Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 25 (18.6.1867)
- Date
- 1867-06-18
- Page
- Seite 497 (sequence 9)
- Language
- German
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497 sammt dem dazu gehörigen Motivenberichte zu gefälligen Verfügung zu stellen und daran den Wunsch zu knüpfen, daß sich Euer Hochwohlgeboren bestimmt finden möchten, Ihre Ansichten über diesen Gesetzentwurf, sei es nun im Wege öffentlicher Besprechung desselben in einer fachwissenschastlichen Zeitschrift oder in einer schriftlichen, gütigst unmittelbar an mich zu richtenden Aeußerung bekannt zu geben, um dieselben bei der Schlußrevision dieses Gesetzentwurfes würdigen zu können. Genehmigen Euer Hochwohlgeboren den Ausdruck ausgezeichneter Hochachtung, womit sich nennt Wien 20. April 1867. 'Komers kais. österreichischer Justiz-Minister. Wir brauchen unfern Lesern nicht ins Gedächtniß zu rufen, daß Prof. Wessely ebenso ausgezeichnet auf dem Gebiete der jüdischen Theologie wie der Jurisprudenz ist. Przemysl, im Juni (Privatmitth.). Sie erlauben mir wohl, Ähren Lesern einen Einblick in die Verhältnisse einer jüdischen Schule in einer galizischen Landstadt zu eröffnen. Es liegt darin so viel Charakteristisches, und zeigt andrerseits, wie bei dem Mangel von Hülfsmitteln der gute Wille doch so Vieles erwirken kann. Da rühmen sich große Staaten ihres blühenden Schulwesens, während sie nur in den Staats - seckel etwas tiefer zu greifen brauchen, um Tausende für zu errichtende oder zu erhaltende Lehranstalten herauszuholen. Aber zu sehen, wie eine kleine Gemeinde eines Landes, worin des Lichtes noch so wenig, ihre kärglichen Mittel zusammensucht, um eine Gemeindeschule zu erhalten, hat für den Menschenkenner und Menschenfreund eine viel höhere Bedeutung. Dazu diene eine kleine Druckschrift: „Uebersicht der Einnahmen und Ausgaben der Przemhsler Jsraeliten-Armenschule im I. 1866." Diese Armenschule, welche 172 Schüler in 3 Klassen zählt, hat zu ihren Einnahmen die Zinsen von 2406 fl. des sel. Herrn A. M. Sartcr mit 243 fl., verschiedene Spenden von ca. 75 fl., wöchentliche Beiträge, unter denen auch welche von christlichen Mitbürgern sind, von 337 fl. im Jahre, Subvention aus der Gemeindekasse 45 fl., und nun, Leser, merkt auf: „Erträgniß von den in der Stadt gesammelten Knochen" 48 fl. 76 Kr. und „Erträgniß der von der Stadt gesammelten Federn" 115 fl. 20 Kr., zusammen 866 fl. ö. W., also ungefähr 440 Thr. Davon erhalten die Lehrer 571 fl., Schulbücher und Schreibmaterialen kosten 57 fl., die Erhebung der wöchentlichen Beiträge kostet 76 fl. Eigenthümlich ist die Rubrik: „Für Notarialakte und Advokaturarbeit" 32 fl. Kurz die Ausgaben sind 861 fl., so daß die Kasse in Besitz von ganzen 4 fl. 32 Kr. blieb. Auch den Kopf der Schülers kommt also jährlich eine Ausgabe von 5 fl. Dennoch kann die Einleitung sagen, daß der Anblick so vieler Kinder, von denen die meisten zur Schande Israels und der Menschheit herangewachsen wären, die aber gegenwärtig auf den Schulbänken voll Anstand sitzen und Lehrbücher oder Schreibbücher vor sich halten, ein sehr erfreulicher ist. Gebe Gott, daß solche Berichte aus vielen Städten Galiziens gegeben werden könnten k Aus Ungar«, 2. Juni. (Privatmitth.) Die Opposition gegen die projectirte Versammlung in Pest hat bereits bedeutende Dimensionen angenommen und ist es dieses mal wieder Oberungarn, welches sich an die Spitze der Agitation gestellt hat. Von dem hochwürdigen Oberrabbi einer großen Gemeinde Oberungarns ist so eben folgendes Aktenstück in ungarischer Sprache abgeschickt worden, welches im Auszuge und in der Uebersetzung wie folgt lautet: Wie die gehorsamst Gefertigten aus den öffentlichen Blättern ersehen, .will im Laufe des Sommers eine Versammlung tagen, welche sich zur Aufgabe stellt, das Schul- und Shnagogenwesen zu ordnen. Dieser Act im Auftrag eines hohen Ministeriums für Cultus und Unterricht in Scene gesetzt, eifert die gehorsamst Gefertigten an, folgende Erklärung zu geben. 1) Obwohl die gehorsamst Gefertigten Freunde des Fortschrittes sind, glauben sie doch nicht, daß gerade die Pester Gemeinde berufen sei eine Versammlung in Scene zu setzen, die sich zur Aufgabe stellt unser Synagogenwesen zu ordnen. 2) Wir sind gern bereit jedes Opfer zu bringen, das berechtigt von uns gefordert wird, wollen alle Lasten, die ein Staat von uns fordert, tragen, hingegen von der angestammten Religion der Väter keinen Buchstaben lassen, uns aber noch weniger jenen Laien anvertrauen, denen die heilige Religion weder heilig ist, noch die berechtigt sind, über sie ein Wort zu reden. 3) Sollte die Landesversammlung tagen, so hat sie sich eines jeden Machtspruches in Angelegenheit der 25