Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 26 (25.6.1867)
- Date
- 1867-06-25
- Page
- Seite 520 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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LSO der politischen Beschränkungen, welche die schweizerischen Israeliten damals noch erfuhren, vollständig abgebrochen; gegenwärtig weigern sich die die General-Staaten den Handelsvertrag früher abzuschließen, bis unseren Glaubensgenossen in der Schweiz Glaubens¬ und Gewissensfreiheit zugesichert ist. In Folge dieses Begehrens theilt der Bundesrach an sämmtliche Stände durch Kreisschreiben mit: „Es sei bei den schwebenden Unterhandlungen wegen eines Handelsvertrages mit den Niederlanden wichtig, in Erfahrung zu bringen, wie die Israeliten in Beziehung auf'Religionsübung in einzelnen Kantonen gehalten seien, ob es ihnen namentlich gestattet sei, Tempel zu errichten, und überhaupt den Cultus nach mosaischem Rechte auszuüben, oder ob sie desfalls gewissen Beschränkungen unterliegen und welchen? Von Kantonen wie Zürich, Genf, Bern, Basel, Waadt kann man der befriedigendsten Antwort von vornherein gewiß sein; was werden aber die Urkantone und andere Kantönchen antworten? Wie wird der Aargau über das Schächten, das doch auch zum Kultus gehört, hinwegkommen? Der Aargauische große Rath hielt es für angemessen, diese Frage in der jüngsten Maisitzung nicht auf die Tagesordnung zu bringen, denn seit dem Erscheinen der Kahserling'schen Schrift schämen sich die Herren auch nur darüber zu sprechen und möchten die ganze Frage am liebsten todtschweigen. Frankreich. Paris, im Juni. Das Budget für 1868 thut für den israelitischen Kultus wieder einen Schritt vorwärts, indem es das Gehalt des Großrabbinen, des Centralconsistoriums von 7600 auf 10,000 Franken (2,6662/3 Thr.) erhöht. Davon sticht nun freilich um so mehr ab, daß der Großrabbiner von Paris nur 1005 Frs., die andern acht Großrabbinen nur jeder 3500 Frs. und die Mehrzahl der Gemeinderabbinen nur 1100 Frs. erhalten. Zu bemerken ist noch, daß der Großrabbiner des Centralconsistoriums außerdem noch 2000 Frs. Miethsentschädigung erhält. Jedoch ist nicht zu übersehen, daß derselbe auch gar keine Accidenzien hat. Die Gesammtziffer des israelitischen Kultus beläuft sich im Staatsbudget für 1868 auf 244,200 Frs. (65,120 Thlr.). Paris, 12. Juni. (Privatmitth.) Die Akademie der Wissenschaften hat in ihrer Sitzung' vom 7. Juni den ganzen Preis von 3000 Frs. für die ausgezeichnete Lösung der Preisaufgabe, die geographischen Bezeichnungen im Talmud betreffend, dem Herrn A. Neubauer zuerkannt. Er hatte einen namhaften christlichen Gelehrten zum Concurrenten. Es ist sicher, daß der genannte junge Gelehrte, der auch den Abonnenten des Instituts zur Förderung der israelitischen Literatur durch seine Arbeit über die karäische Literatur rühmlichst bekannt ist, eine Bibliothekarstelle an der kaiserlichen Bibliothek erhält, so wie daß Herr Derenburg Nachfolger des Herrn Munk am College de France wird. Egypten. Die „Archives" enthalten von hier zwei Briefe, deren wesentlichen Inhalt wir in folgendem geben: Die „Alliance" hat Herrn Hallevi die Mission übertragen , nach Abessinien zu dem Stamme der Falascha's zu gehen. Der Augenblick ist nicht gut gewählt. Die Bürgerkriege, welche in diesem Lande seit einigen Jahren herrschen, und die schlechte Regierung des Kaisers Theodor lassen den Untergang des muthigen Mannes voraussehen, der sich diesem Werke gewidmet. Ich habe in unserer Stadt abessinische Sclaven kennen gelernt, die von jenem Stamme waren. Ich hörte von ihnen, daß ihr Stamm den Sabbat streng hielt. Biele von ihnen wohnen in Aden; die Engländer schützen sie schon aus commerziellen Rücksichten, da sie die einzigen Eingebornen sind, die Strohhüte fabriciren; auch sind sie Maurer, Gerber und Töpfer. Biele beschäftigen sich mit dem Export von Wachs und Kaffee. Sie wohnen in einem besonderen Stadviertel. Leider ist ein großer Theil von ihnen in Aden an der Cholera gestorben, viele lebten aus Mangel an Arbeit im tiefsten Elend. Auch in Bombay leben viele von ihnen, meist fehlt ihnen ein bestimmtes Handwerk, und sie sind arm, sie! werden oft aus Mitleid von den Juden Bagdad's als Diener angenommen. Sie haben eine Synagoge und halten den Sabbat, ein Vorbeter hält den Gottesdienst ab, sie selbst verstehen die Gebete nicht und hören nur zu. Die „Alliance" würde besser thun, wenn sie Hrn. Hallevi nicht nach Abessinien, sondern nach Aden oder Indien sendete, wo