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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-06-25 · Heft 26 (25.6.1867) · p. Seite 518

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 26 (25.6.1867)
Date
1867-06-25
Page
Seite 518 (sequence 10)
Language
German
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518 des Fürsten Carl, gab dem letzteren sein Mißfallen in empfindlicher Weise zu erkennen, indem er ihm den Credit abschnitt, welcher ihm bisher bei einem hiesigen Banquier für Rechnung seines Vaters zu Gebote gestanden hatte. Unter solchen Umständen würde der'von allen Seiten gedrängte Fürst Carl sein Ministerium gerne zum Opfer gebracht haben; doch hat das letztere dafür gesorgt, daß der Regent die politischen Capacitäten des Landes, welche nicht zu der radicalen Partei gehören, möglichst wenig kennen lerne, oder in denselben Gegner seiner Person erblicke. Der Einzige, an welchen er sich deßhalb um Uebernahme der Regierung wenden konnte, war sein ehemaliger Minister Jon Ghika, der Ex-Fürst von Samos. Dieser aber weigerte sich, die Regierung wieder zu übernehrnen, was bei der bekannten mit Ehrgeiz gepaarten Klugheit Jon Ghika's ein schlimmes Zeichen ist, weil es zu dem Schlüsse führen muß, daß selbst Jon Ghika das Staatsschiff von Rumänen für zu schadhaft hält, um dasselbe noch lange über Wasser halten zu können. Bottuschan, 6. Juni. (Privatmitth.) Welche auch die Stürme sind, die uns bald von der Regierung, bald von den Behörden, bald vom aufgehetzten Pöbel bereitet werden, die innere Entwickelung unserer Glaubensgenossenschaft geht unaufhaltsam ihren Weg, und wo sie einmal ihren Anfang genommen, trotzt sie allen Schwierigkeiten und verfolgt ihren Fortgang. Dahin gehört die hier errichtete israelitisch-rumänische Schule. Ich kann Ihnen von derselben schon das Erfreuliche mittheilen, daß sie im Wachsen begriffen ist. Die Zahl ihrer Zöglinge hat sich um 80 vermehrt, so daß sie jetzt 328 beträgt. Die Leistungen der Kinder im ersten Semester haben schon die Augen einer großen Zahl der hierortigen Israeliten geöffnet, um die Bortheile der geregelten Schule einzusehen. — Die gewaltigen Vorgänge der letzten Zeit, die in Europa so viel und so gerechtes Aufsehen erregt Habens hatten bereits angefangen, sich auch hier verspürbar zu machen, und droheten in hies. Stadt denselben verderblichen Verlauf zu nehmen, der in Jassy unseren Glaubensgenossen unsägliches Unglück bereitet hatte, als ihnen vom Fürst Carl Stillstand geboten ward. Was uns tröstet, ist, daß im übrigen Europa, namentlich in Deutschland, die Zeit noch nicht lange vorüber, wo ähnliche Vorgänge, wenn auch nicht in solchem Umfange statt fanden, und doch gehören sie heute zu den Unmöglichkeiten. Hoffen wir, daß auch Rumänien recht bald in die Reihe der wirklichen Culturstaaten eintreten werde, wo eine Regierung es nicht wagen darf in so flagranter Weise Verfassung und Gesetz zu verletzen, und ebenso wenig duldet, daß das Gesetz von unten hcrrauf verletzt werde. Als ich von einigen Juden vernahm, welche an die russische, dann an die österreichische , und endlich an die türkische Grenze transportirt, von jenen aber zurückgewiesen wurden, als dort nicht heimathberechtigt, kam mir eine ähnliche Scene in das Gedächtniß, welche Sie so lebhaft in der Novelle „Esther Zaundorn" im fünften Bande ihres „Saron" geschildert haben, und die wie sie im Laufe jener Erzählung versichern, auf Wahrheit beruht und in einem, in den vierziger Jahren vorgekommenene Ereigniß wurzelt. Nun, ist dies vor zwanzig Jahren in Deutschland geschehen, so überlassen wir uns dein Glauben, daß es nach zwanzig auch in Rumänien nicht mehr möglich sein werde.*) *) Auch wir wollen dieses Vertrauen theilen, ob gleich doch die deutschen Staaten vor zwanzig Jahren einen ganz anderen Anblick boten, wie das heutige Rumänien, und zu besserem Verständniß die Stelle aus jener Erzählung, auf welche unser Herr Correspondem anspielt, und die allerdings in Berichten der damaligen Zeitungen ihren Untergrund hatte, hier anführen. Esther erzählt: „Wir (sie, ein Kind noch, und ihr Vater) mußten jetzt um eine Bergecke biegen, ein starker Wasserfall, dessen Rauschen ich schon lange gehört, lag vor uns, darüber verband eine Brücke für Fußgänger beide Ufer. An derselben Stelle stürzte aber vom Berge rechts in starkem Falle noch ein Bächlein herab, und vermischte sein Wasser mit dem größeren. Ich kenne die Stelle wohl, mein Fuß stand späterhin oft auf derselben, und niemals schritt ich über das Brückchen, ohne daß die Scene mir durch die Seele ging, die jetzt unser da wartete. Es wird von den Landleuten die „Dreiherrenbrücke" genannt, denn jenseits ist das Gebiet preußisch, dieseits trennt der herabstürzende Seitenbach die hannover'schen und braunschweigischen Lande. Wir kamen aus den letzteren und standen eben an der Brücke. Der Fuß meines Vaters zögerte einen Augenblick, ob er hinüber in's Preußische, oder gerade in's Hannoversche schreiten sollte. Da trat plötzlich von Jenseits ein bewaffneter Mann auf die Brücke, meinem Vater entgegen und rief streng: „Jude, wohin willst Du?" Jener nannte den Namen eines Ortes. „Zeig mir Deinen Paß." Mein Vater zögerte, endlich da der Gens'darm ihn grimmig anfuhr und schon den Arm nach ihm ausstreckte, holte mein Vater ein schmutziges Stück Papier aus der

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