Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 27 (2.7.1867)
- Date
- 1867-07-02
- Page
- Seite 537 (sequence 9)
- Language
- German
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587 Preisungen unbedeutender Thatsachen führen, und gerade darum muß das Schamgefühl geweckt werden, das solche Dinge allein zu verhindern vermag. Wäre ich ein solcher um eine Lappalie gepriesener, ich würde mich schämen und dem Lobhudler keinen Dank wissen. Mit Erstaunen erblickten wir, um ein Beispiel anzuführen, in Nr. 23 der hebräischen Wochenschrift ,,Hamagid“ von einem der pfälzischen Rabbiner einen Artikel, nicht über eine wichtige Zeitfrage, nicht über eine neue Entdeckung im biblischen oder talmudischen Gebiete, auch nicht über eine theatralische Aufführung der „Afrikanerin" und die schlechte Musik derselben, was der schwedische Correspondent in demselben Blatte zur Förderung und Belebung des Kunstsinnes seiner asiatischen Glaubensgenossen für mittheilungswerth hielt, — sondern um die Freigebigkeit der Herrn Moses Maier aus Ludwigshafen an's Licht zu setzen, der auf feine, des Rabbiners Aufforderung dem Vereine Mel.ize Nirdamim Drei Gulden gespendet, denen er, der Zlabbiner noch Einen Gulden beigefügt hat. Wenn für jede vier Gulden, die in kleineren und größeren Gemeinden für humane und literarische Zwecke gespendet werden, schreibfertige Rabbiner gleich lobende Artikel schreiben, dann werden nothwendig alle humanen Gefühle erstickt werden, denn die echte,. wahre Mildthätigkeit liebt es nicht, wenn rabbinische Trompeter ihre Thaten ausposaunen. Welche Lobeshymnen würde derselbe Rabbiner angestimmt haben, wenn in seinem Rabbinatsbezirke für die hinterlassenen Schriften eines Gelehrten 60000 Francs in wenigen Tagen erlöst, oder wenn für die mittellose Familie eines verdienstvollen Lehrers 10000 Gulden zusammengelegt worden wären. Von diesen beiden Thatsachen haben die öffentlichen Organe jetzt mit Recht keine Notiz genommen, weil neben Pygmäenthaten keine großen Handlungen sich zur Schau stellen dürfen. Österreichischer Kaiserstaat. Wien, 14. Juni. Rur immer vorwärts wenn auch langsam! Herr Ignaz Barach, Finanzconcipist, vom Finanzminister Plener seinerzeit dem Finanzministerium zugetheilt, hat am verfloffenen Dienstage als Nnanz-Ministeral-Concipist den Diensteid nach jüdischem Nitus abgelegt. Herr B. ist unsers^Wissens -der erste und einzige jüdische Conceptsbeamte eines Ministeriums in Oesterreich. Pest, 17. Juni. Der Presse schreibt man von hier: „Der Deäk-Club beschäftigte sich gestern mit der Frage der Emancipation der Juden. So ms sich beantragte, das Haus möge sich sobald als möglich mit dieser wichtigen Angelegenheit beschäftigen, worauf Finanzminister Lonhay die Erklärung abgab, die Regierung werde gleich nach dem Wiederzusammentreten des Landtags einen die Ausdehnung des Wahlrechts betreffenden Gesetzvorschlag nebst einem Gesetzentwurf über das Jncolat einbringen. Hiemit gab sich die Deäk- Partei zufrieden, nachdem noch mehrere Abgeordnete sich im Sinne der Gleichstellung der Juden ausgesprochen. Was nun die Erklärnug des Finanzministers betrifft, so mögen die Mitglieder der Deäk-Partei durch dieselbe vollständig befriedigt gewesen sein; dasselbe dürste sich aber schwerlich von der hiesigen Judenschast sagen lassen, die bei der Frage doch auch ein wenig mitinteressirt ist. lieber den ausgesteckten Termin würde man sich schon hinwegsetzen, obwohl das ewige Verschleppen dieser leidigen Frage nachgerade für Jeden schon peinlich zu werden anfängt; hierüber würde man aber — wie gesagt — sich beruhigen, wenn die Lonyay'sche Erklärung nicht andere Eröffnungen enthielte, die in den Kreisen der ungarischen Juden gewiß sehr viel böses Blut machen werden. Erstens ist der Ausdruck „die Ausdehnung des Wahlrechts" entweder sehr engherzig oder sehr unglücklich gewählt. Die Erweiterung des Wahlrechts ist nur Eine Seite der Gleichstellungsfrage, und bei dem Umstande, daß der jetztgewählte Landtag noch längere Zeit tagen wird^ ganz gewiß nicht die brennendste. Die Emancipation besteht jedoch nicht allein in der Bewilligung des Wahlrechts, und sind wir über die Absichten unserer heimischen Israeliten gut unterrichtet, so verlangen dieselben auch noch die vollständige Gleichstellung des Individuums und der Confession. Was schließlich die Verquickung der Frage der Gleichstellung mit dem Jncolat betrifft, so herrscht hierüber in Judenkreisen allgemeine Indignation. Thatsächlich sind dies zwei ganz verschiedene Angelegenheiten, die nur durch eine höchst willkürliche Interpretation in Verbindung gebracht werden können. Ein Jncolatsgesetz muß geschaffen werden, aber warum gerade in Verbindung mst dem 27