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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-06-11 · Heft 24 (11.6.1867) · p. Seite 478

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 24 (11.6.1867)
Date
1867-06-11
Page
Seite 478 (sequence 10)
Language
German
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478 840 Fl. zahlt, und der mit 35,645 Fl. abschlvß. Außerdem zahlte die Gemeinde an ehem. Gemeindediener 17,000 Fl. aus. Angehängt ist das Verzeichniß der Stiftungen, und der Vereine, deren Menge, Einnahmen und Fonds einen überaus angenehmen Eindruck in jedem fühlenden Menschenherzen Hervorbringen müssen. Donaufürstenthümer. Jassy, 29. Mai. Die hier stattgehabten Vorgänge tragen ein so eigenthümliches Gepräge, wie wir in unserm Leitartikel auseinandergesetzt, daß es nothwendig erscheint, auch die Einzelheiten der Nachwelt aufzubewahren. Wir geben daher noch folgende Schilderung vom 22. Mai. Die Regierung kann sich schmeicheln, heute einen ihren Wünschen entsprechenden Erfolg momentan erreicht zu haben, insofern es ihr auf eine allgemeine Verwirrung der Geister und auf eine gewaltsame Veränderung der Richtung ankam, welche die natiolen Bestrebungen der Moldauer in letzterer Zeit eingeschlagen hatten. Durch die aufreizenden Reden und Placate in den vorhergehenden Tagen verwirrt gemacht, schien das Volk heute bereits einige Stunden hindurch unschlüssig, ob es seiner bisherigen passiven Haltung treu bleiben und dadurch eben der von der Regierung in Scene gesetzten Bewegung gegen die Juden ihre entschiedenste Abneigung zu erkennen geben, oder aber ob es sich derselben anschließen soll. Dazu kam noch, daß heute, als am Jahrestage der Thronbesteigung des Fürsten Karl, große Parade und Abends Illumination stattfinden sollte, und daß die dadurch bewirkte besonders lebhafte Circulation in den Straßen zu einer allgemeinen Demonstration wie gemacht schien. Diese Stunden waren entscheidend, und allgemein machte sich das Gefühl geltend, als befände man sich vor dem nahen Ausbruche einer Katastrophe. Die Verhaftungen und Deportirungen, anfangs schwächer, hatten inzwischen so große Dimensionen angenommen, daß dieselben bereits 150 bis 200 täglich betrugen; und waren dieselben anfänglich auf Befehl des Ministers und unter den Auspicien des Gemeinderaths nur von Polizei-Commissären und Epistaten vorgenommen wurden, so ließ man jetzt, um das Volk dafür zu gewinnen und demselben Geschmack an der Sache beizubringen, von gedungene» Strolchen und Seelenverkäufern, wie die Volkshefe deren eben überall 'auswirft, Tag und Nacht allgemeine Razzias in der Stadt anstellen. Abfangen von den Straßen, Ueberfälle in den Häusern und Maltraitirungen wurden nun das Losungswort dieser Banden, und glücklich schätzten sich noch Diejenigen, die ohne schwere Mißhandlungen in die Gefängnisse gelangen konnten. Zn diesen waren, da die zahlreich vorhandenen Arreste — auch ein Zeichen der Cultur — nicht mehr ausreichten, das Municipal-Gebäude und selbst die gedeckte Militär-Reitschule umgestaltet wurden. Der Jammer unter den Verfolgten war und ist unbeschreiblich und die Feder sträubt sich, Scenen wiederzugeben, die eher unter Wilden, als unter Christenmenschen gedacht werden können. Die gehetzten Israeliten machten einen Augenblick lang Miene, sich diesen Acten rohester Willkür mit Gewalt zu widersetzen, und die Aufregung stieg in diesem Momente — es war 4 Uhr Nachmittags — auf ihren Höhepunkt. Es entstand eine ungemein hastige Bewegung in allen Straßen; in allen Gesichtern konnte man deutlich die Angst und Verzweiflung lesen; der Hauptstrom richtete sich gegen das russische, noch mehr aber gegen das österreichische Consulat, wo sämmtliche Consuln zu einer Berathung zusammengetreten waren. Die entschiedene Haltung des österreichischen Consuls einerseits, der den Präfecten, als Ergebniß der Berathung, in einer energischen Note für jede, österreichischen Unterthanen etwa zugefügte Unbill verantwortlich machte, und die vom israelitischen Cultusvorstande und den Notabeln dieser Gemeinde entwickelte ungewöhnliche Thätigkeit, um die Verfolgten zu ruhiger Haltung zu veranlassen, konnten nur wieder einige Beruhigung der Gemüther bewirken. Bezeichnend für die Sachlage ist auch folgende Antwort, welche der Bürgermeister einer Jsraeliten- Deputation ertheilte, die um Einhalten der barbarischen Vorgänge und um 'Schonung zu bitten erschienen war, und dabei die bestehenden Landesgesetze zu ihren Gunsten anrief: „Es giebt etwas Höheres als jedes Gesetz," sagte der weise Vater der Stadt, „und das ist unser Recht als Rumänen und als Eigenthümer dieses Landes, euch Juden, die ihr nur Inwohner darin seit, daraus zu verjagen (de a vA da afare.) Sie werden deßhalb begreifen, daß es sich jetzt darum handelt, daß Sie das Land räumen müssen, welches Sie bis nun bewohnt." (Wörtlich wiedergeben.)

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