Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-06-25 · Heft 26 (25.6.1867) · p. Seite 517

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 26 (25.6.1867)
Date
1867-06-25
Page
Seite 517 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3224737-3226581-3226608--25086-3260572
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Ausschuß zu beantragenden Aenderungen entsprechendes Gesetz anzunehmen und der weiteren verfassungsmäßigen Behandlung zu unterziehen." Pest, 1. Juni. Ein Telegramm meldet: In der heutigen Conferenz des DeSk-Clubs legte Sansfich einen Gesetzvorschlag vor wegen Ausdehnung des Wahlrechts auf die Juden. Der Minister erwiederte, im Herbste werde die Judensrage, verbunden mit einem Jncolatgesetze, erledigt werden. Triest, 10. Juni. Der Osserv. Tr. veröffentlicht den Wortlaut der im Aufträge des Landesausschusses von vr. v. Baseggio und Di. Formiggini verfaßten Petitionen an das Ministerium, wodurch, dem Beschlüsse des hiesigen Landtags gemäß, dem Grundsätze der Gleichstellung der verschiedenen Glaubensbekenntnisse im Genüsse der bürgerlichen und politischen Rechte die vollständige practische Anwendung erwirkt werden soll. Nach einigen allgemeinen Erwägungen heißt es darin: „Und um so wünschenswerther ist die practische Anwendung des großen Princips der vollständigen Gleichstellung in dieser Stadt Triest, in welcher, wegen ihrer eigenthümlichen Stellung als Handels- und Schifffahrts-Emporium, nothwendigerweise die Angehörigen verschiedener Glaubensbekenntnisse beisammenwohnen, deren jedes gleiches Recht auf Schutz von Seite des Staates und der Gemeinde hat." (So sieht man wiederum hieraus, daß auch die volkswirthschastlichen Interessen mit der Gewissensfreiheit und, Gleichberechtigung eng verbunden sind — etwas, was die Holländer und Cromwell schon vor mehr als zwei Jahrhunderten einsahen, im Osten aber noch heute nicht begriffen wird. Red. d. A. Z. d. I.) Donaufürftenthümer. Bukarest, den 8. Juni. Eine ausgezeichnete Rechtfertigung ist bereits den verfolgten Israeliten geworden, wie wir sie in eklatanterer Weise nicht verlangen konnten. Folgende Correspondenz giebt hierüber Aufschluß. Aus der Moldau wurde dem Fürsten Carl eine mit vielen hundert Unterschriften bedeckte Beschwerde gegen das Verfahren des Ministers Bratiano zugesendet, in welcher der Letzere der Mißachtung der fürstlichen wie der gesetzlichen und richterlichen Gewalt und des Bruches der Constitution angeklagt und die Verfolgungen der Israeliten als Verbrechen qualificirt werden, während die Unterzeichner die Intervention des Fürsten anrufen, um der Anarchie ein Ziel zu setzen und die gesetzliche Ordnung wieder herzustellen. Aus der langen Liste von Namen, welche unter dieser Beschwerdeschrist stehen, geht hervor, daß außer den Creaturen des Ministers es beinahe ausschließlich nur der Pöbel war, welcher an der von der Regierung veranstalteten Äudenhetze theilgenommen hat, während der gebildete Theil der Bevölkerung der Moldau unter der Schmach erröthet, welche die barbarischen Acte der Regierung auf den Namen der Moldauer geladen haben. Die Schrift ist unter anderem von dem ehemaligen Minister C. D. Stourdza, dem General Maurocordato, dem ehemaligen Minister G. A. Sutzo, dem ehemaligen politischen Agenten Kallimachi, dem Senator Konst. Sutzo, dem Major Etienne Rosetti, dem Präsidenten Basil Pogor, dem ehemaligen Minister und gegenwärtigen Senator Jepurano, dem Senator Carp, sowie von mehreren Deputirten und bekannten politischen Persönlichkeiten der Moldau unterzeichnet, und spricht es deutlich aus, daß wenn die Umgebung des Fürsten demselben die Zustände in der Moldau in weniger trübem Lichte vorstellt, er von derselben hintergangcn wird. . Bon den Cabineten der Großmächte liefen die energischesten Noten ein, um der officiellen Judenverfolgung Einhalt zu thun, und muß man zugeben, daß die Israeliten von ganz Europa sich ohne Zeit zu verlieren, für ihre mißhandelten Glaubensbrüder mit gutem Erfolge verwendet haben. In England war es der Baronet Montefiori, welcher bei Lord Stanley intervenirte, in Paris Baron Rothschild bei Marquis de Moustier, und Cremieux bei dem Kaiser Napoleon. Wer die Sache der Kinder Juda's in Berlin, Wien und Petersburg vertreten hat, weiß ich nicht zu sagen, aber die Depeschen, welche aus den letztgenannten drei Hauptstädten zum Schutze der Verfolgten und Mißhandelten einliefen, tragen beinahe noch entschiedeneren und drohenderen Charakter als die von London und Paris. Graf Bismark und Fürst Gortschakoff versäumten die Gelegenheit nicht, den Fürsten Carl zu erinnern, daß es von Anfang an ihr Mißfallen in hohem Grade erregt habe, daß er sich der Partei der rothen Rumänen gänzlich in die Arme geworfen habe, und Prinz Anton zu Hohenzollern, der Vater 26

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.