Industrie ausgestellt haben. Wir ziehen daraus einige Bemerkungen, wobei allerdings nicht außer Acht zu lassen, daß die Vollständigkeit, namentlich was das Ausland betrifft, unmöglich ist. Die erste Gruppe befaßt die Malerei und Kupferstecherei. Es haben hier siebzehn Israeliten ausgestellt, und es ist erfreulich