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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-06-11 · Heft 24 (11.6.1867) · p. Seite 480

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 24 (11.6.1867)
Date
1867-06-11
Page
Seite 480 (sequence 12)
Language
German
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480 Bukarest, 27. Mai. Fürst Carl empfing gestern eine Deputation der Juden, welche eine Beschwerde über die Maßnahmen der Regierung gegen die Juden in der Moldau vorttug. Frankreich. Paris, 24. Mai. (Privatmitth.) In der hiesigen Weltausstellung sind wir gut vertreten, ich werde Ihnen vielleicht ausführlicher darüber berichten können. Eigenthümlich aber;ift, daß Portugal, das so wenig zu bieten hat, seine Zuflucht zu hebräischen Manuscripten nehmen 'muß; ich habe da einen sehr schön geschriebenen Pentateuch und ein wunderschönes Exemplar von den mrp bemerkt. Ich hoffe, daß mir die Handschriften zugänglich sein werden, und wenn etwas darüber mitzutheilen ist, werde ich nicht ermangeln es zu thun. _ A. N. Paris, im Mai. (Privathmitth.) In diesen Tagen ist hier ein Rapport sur Ia Situation morale du s6minaire Israelite ausgegeben worden. Derselbe ist von einer Vorlesung des Direktors des Seminars, Herrn Großrabbinen Jsaac Trenel „das Leben Hillel's des Aelteren" und von einer ausführlichen Abhandlung über „die Sklaverei nach der Bibel und dem Talmud" von Rabbiner ZadocKahn gefolgt. Beide Gegenstände sind in der letzten Zeit so häufig besprochen und bearbeitet worden, daß ich hier nicht näher darauf eingehen will, und nur nüt Vergnügen die Anerkennung ausspreche, daß Herr Trenel die Notizen recht geschickt zusammengestellt und benutzt hat, Herr Kahn eine gründliche Studie giebt. — Dagegen wird es viele Leser interessiren, etwas Näheres über das französische Rabbinerseminar, das vor einigen Jahren von Metz nach Paris verlegt worden, zu erfahren. Ich gebe das Nöthige aus dem vorliegenden Bericht, ohne irgend ein Urtheil hinzuzufügen. — Die Zöglinge bleiben sechs oder sieben Jahre im Seminar. Der Cursus im Talmud geschieht mit allen Schülern auf einmal, weil die Zahl der Professoren wie der Schüler eine Abtheilung in Classen nicht zuläßt, und ist in drei Partien getheilt: 1) Halacha, vier Mal zwei Stunden die Woche, die Texte mit den vorzüglichsten Commentaren. Erstes JahrPesachim; zweites Jahr Hilchoth Terephoth, Hilchoth Jom tob et Schabbath; drittes Jahr Fortsetzung. Hilchoth Maclialoth assuroth; viertes Jahr Fortsetzung; fünftes Jahr Hilchoth Arajoth, Aguna, Chalitza, Trakt. Ketubolh, Kapp. 8 und 9; sechstes Jahr Hilchoth Schechita; Hilchoth Schabbath; siebentes Jahr Hilchoth Nidda, Hilchoth Mikwaoth. 2) Methodologie, einmal wöchentlich. Gegenstand: die Kenntniß der Regeln, der Logischen Proceduren, welche den wesentlichen Theil der talmudischen Methode ausmachen, beginnend mit der Baraitha des Rabbi Jsmael und den Commeutaren dazu. Das Ganze wird diktirt. Drittens Hagada, besonders zum Dienste der Predigt, einmal wöchentlich zwei Stunden. Es werden hierzu verwendet: verschiedene Stücke aus den Traktaten Berachoth, Taniih, Megilla, Moiid Kalan, Chagiga Kapp. 1 und 2, Kiduschin und Sota. Der Cursus im Hebräischen besteht in der Erklärung der Bibel nach den besten älteren und neueren Interpreten, drei Mal die Woche, hebräische Themata einmal wöchentlich; Einleitung in das Studium der Bibel und Geschichte der Exegese einmal wöchentlich. Theologischer Cursus: raisonnirende Uebersetzung unsrer besten Dogmatiker zwei Mal wöchentlich; theoretischer Cursus einmal wöchentlich. Geschichte des jüdischen Volkes, mit Lesung der Originalquellen. Philosophischer Cursus in vier Jahren, eines für die dogmatische Philosophie, besonders Psychologie und Aesthetik, die andern drei für Geschichte der Philosophie. Französische Literatur. Alte Literatur. Mathematische und physische Wissenschaften. Arabische Sprache ein Mal wöchentlich. Liturgischer Gesang zwei Mal wöchentlich. Seit dem Beginn des Seminars haben 38 Schüler demselben angehört; die Zahl war stets zwischen 15 und 21. Im laufenden Jahre hat dasselbe 18 Zöglinge und zwei freie Hörer. Bon diesen 38 Schülern waren 19 aus dem Niederrhein, 9 aus dem Oberrhein, 6 aus der Meurthe, 3 aus der Mosel, 1 aus Dänemark. Für 10 bezahlt der Staat. 11 Candidaten haben das Diplom ersten Grades erhalten; 4 haben das Seminar so verlassen. Der Staat, der früher 15,000 Frs. jährlich für das Seminar bewilligte, giebt seit 1860: 22,000 Frs. Dies reicht nicht hin, und das Eonsistorium von Paris deckt das Defizit. Die Verwaltungscommission besteht gegenwärtig aus dem Großrabbinen Isidor und den Herren Alcan, Alb. Cohn, Derenbourg, Frank, Louis Halphen, Sander. Der verstorbene Munk gehörte hierzu, so wie auch der noch nicht wieder er-

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