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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-06-25 · Heft 26 (25.6.1867) · p. Seite 527

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 26 (25.6.1867)
Date
1867-06-25
Page
Seite 527 (sequence 19)
Language
German
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527 feine Mußestunden hebräischen Studien, und setzte diese Beschäftigung während einer Zeit von dreißig Jahren fort. Er bereitete gerade für den Druck eine Uebersetzung eines Theiles des Talmuds vor. Auch war er ein ausgezeichneter Wundarzt, der eine sehr einträgliche Praxis hatte. In jüdischen Angelegenheiten war er immer thätig; streng orthodox, wich er nie von seinen Grundsätzen ab. Er war mehrere Jahre hindurch Schatzmeister der Gemeinde Shearith Israel; auch war er ihr Spin (Schofarblaser). Als Mohel war er ganz vorzüglich, und führte mehr Kinder in den Bund Abrahams ein als irgend ein anderer Jude in Amerika. Mehrere Jahre war er Präsident der „North American Relief Society for the indigent. poor of Jerusalem.“ Seinem Begräbnisse wohnten Mitglieder aller Synagogen und eine große Anzahl hervorragender Christen bei. (Jewish Messenger.) Korrespondenz. Aus Württemberg, im Juni. Eine Antwort. Eßlingen am Neckar ist der Sitz des Königlichen Gerichtshofs für den Neckarkreis; sonst ein bureaukraüscher Ort, ist er jetzt ein Fabrikplatz geworden und diese Metamorphose giebt sich auch im geselligen Leben kund; die Beamten und Richter sind nicht mehr die tonangebenden Matadoren in der Stadt, die im schwäbischen „Herrenstübchen" den Vorsitz führen, sondern der Industrielle, der Arbeiter hat auch im geselligen Leben sich den ihm gebührenden Rang errungen, wozu Fleiß, Thätigkeit und Bildung, Einkommen und Vermögen ihn berechtigen. Das kann manche Schreiberseele nicht verwinden und besonders, wenn der bevorzugte Industrielle noch Jude ist, so kann das ein altwürttembergischer Mandarine nicht goutiren. Im Speisesaal zur Krone saß an derselben Tahle d’höte, an der ein Königl. württembergischer Justizassessor sich spreizte, ein Jude, ein Bediensteter der bekannten Firma: Bijouteriefabrik von Jakob Levi's Söhne. Der vom Halis Levi stand auf und wagte mit bedecktem Haupte im weiten Saale zu promeniren, da rief mit criminalrichterlicher Befehlshaberstimme ein Jnstizasseffor: „Hut ab, da ist man in keiner Judenschul!" Welche Worte beide Herren noch gewechselt, ist nicht vom Griffel der Geschichte verzeichnet worden; aber andern Tags stand folgendes Gedicht in dem Feuilleton der Eßlinger Zeitung: Hut ab! Wer will gute Sitten lehren, Darf ihr selber nicht entbehren; Doch es zeugt von schlechtem Tone, Wenn man in der hiesigen Krone Fremde Leute insultirt, Deren Aeuß'res uns genirt, Und es zeugt von wenig Geist, Wenn man Jemand „Juden" heißt, Weil er seinen Hut nicht zog, Als er um die Ecke bog. Wahrlich drob bin ich verwundert, Daß im jetzigen Jahrhundert Noch ein vollgerechter Mann Solchen Blödsinn reden kann. Straßenjungen, laß ich gelten, Hört man öfter „Jude" schelten; Doch solche ungezog'nen Rangen Schlägt man eine auf die Wangen, Denn der Jude, das ist recht, Äst so gut just und so schlecht, Als die andern Menschen alle; Schlechter nicht, in keinem Falle! Und Du großer Pädagoge Weißt, daß in der Synagoge Jeder Jude sich bedeckt; Doch nicht Du hast das entdeckt; Und es ist fürwahr nichts Neu's, Daß ein Sucher*) dieses weiß. Neu ist aber, ich muß sagen, Daß man noch in unfern Tagen Immerdar der Meinung ist: Grob sein dürfe nur — der Christ. Die Verfasserin dieses improvisirten Gedichtes ist die Frau Elise Levi, geb. Hänle aus Eßlingen, Nichte der bekannten Dichterin „Henriette Ottenheimer", und sie wird uns die Jndiscretion entschuldigen, daß wir ihre Anonymität in dieser gelesenen Zeitschrift nicht respectirt haben, und hoffen wir dadurch den Dank des lesenden Publicums zu ernten. Laupheim. Alexander Elsäßer. Noch ein proceß betreffs der Judenverfolgungen in Söhnten. Prag, 14. Mai. (Nach der Presse.) Gestern begann beim hiesigen Landesgerichte eine Verhandlung gegen acht Insassen von Bechcin, welche sich im vorigen Jahre an den Judenhetzen betheiligt hatten. Der Hauptangeklagte ist der alte Nagelschmied Mathias Holy. Der Präsident (Herr Landesgerichtsrath Neumanu) hält ihm sein Verschulden mit folgenden Worten vor: Sie haben sich auf dem Dorfplatze zu Bechcin an die Spitze einer ganz verwilderten Schaar gestellt und den Leuten zugeschrien: „Bringt die Juden alle auf einen Haufen zusammen; bevor der Abend anbricht, müssen sie alle kalt sein. Kein Jude darf in Bechcin den Morgen erleben. Den „Jtzig" aber, den laßt mir allein, den will ich selber würgen wie einen Hasen, bis er kalt ist. Dann werfen wir ihn sammt den anderen Judenleichen den Hunden vor." *) Bücher im Hebräischen, ein fahrender Schüler, soll auch der Name des modernen Geßlers sein.

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