Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 27 (2.7.1867)
- Date
- 1867-07-02
- Page
- Seite 535 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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535 ten, zeigt er hier große Belesenheit und wahrhaft kritischen Geist. Er verfolgt das Sepher Tagin bis über die Mi sch na hinaus und erklärt dadurch sehr scharfsinnig die Mischna (Alioth l, t3), wo das aon schon das Sepher Tagin bedeuten soll iS. 22 et p.); eine sehr annehmbare Hypothese, aber doch nur eine Hypothese, als eine solche muß auch die aufgestellte Meinung von ihm (S. 33 el p.) gelten, daß die Verfasser des Sepher Tagin die Essäer gewesen wären oder daß d.ieMitglieder sich dessen, so wie eines gewissen rmisn 'o bedient hatten, welches er übrigens schon in seiner irnnn gesagt hat; Hr. De. Grätz hat dieses als ein fall aecompli in seinem jüngst erschienen Bande Sinai' el Golgatha ausgesprochen, aber ohne Quellenangabe, was doch gerade in einem Buche, das über Messiaslehre handelt, am Platze gewesen wäre ara» y-idk dm im laia ba Db*ttb. Sicher ist es, daß die Geonim das Sepher Tagin schon kannten; so erwähnt er das am drurnw (S. 9) wie auch R. Saavjah in seinem arabischen Commentat zum Buche Jezirah (vrgl. Hamagid 11. Jhrg. Nr. 5). Das Midrasch di R. Akibah soll ein Theil des rrpnuK m'py 'ii und zur Zeit des Kaiser Justinians verfaßt sein iS. 41); doch giebt Hr. Sachs hiefür gar keine Beweise und vertröstet uns auf später; diese Formel — davon sprechen wir ein anderes mal — welche manche Gelehrte oft benutzen, ist gar nicht parlamentarisch; was man auf der Zunge hat muß man gleich sagen. — Es war meine Absicht nicht das Büchlein zu loben oder zu tadeln; ich wollte bloß das jüdische Publikum zur Anschaffung dieses Schriftchens anregen, denn es heißt am ■» n i diö* min rat. Man bezieht es von Hr. Senior Sachs 200 rne 8l. Antoine für einen Thaler; für die Mitglieder des Instituts zur Förderung re. nur 20 Ngr. — Bemerken wir auch zugleich, daß nächstens die erste Lieferung „der Forschungen über Gabirol" von Hr. Sen. Sachs erscheint, eine Arbeit, die ein vollkommenes Licht über alle Phasen des großen Dichters und originellen Philosophen wirft. Auer. Bonn, 14. Juni. Unter den jüdischen Kalendern nimmt der Zeit des Erscheinens nach stets der „Jllustrirte israelitische Volkskalender von Jakob W. Paschel es" in Prag immer die erste Stelle ein. So liegt bereits seit einem Monate der sechzehnte Jahrgang für das Jahr 5628 vor uns. Wenn auch die Illustrationen, von denen der Kalender seinen Beinamen führt, in diesem Jahre allein in einem ganz guten Portrait des sel. Ernst Wehli besteht, so ist dies doch all' denen, welche diesen trefflichen verdienstvollen Mann gekannt, gewiß willkommen. Das Jahrbuch enthält recht gute Aufsätze, unter denen wir das Leben des Rabbi Simon Ben Lakisch von Klemperer hervorheben. — Geschichte der Juden im ehemaligen Fürstenthum Ansbach von S. Haenke. Mit Urkunden und Regesten. Ansbach, Heuge 1867. Diese Monographie vermehrt die Zahl der in der letzten Zeit über die Geschichte deutscher Juden in einzelnen Lokalitäten erschienenen Werke in trefflicher Weise. Allerdings ist es auch hier nur die. äußere Geschichte, die uns entgegentritt, insonders der Rechtsverhältnisse und der socialen Beziehungen, sowie der äußeren Ereignisse. Von dem inneren Leben der Juden erfahren wir wenig. Dagegen kann man den Fleiß, die sorgfältige Umsicht, und die unparteiische Kritik, welche der Verf. auf seinen Gegenstand verwendet, nur mit großem Lobe anerkennen. Die Geschichte der Juden im ehemaligen Fürstenthum Ansbach reicht nicht hoch hinauf, indem selbst aus dem vierzehnten Jahrhundert nur dürftige Nachrichten vorhanden sind, und erst mit der Hohenzollernschen Herrschaft beginnt ein regeres Leben derselben. Am meisten Wichtigkeit erhält diese Schrift durch die Gemeinde zu Fürth, welche denn auch ihre ausführliche Behandlung findet. Interessant sind im Einzelnen die traurigen' Geschichten einiger Hofjuden, welche einen kurzen Glanz und Einfluß mit dem jähesten Sturze bezahlen mußten. Wir erhalten hier übrigens auch Einblicke sehr düsterer Art in die Rivalitäten und Befeindungen solcher hochstehenden'Judenfamilien unter einander, die einmal wieder eine gründliche Aufklärung über den wahren Gehalt der „guten alten Zeit" nach allen Seiten hin bringen. — Zeitungsnachrichten. Deutschland. Neustadt, a. d. Hardt, 5. Juni. In Nr. 23. d. Bl. wurde ein Bericht über die Einweihung der hiesigen Synagoge aus einem Pfälzer Blatte nutzetheilt. Der „Dürkheimer Anzeiger" brachte eine heftige Entgegnung, welcher der „Bote von Dürkheim" wiederum entgegentritt. Wir wollen uns hier in die Details und Persönlichkeiten nicht einlassen. Die Erwiede-