Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 25 (18.6.1867)
- Date
- 1867-06-18
- Page
- Seite 494 (sequence 6)
- Language
- German
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494 der bei weitem größte Theil der Staatsbürger bekennt."*) Bis hierher müssen wir, in Anbetracht der gegebenen Verhältnisse und obwaltenden Umstände, Herrn Godefroi unseren Beifall zollen, daß er dasjenige, was er für die Juden nach dem Staatsrechte fordern konnte und unter anderen Verhältnissen gefordert hätte, opferte, um die allgemeine, gemischte Schule zu erhalten. Welchen Standpunkt nahm aber Herr Godefroi als Jude in dieser Sache ein? wir meinen: hielt er die Bezeichnung „christelijkc deugden“ — an und für sich betrachtet — vereinbar mit dem Judenthume, oder vielleicht anstößig für dasselbe? Hören wir auch hierüber Herrn Godefroi selbst sprechen: „Kann ich einen Schulunterricht auch für Israeliten als brauchbar annehmen, der unter Anderem die Anleitung zu christlichen Tugenden bezweckt? Diese Frage beantworte ich bejahend"'**). „Anleitung in der Sittenlehre, welche das Christenthum verkündigt und die in dem Christenthume wurzelt: wohlan, die Anleitung mag wohl Jeder genießen, welche Religion er auch bekenne"***). Herr Godefroi führt auch in derselben Rede ein Wort, bei einer anderen Gelegenheit von Schimmolpenninek van der Oije ausgesprochen, an, welches also lautet: „ich glaube und hoffe, daß kein Mitglied in der Kammer sich befindet, auch nicht ein Israelit, der nicht sittlicher Christ ist". Herr Godefroi fügt hinzu: „Diese Worte unterschreibe ich mit voller Ruhe" (!) Wir müssen, bevor wir auf die eben vernommenen Aeußerungen und Anschauungen des Herrn Godefroi *) ib. pag. 1105, col. 2: En wal zoii ik op een absoluut, op een streng staatsregtelijk slandpunl können verlangen? Dit, dat de wel geen begrip onllecnt aan eenige Godsdienst, al worde die ook door en overgroot deel der burgcrs van den Staat beleden. **) ib. pag. 1106, col. 1 : Kan ik als bruikbnar ook voor Israeliten aannemen een schoolonderwijs, dat dienst— baar wordt gemaakt, onder andere, aan de opieiding tot cliristelijke deugden? Die vraag beantwoord ik bevestigend. ***) ib. opleiding in de zedeleer, welke bet Christen— dom verkondigt en die in het Christendom is geworteld: Welnu, die opleiding mag vrij een icder geniclen, welke Godsdienst hij ook belijde. f) ib. ,,Zedekundig, geloof en hoop ik, dal er geen lid in de kanier is, ook niet een Israelit, of liij is zedekundig Christen“. — Die woorden onderschrijf ik met volle gerustheid. näher eingehen, noch eine Stelle aus der Rede Thorbeckes mittheilen, worin die „chrislelijke deugden“ philosophisch destnirt und vertheidigt werden. Wir müssen sie anführen, weil Herr Godefroi sich damit einverstanden erklärt. Thorbecke's Definition des, von jedem Dogma freien, Christenthums, der christlichen Moral, lautet wie folgt: „Es ist das eine Licht, dessen einzelne Strahlen die verschiedenen Glaubensbekenntnisse bilden; das Chrithum steht über den kirchlichen Scheidungen erhaben, gleichwie das Menschthum über den Völkern steht und sie alle umfaßt; gleichwie die Wissenschaft über allen Formen und Systemen steht, worin Jeder nach Maaßgabe seiner Einsicht, der Wissenschaft sich zu nähern sucht, oder sie auszudrücken strebt"*). Also Herr Godefroi hält die Anleitung zur christlichen Tugend und der Sittenlehre, die im Christenthume wurzelt, sobald sie von Lehrsätzen und Dogmen frei ist, für die Israelitische Jugend nicht nur geeignet, sondern er unterschreibt auch „in voller Ruhe" den Satz: daß jeder gute Israelit ein tugendhafter Christ ist, und ist ferner damit einverstanden, daß, so wie jede Confession, auch das Judenthum hinsichtlich seiner reinen Moral einen Strahl des dogmenfreien Christenthums, als des Alles beherrschenden Lichtes bildet. Wir wiederholen es: wir sind vollkommen einverstanden mit dem praktischen Verhalten des Herrn Godefroi zu dem besprochenen Schulgesetze, aus vorerwähntem Grunde, bedauern aber innig und tief, das Verhältniß des Judenthums zum Christenthume so von Herrn Godefroi aufgefaßt zu finden, wie es von ihm geschehen. Emile de Lavaleye (Revue des deux mondes in einem der Hefte aus der letzten Hälfte 1866: über Schulen) ist des Lobes voll über diese Toleranz des Herrn Godefroi, und von feinem Standpunkte aus hat er Recht. Wir indessen protestiren feierlichst gegen eine solche Auf fassung, und können dies wohl ohne Bedenken im Namen aller Juden thun, die ihr Judenthum in Wahrheit kennen, von seinem Geiste durchdrungen sind. Bei aller Hochachtung *) ib. pag. 1095. col. 2. Het is het 46ne liebt, waarvan de onderscheidene geloofsbelijdenissen bijzondere stralen zijn; bet is het Christendom boven kerkelijke afzondering, gelijk het menschdom is boven de onderscheidene volken en ze allen omvat, gelijk de wetenschap is boven alle vormen en stelseis, waarin ieder, naar de mate van zijn inzigt, de wetenschap zoekt de naderen of haar traclit uit te drukken.