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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-06-18 · Heft 25 (18.6.1867) · p. Seite 501

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 25 (18.6.1867)
Date
1867-06-18
Page
Seite 501 (sequence 13)
Language
German
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501 welcher dreimal in der Woche — abwechselnd deutsch, englisch und französisch — gepredigt wird. Ich möchte Ihnen nun gern eine Anschauung von einer solchen Predigt geben, aber trotz meines großen Interesses für die gute Sache vermochte ich doch nicht länger als wenige Minuten die bekannten salbungsvollen Phrasen auszuhalten, welche die Missionsprediger zum hundertsten Male zum Besten gaben. Uebrigens schien es auch den übrigen Zuhörern nicht beffer zu gehen, denn es war ein beständiges Wechseln des Personals in der Kirche. Das zweite Gebäude enthält eine Sammlung von Kuriositäten, die von den Miffionären in den verschiedenen Ländern Afrikas und Asiens gesammelt sind, uns aber am Ende nicht sehr interessiren, da sie nur den schon längst bekannten Krimskrams von heiduischen Götzenbildern, Bogen, Pfeilen, Dolchen Gürteln, Tüchern u. s. w. ausmachen. Dicht daneben befindet sich ein drittes Haus, dazu bestimmt, die Makulatursammlung der Ungläubigen zu vergrößern, den Gläubigen aber die Kosten für die Anschaffung des neuen Testamentes zu ersparen. Kaum erscheint ein unglücklicher Pilger in dem Gesichtskreise dieses unheilschwangern Gebäudes, als auch schon ein Raubritter auf ihn losstürzt und ihm irgend einen Evangelisten in Begleitung eines kräftigen Traktätleins in die Hand zwingt. Wie die Theaterbillete, so sind diese Büchlein jeden Tag in andere bunte Farben gekleidet. Zugleich erhält der nichts Schlimmes Ahnende ein Papier, in welchem er lesen muß, was denn eigentlich die fromme Gesellschaft will und was sie erreicht hat — zwei Dinge, die schwer zu schildern sind. Man muß übrigens anerkennen, daß in dieser Schrift die Gesellschaft sehr bescheiden austritt. Sie erklärt, daß sie nicht gewiffe Auslegungen von Prophetenstellen verbreiten will, und daß sie in dieser Beziehung für die persönlichen Meinungen einiger ihrer Mitglieder keine Verantwortlichkeit übernimmt. Sie erwartet nicht — die Bescheidene — von ihrem Wirken die Bekehrung der ganzen jüdischen Nation, sondern sie will nur unter derselben die Kenntniß des Heiles verbreiten, damit dann die Gnade auswähle, wen sie will. Sie gesteht ein, daß sie — weltlich gesprochen — nicht sehr viel mit ihrem Gelds ausrichte, daß die Zahl der Bekehrten eine kleine und die Rückfälle in das Judenthum nichts Seltenes seien. Aber sie tröstet sich damit, daß es eine „bedeutende Menge solcher gebe, welche wir verborgene Gläubige nennen können," und schließt ihre Darstellung mit der bekannten Phrase des Kladderadatsch: „Beiträge werden übrigens gern angenommen" re. Ich glaube, wir können uns dieser gewiß unverdächtigen Selbstdemüthigung des Lords Shaftesburh und seiner bezahlten Täufer recht sehr freuen. Am intereffantesten in der Missionsausstellung ist das vierte Gebäude, welches den nur zum Theil richtigen Titel: Hebräische Alterthümer an der Stirn trägt. Die Gegenstände, die hier zu schauen sind, sind mancherlei. Gleich am Eingänge ist ein aus Holz im Verhältniß von 1: 25 gearbeitetes recht hübsches Modell der Stiftshütte zu sehen. Die über das Innere gebreiteten Teppiche sind halb aufgedeckt, so daß man die Einrichtung ganz genau erblicken kann. Alle Geräthschaften, welche die Bibel im Vorhofe, dem Heiligen und und Allerheiligsten beschreibt, sind aufgestellt: und auch Priester, Betende, und Opferdarbringende sind in allen möglichen ihnen ziemenden Beschäftigungen, aus Pappe gefertigt, in dem und um das Gebäude geschaart. Aber nicht nur die Bibel, auch der „Talmud" sind bei diesem Modell berücksichtigt worden. Gegen Süden sind im Vorhofe acht Säulen aufgestellt, an denen die geopferten Thiere aufgehängt, ihres Felles entkleidet und dann ihre inneren Theile zum Opfer entnommen worden sein sollen. Um diese einstweilen niederzulegen, sind vor den acht Säulen eben soviele erhöhte Platten aufgestellt. Eine Reihe von Pfeilern, an denen ein leinener Vorhang ausgebreitet ist, schließt das ganze Gebäude mit seinem Hofe ein. Außerdem finden wir dort noch recht hübsch ausgeführte Modelle, einmal von der Grabeskirche zu Jerusalem, nebst den sie umgebenden Kapellen, Moscheen, Klöstern und andern daran stoßenden Gebäuden; dann von einem Theile des Berges Zion, soweit derselbe von den Gebäuden der Mission bedeckt ist. Die Häuser, Tempel u. s. w. sind alle naturgetreu ausgeführt, und kann man durch Abnahme des Daches einen Einblick in das Innere eines Jeden gewinnen. Die verschiedenen Farben, mit denen die Häuser und Straßen bemalt sind, bezeichnen das Eigenthum verschiedener Besitzer. Die getauften Juden, welche in dieser Abtheilung der Missionsausstellung die Aufsicht führen, erklären alles sehr gern, besonders „Israeliten" gegenüber, wie sie sich zart ausdrücken. — An den Wänden sind 37 zum Theil nicht schlechte Ansichten von einzelnen Gebäuden, Hügeln, Thälern, Thoren von Jerusalem angebracht. In Schränken sind Sammlungen seltener Bibeln, Gebetbücher und Kommentare, zum größten Theile aus V

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