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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-06-18 · Heft 25 (18.6.1867) · p. Seite 498

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 25 (18.6.1867)
Date
1867-06-18
Page
Seite 498 (sequence 10)
Language
German
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498 Religion zu enthalten, da religiöse Fragen nimmer vor ihr Forum gehören. Ein Consistorium in Pest raubt den Gemeinden ihre Autonomie, verkürzt die Rechte der Einzelgemeinden, übt eine Pression auf die Gewissen der Untergefertigten. Wir können nicht glauben, daß ein verantwortliches ungarisches Ministerium unsere Rechte einer kleinen Partei zu lieb annulliren wird, sind gerne bereit für das Vaterland, unseren Monarchen alle Opfer zu bringen, werden aber von unserer heiligen Religion kein Jota lassen. Schließlich bevollmächtigen wir in Anbetracht des Gesagten denjenigen, in dessen Händen sich dieses Aktenstück befinden wird, unsere Interessen zu wahren, sowohl jetzt in diesem Augenblicke, als auch in Zukunft, wenn gewichtige Fragen unsere Religion betreffend an der Tagesordnung sind. So geschehen rc. . . . . Folgen die Unterschriften. Von vielen Gemeinden ist dieses Aktenstück gefertigt, von anderen zurückgewiesen worden. In vielen Gemeinden haben sich die Israeliten bei der Wahl der Comitatsbeamten betheiliget; so waren an vielen Orten Israeliten zur Tafel bei den Obergespänen geladen, in anderen Orten übten sie einen großen Einfluß bei der Wahl der Bürgermeister und Stadtrichter. Nicht so günstig lauten die Berichte aus einigen Städten Südungarns; so lesen wir aus Fünfkirchen im „Neuen Pester Lloyd," daß ein Dr. med. jüd. Confession als Stadtarzt schon deßhalb durchfiel, weil man eben keinen Juden wollte; unter der Parole.- Nem keil Zsidö I (Wir wollen keinen Juden) fielen bei der Wahl sämmtliche Mediciner jüdischer Confession. Sckön sagt in dieser Beziehung der Berichterstatter iMusterlehrer 6.); „die Verschleppung der Judenfrage in unserem Abgeordnetenhause hat in der Provinz viel böses Blut erzeugt, was sich ganz insbesondere bei den Restaurationen der Beamten in demonstrativer Weise offenbarte. Ermuntert durch das Beispiel, war bei der Wahl der Beamten an vielen Orten das Feldgeschrei: I>'em keil Zsidö! und nicht der höhere oder niedere Grad der Qualification des betreffenden Juden, sondern sein religiöses Bekenntniß war ein maßgebender Faktor. „Warum sollen wir besser sein, als die Großen der Nation," denken unsere Provinzbewohner, und so wurden aus blindem Vorurthcil die besten Kräfte dem allgemeinen Wohle entzogen. Abgesehen davon daß dieses Heraufbeschwören mittelalterlicher Zustände unserem aufgeklärt sich nennenden Jahrhundert zur Schmach gereicht, sind durch dieses Gebühren Elemente genährt worden, die unserem theuren Vaterlande vor den Augen des gebildeten Europa ^leider nicht zur Ehre gereichen." Beim Schluffe dieser Zeilen kömmt uns Nr. 22 der allg. Zeit, des Jud. zu Gesicht, in welchem der geehrte Correspondet „AuS Ungarn" uns belehrt, daß die Chassidäer Feinde des Lehrer- und Rabbinerseminars seien, und doch haben die Chassidäer sich bei uns nie in Schul- und Synagogenangelegenheiten gemischt, weder jetzt, noch früher gegen das Seminar agitirt. Auch wird die obere Klasse der Musterschule im nördlichen Ungarn nicht von 7 bis 8 Kindern besucht, nachdem die Anstalt in S. A. Ujhely stets einige hundert Schüler und Schülerinnen zählt. Die obere Klasse zählt in diesem Augenblicke 21 Schüler, eine Anzahl, die keine niedrige genannt werden kann, wenn man den Rückschritt im Auge hat, den diese Gemeinde seit Jahrzehnden gemacht hat. I. I. Rosenmeyer. Donausürstenthürner. Bukarest, 7. Juni. (Privatmitth.) Daß Ihr Ausspruch in Ihrem desfallsigen 'Leitartikel, die vom Minister des Innern gegen die Juden erlassenen und namentlich in Jassy aufs Brutalste ausgeführten, jetzt wieder fistirten Vorschriften seien gegen die Verfassung und bedeuten darum den Anfang eines Staatsstreiches, richtig sei, das dem Fürsten Carl zu beweisen, war die Bemühung der hiesigen israelitischen Deputatton bei dem Fürsten. Sie wies ihm nach, daß die Gesetze, auf welche sich Bratiano hierbei berief, nicht blos dem Geiste nach veraltet, sondern auch durch spätere aufgehoben seien, ganz besonders aber durch die Verfassung, welche zwar blos den Christen aller Confessionen gleiche politische, aber allen Bewohnern des Landes gleiche bürgerliche Rechte zuertheilt. Am kräfttgsten intervenirten die österreichische und französische Regierung, weniger nachdrücklich die englische. Nicht blos Marquis de Moustier hat der Regierung des Fürsten Carl sein Bedauern wegen der in der Moldau eingeleiteten Inden-Verfolgungen ausdrücken lassen,

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