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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-06-25 · Heft 26 (25.6.1867) · p. Seite 512

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 26 (25.6.1867)
Date
1867-06-25
Page
Seite 512 (sequence 4)
Language
German
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512 derniß, um Anfeindungen gedachter Art in ihrer Nichtigkeit hinzustellen. Ohne Sachkenntniß ist Letzeres unmöglich; denn, wird die Unwahrheit auch gefühlt, so kann sie unmöglich ohne Kenntniß der Wahrheit entlarvt werden. — Wir bemerkten früher einmal (Sk. III), daß wohl auch noch ein Mann der Wissenschaft in den Niederlanden sich veranlaßt fühlt, eine Lanze für das Judentum zu brechen. Als wir diese Worte niederschrieben, stand uns der Mann vor der Seele, den wir jetzt nennen wollen, den wir bereits (Sk. II) genannt haben. Wir meinen den Professor Goudsmit zu Leiden. Er war es, der einen Anfall gegen Juden und Judenthum in würdigster Weise zurückwies. Daß es auch hier zu Lande noch eine Partei giebt, die von einem christlichen Staate träumt, haben wir ebenfalls schon erwähnt (Sk. II, Schluß). Die Anhänger dieser vergeblich kämpfenden Partei werden Groenianen genannt, nach ihrem Führer Groen van Prinsterer (s. Sk. IV Schl.), einem Mann von ausgezeichnetem Talente und bedeutender Gelehrsamkeit, anch als Redner hervorragend. Man könnte ihn etwa den Stahl der Holländer nennen, welcher Letztere nur die Apostasie voraus hatte. Eine solche species Groeniana war der frühere Minnister van der Brugghen, gegen welchen Goudsmit mit einem offenen Briefe aufzutreten sich veranlaßt fühlte. Wir glaubten, diesen Brief hier vollständig wiedergeben zu müssen, weil er in die jüdisch-polemische Literatur eingereiht zu werden wohl verdient. Es offenbart sich darin des Mannes Bekanntschaft mit dem Judenthmne, mit dessen Lehre, Beruf, Geschichte und Literatur. Es offenbart sich darin das Helle Denken und warme Fühlen; Verstand und Gemüth zeigen sich vereint mit sprühenden Geistesfunken und einschneidender Ironie, so daß die verrosteten stumpfen Waffen des Gegners zu niederschmetternden Pfeilen werden, die sich gegen ihn selber wenden. Goudsmit hat durch diesen Brief sich ein ehrenhaftes Denkmal in der Geschichte der Niederländischen Juden gesichert. Die nähere Veranlassung zu dieser Streitschrift, die wir nun, hie und da begleitet von einem erklärenden lokale Verhältniffe betreffenden Worte folgen lassen, wird aus den ihr vorgesetzen Zeilen klar. Offener Brief an Mr.*) I. I. L. van der Brugghen, Ex-Justizminister; von Mr. I. E. Goudsmit, Professor zu Leyden. In Folge eines in der Zeitschrift „Veieeniging XVII. Mai 1863" vorkommenden Aufsatzes, (Leyden, Firma: Jacs. Hazenberg, Corns. Zoon. 1863). „Ich gestehe, daß ich nicht viel Sympathie für die jüdischen Volkseigenthümlichkeiten fühle; weder für ihre Zeitungspolitik noch für ihre Rechtsgelehrtheit, und daß ich den großen Einfluß bedauere, welchen sie dadurch auf unser Volk und in unseren Rathssälen ausüben. Viel hat das Volk des Buchstaben, besten Seele deshalb so sehr am Staube klebt und so wenig Empfänglichkeit für Dinge besitzt, die des Geistes sind, in unserem ganzen gesellschaftlichen und staatlichen Leben verdorben, seit es unbedingt an allen seinen Rechten und Pflichten theilnimmt." Mr. I. I. L. van der Brugghen Zeitschrift „de Vereeniging XVII. 12. Mai 1863". Wohlgeborener Herr! Diese von Ihnen geschriebenen Worte haben in mir, ich muß es bekennen, ein unangenehmes Gefühl erregt. Nicht als ob ich, oder Jemand meiner Niederländischen Glaubensgenoffen, sich um Ihre größere oder geringere Sympathie irgendwie kümmerte; hat ja das Judenthum zu viele und zu lange «stürme ertragen und überlebt, als daß es von der Gesinnung Eines Individuums empfindlich berührt werden könnte. Aber was mich verletzte und in Staunen setzte, ist die schiefe Vorstellung, die unrichtige Urtheilsfallung, deren Sie sich schuldig machen, und die wiederum den Beweis liefern, wie Vorurtheil und Befangenheit Auge und Verstand selbst derer umnebeln, deren unverkennbare Gaben und Talente sie dagegen schützen zu müssen scheinen. Sie fühlen nicht viel Sympathie für die jüdischen Volkseigenthümlichkeiten! Ei Liebster, was verstehen Sie unter jüdischen Volkseigenthümlichkeiten? Unseren orientalischen Tppus? Unsere von den Ihrigen verschiedenen Gesichtszüge? Unsere lebhafteren Geberden? Sind es diese, die Ihnen anstößig und hinderlich sind? Ich kann es kaum glauben. Sie, die Sie ihre Liebe auf Neger mit ihrem krausen Haare, ihren platten Nasen und dicken Lippen erstrecken, können Ihren Nebenmenschen nicht hassen, weil die Form seines Angesichts nicht ganz der des Ihrigen gleicht. Meinen Sie mit jüdischen Völkseigenthümlichkeiten die standhafte, die unerschütterliche Treue im Glauben? Sie können'ihnen deshalb keinen Vorwurf machen, die Sie in der modernen Austastung des Christenthums eine sündhafte Abweichung von dem *) Mr. ist die Abbreviatur von Meesler ------ Dr. jur.

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