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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-07-02 · Heft 27 (2.7.1867) · p. Seite 536

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 27 (2.7.1867)
Date
1867-07-02
Page
Seite 536 (sequence 8)
Language
German
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536 rung war gegen die „modernes Aufklärung" und „geistige Aufklärung der Neuzeit" losgezogen. Hiergegen spricht sich der Berichterstatter nun in so kräftiger Weise aus, daß es wohl angemessen ist, einige Stellen zu reproduziren. Denn gewisse Wahrheiten können vor dem großen Publikum nicht oft genug wiederholt werden. Er sagt: „Wenn die christlichen Parteien einer gewissen Richtung gegen „die moderne Aufklärung" — auch so ein Schlagwort, wie Ihr uns vorwerft — zu Felde ziehen, so begreifen wir das; das christliche Mittelalter war nach mancher Seite hin eine große Zeit, die hier und da bedauert und zurückgewünscht werden mag. Wie aber ein Jude, der es mit seiner Religion und mit der Wahrheit wirklich wohlmeint, wie ein Jude, der nicht ganz in Vorurtheil verknöchert ist und der die Geschichte nur einigermaßen kennt, gegen die „Aufklärung der Neuzeit" eifern mag, das geht über unser Verständniß hinaus. Hat der Herr Einsender die Mortara-Geschichte vergessen? Und wer hat es b ei un s unmöglich gemacht, daß Kinder ihren Eltern mit Gewalt entrissen und bekehrt werden? Nun hören Sie es, wenn Sie es nicht wissen: das hat die „moderne Aufklärung" gethan. Verfasser dieser Zeilen hat vor Kurzem das Ghetto in 3Wn gesehen — in seinem ganzen Leben wird er diesen Schmutz, dteses Elend, diese körperliche und geistige Verkommenheit der Juden im Ghetto zu Rom nicht mehr vergessen. Wer aber hat den Juden vom Schmutz und Elend der Ghetti befreit? Das that die „moderne Aufklärung." Was war der Jude, und was war sein Zustand nach Innen und Außen in jener „guten alten Zeit," da es noch keine „moderne Aufklärung" gab? Ein Gottesdienst voll unanständigen Lärms und ohne alle Erbauung, Schmutz, Unwissenheit in religiösen und profanen Dingen — Ausnahmen bestätigen die Regel — Werkheiligkeit, die alle ihre Pflichten gegen die Menschheit, gegen die andersglaubende Menschheit namentlich, erfüllt zu haben glaubte, wenn sie sich durch ein paar herkömmliche, ihres ursprünglichen innern Geistes und Gehaltes beraubte Ceremonien und Herplappern unverstandener, zum Theil veralteter und widersinniger Gebete jeden Morgen und Abend mit ihrem Gott abgefunden hatte — das war, nach einer kurzen Blüthe, im Drange und in der Roth ungünstiger, unaufgeklärter Zeit der innere Zustand des Judenthums; Plünderung, Verjagung, Hinschlachung durch verblendete Fanatiker oder Verbrennung auf dem Scheiterhaufen durch die Ketzergerichte — das' war das Schicksal des Juden im Staate, ehe die „moderne Aufklärung" auch dem Juden sein Menschenrecht zurückgab. Mag man im Schmutz und in der Unwissenheit polnischer, czechischer, ungarischer niederer Bevölkerung, wo Christ und Jude sich hassen und verfeinden, gegen „moderne Aufklärung" declamiren — man kennt sie dort nicht —! Daß man aber in einem Lande, vom Himmel so begünstigt wie unsere Pfalz, in einem Lande, wo, mit von den ersten, die socialen und gesetzlichen Schranken fielen, die den Juden vom Christen schieden; daß man Hier gegen die „Aufklärung der Neuzeit" eifert, das, mein Herr Gegner, ist Ihnen kaum zu verzeihen. Was man auch im Einzelnen gegen das Ueberschreiten der Grenzen, welche alle menschliche Erkenntniß und Forschung am Ende gelten lassen muß, in dem Fortschreiten der Neuzeit einzuwenden haben mag — wehe uns! wenn cs den Finsterlingen aller Confessionen gelänge, die gute alte Zeit zurückzuführen, die „moderne Aufklärung" zu hemmen, zu verdächtigen, zu vernichten!" Landsberg a. d. W. 11. Juni. Man schreibt von hier: Vor wenigen Tagen ist die Bestätigung der Wahl zweier unserer bisherigen Magistrats-Mitglieder, der Herren Rentier I. Lorenz und Kaufmann Benny Burchardt, zu unbesoldeten Stadträthen von der Königl. Regierung zu Frankfurt a. Oder eingegangen, nachdem zuvor Recurs beim Herrn Oberpräsidenten ergriffen worden ist. — Beide Gewählte sind bereits seit länger als 20 Jahren mit! den verschiedensten Ehrenämtern unserer Verwaltung betraut worden. (Wir brauchen unfern Lehrern den Namen des Herrn Benny Burchardt als eines Wohlthäters der israelitischen Jugend und des eifervollen Vorstehers seiner Gemeinde nicht erst in Erinnerung zu bringen. Red. d. A. Z. d. I.) Aus der Pfalz, 17. Juni. (Prwatmitth.) Ein Mißbrauch der jüdischen Presse, der immer mehr überhand nimmt, darf nicht ungerügt bleiben. Es ist der, daß sich die unbedeutendsten guten Thaten mit einer außerordentlichen Ueberschätzung in ihr bereit machen, während nicht selten großartige Kundgebungen des edlen Sinnes, der auch in unserer Generation lebt, mit Stillschweigen übergangen werden. Man erkennt leicht, daß es selbstsüchtige Motive sind, die zu solchen Lob-

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