Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 26 (25.6.1867)
- Date
- 1867-06-25
- Page
- Seite 511 (sequence 3)
- Language
- German
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511 »ach den Weder Zweifel,;rf einer bewahill Alles Es ge- Standist Fragen ich dem im Ju- :ben, z>, ie eurorwägen, sU einer Standunsere gehalten en Anuch den; dieser c allgej nämht auch unteron unr Ver- Merk- »alten? Worten einerlei zerliche jt auf- :n, da it dem ikt geeichheit a nach langen thaten :m rem der gell der eichberechtigung involvirt die Glaubens- und Gewissensfreiheit, und hiermit kann sie auch der Freiheit des Juden in seinem religiösen Leben garuicht entgegenstehen. Wurde in einem Staate die Gleichberechtigung anerkannt, aber in die Gewissen einzelner Religionsgenossenschaften eingegriffen, so wäre damit die Gleichberechtigung selbst beseitigt, da die Regierung sich einen Eingriff in diese einzelne Religionsgenossenschaft gestattete. Um solchen Preis haben wir Juden die Gleichberechtigung niemals entgegengenvmmen. Aehnlich liegt es mit der Frage um die Verbrüderung. Diese kann niemals als eine allgemeine Nivellirung, als eine Verneinung aller Individualität gefaßt werden. Der Schöpfer hat nun einmal die Menschen nicht als gleichgestaltete Kry stalle, als mechanisch aneinander gelagerte Körner von gleicher Beschaffenheit und Form geschaffen, sondern als eine ungeheure Menge verschiedenartiger Individuen, welche das Wesen und den Charakter der Gattung in tausendfacher vielgestaltiger Verschiedenheit zur Erscheinung, zum Dasein bringen. Innerhalb des Menschengeschlechtes wird stets eine Menge von Individualitäten, wie die Familie, Genossenschaften aller Art, die örtliche Gemeinde, die Nationalität, das Vaterland, der Staat, bestehen, unentbehrlich zur Existenz, zum geistigen Bestände, zur Entwickelung unbedingt nothwendig sein. Der Triumph des Menschengeistes, der Sieg der allgemeinen Menschenliebe, die wahre Verbrüderung besteht nur darin, daß über diese Individualitäten hinweg eine wahrhafte Brüderlichkeit alle Menschen umfaßt, daß jene Individualitäten auf ihren bestimmten Charakter beschränkt, nicht in ihrer Energie so überwuchern, der allgemeinen Menschenliebe entgegenzutreten und ihre Ausübung zu verhindern. Das Menschcnherz ist durchaus nicht so arm, daß die Liebe und das Interesse für einen besonderen Gegenstand alle andere Liebe, alles andere Interesse ausschlösse. In Wirklichkeit findet das gerade Gegentheil statt. Eine Liebe entzündet die andere. Wer ein warmes Herz hat für die Seinen, der hat es auch für Vaterland und Nation und Menschheit. Wer kalt und verhärtet in seiner Familie ist, dem können die Pulse auch nicht für das allgemeine Wohl schlagen, und wer trotzdem etwas für diese thut, hat alle anderen Triebfedern dazu, nur nicht eine wirkliche Liebe. Eine Verbrüderung, welche die Beseitigung aller Individualitäten, ein Aufgehen in eine allgemeine Norm, ein Versinken in einen allgemeinen Brei fordert, ist eine falsche, trügerische, illusorische, denn sie ist so unbrüderlich, so lieblos, so eisern und eisig, daß sie jede eigenartige Existenz erdrücken will, und sie ist bereits so sehr Despotie und Tyrannei, daß der Geist der Liebe und Brüderlichkeit ihr von vornherein völlig entwichen sein muß. Von solchem allgemeinen Standpunkte aus kann daher gegen den Bestand jüdischer Friedhöfe nichts eingewendet werden, oder doch nur aus sehr irrthümlichem Gesichtspunkte, den wir im Interesse der allgemeinen Menschenverbrüderung energisch zurückweisen müssen. Im Speziellen kommen wir hierauf noch einmal zurück. Aus Holland. SkiMn aus Holland, v. Die Abwehr feindlicher Anfälle. Wenn auch Vorurtheile, fälschliche Anklagen, grobe Schmähungen, die man in den Zeiten der Geistesfinsterniß gegen die Juden, ihren Charakter und ihren Glauben schleudern durfte, in unserem erleuchteten Jahrhundert zurückgedrängt, durch richtiges llrtheil als Folgen giftigen Hasses erkannt sind: so sind dergleichen Auswüchse und Schlingpflanzen doch nirgends völlig entwurzelt. Ja, gerade in Staaten, deren legislative Atmosphärelängst nicht mehr von Borurtheilen und beschränkten Anschauungen geschwängert ist, und nicht mehr schwül und erstickend auf die jüdischen Landesangehörigen drückt: steigen gehässige Anfälle von Zeit zu Zeit gegen die Juden aus irgend einem Winkel, wohin sie längst verwiesen sind, desto böswilliger, wie mephitische Dünste, empor. Man weiß es wohl, daß der Geiser der Schmähung die gewünschte Wirkung durchaus nicht Hervorbringen kann; findet indessen Erleichterung, ihn wenigstens ausspeien zu können. Und doch darf man solche Anfälle nicht gleichgültig über sich ergehen lassen; vielmehr muß das Unwahre, Böswillige, dem klaren Denken und sittlichen Empfinden Zuwiderlaufende solcher Beschuldigungen aufgedeckt werden: zur Ehre der Juden und des Judenthums. Wenn nun in allen Lagen und Verhältnissen, wo es gilt, für die Ehre des Judenthmns einzustehen, Anhänglichkeit und Begeisterung für dasselbe zu zeigen, die Kenntnis; der väterlichen Religion eine unerläßliche Bedingung ist: so ist sie sicherlich das nvthwendige Erfor- 27*