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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-06-11 · Heft 24 (11.6.1867) · p. Seite 474

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 24 (11.6.1867)
Date
1867-06-11
Page
Seite 474 (sequence 6)
Language
German
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474 lichen. So verdienstlich diese Stiftung von 2000 Thlr. zu dem gedachten Zwecke ist, so bietet sie doch nur erst einen sehr willkommenen Anfang, um einem großen Bedürfniß abzuhelfen. Das Statut ist so abgefaßt, daß das Capital zu jeder Zeit von jedem andern Geber vermehrt werden kann, um so durch die Zinsen die Stipendien zu vermehren und zu erhöhen. Wir hoffen daher, daß sich »recht viele Wohlthäter finden werden, welche sich eine Freude daraus machen, der armen studirenden Äugend unserer Religion ihren schweren Weg zu erleichtern, wissend, daß unter der Fürsorge des kön. Curatoriums der Universität nur fleißige und sittliche Jünglinge bedacht werden. Wir können bei dieser Gelegenheit nicht umhin, denjenigen jüdischen Gemeinden der Rheinprovinz Dank zu sagen, welche seit langer Zeit durch jährliche Collekten das Curatorium der Universität in den Stand setzten, einigen jüdischen Studirenden eine Unterstützung angedeihen zu lassen. Wie wenig dies aber bis jetzt ausreichte, ersieht man daraus, daß wir während der fünf Jahre, die wir in Bonn wohnen, schon mehrfach genöthigt waren, für jüdische Studenten Sammlungen bei denjenigen jüdischen Familien des hiesigen Platzes zu veranstalten, welche sich hierzu geneigt fanden, nämlich den Familien Cahn, Katz, Goldschmidt, Oppenheim, Heilbronn und Schildesheim. So dankenswerth diese Bereitwilligkeit auch ist, so sieht doch Jedermann ein, wie nothwendig es ist, solcher Aushülfen und Belastungen Einzelner enthoben zu sein. Leobschütz, im Mai. (Privatmitth.) Daß die Petitionen an das kön. Staatsministerium und an das Abgeordnetenhaus, so wie die in letzterem gepflogenen Verhandlungen über jene, doch auf den Entwickelungsgang unserer Angelegenheiten einen wohlthätigen und nachhaltigen Einfluß üben, zeigt sich in 'mehrfachen Thatsachen. Am hiesigen Krcisgerichte fungirte ein Jude, Herr I. Böhm als Salarienkassen-Controleur. Derselbe ist in diesen Tagen zum Depositalkassen-Rendanten am Krcisgericht zu Neustadt in Oberschlesien befördert worden. Hoffen wir, daß dergleichen Vorgänge bald nicht mehr zu den Seltenheiten gehören werden und deshalb in diesem Blatte nicht mehr hervorgehoben werden müssen. Mergentheim, 26. Mai. (Privatmitth.) Am 24. Mai d. I. besuchten S. Majestät, unser König die hiesige Stadt und war der Empfang ein sehr festlicher. Bei dieser Gelegenheit hatten mehrere geistliche und weltliche Beamten die Ehre zur königlichen Tafel gezogen zu werden, darunter auch der würdige Herr Rabbiner Säuger von hier, welcher sich gleich den Engeln, die bei unserem Erzvater Abraham jenen Besuch abstatteten, bloß dem Anscheine nach beim Mahle betheiligte. Dieser unser Herr Rabbiner wird leider nicht mehr lange bei uns verweilen, indem derselbe den ehrenvollen Ruf als Prediger der israelitischen Tempelgemeinde zu Hamburg erhielt. Diese darf sich zu dieser Wahl in der That gratuliren, da Herr Sänger eine sehr gediegene wissenschaftliche Bildung, einen biederen Character besitzt, und für einen vernünftigen Fortschritt im Judenthum stets eifrigst bestrebt ist. Rosenberg, Oberschlesien. 9. Mai (Privatmitth.) Wenn schon in den letzten Jahren auch in unserer Gemeinde der Geist des fortschreitenden Judenthums in manchen Stücken sich bewährt hat, so ist es hingegen ein bedauernswerther Umstand, daß fast bei jeder Gelegenheit eine Oppositionslust von Seiten einzelner Gemeindemitglieder sich geltend macht, welche bereits viel Zwist und Streitigkeit hervorgebracht hat und wohl nicht enden wird, bis sie auch jenen Personen recht empfindliche Verluste eingetragen haben wird, wie dies vor einiger Zeit der Fall war. Der Gemeinde-Vorstand hatte nämlich bereits im vorigen Jahre in Uebereinstimmung mit dem Repräsentanten-Collegium den zeitgemäßen inneren Umbau unserer Synagoge beschlossen, welcher jedoch ohne Angriff der Gemeindesinancen von den zu diesem Zweck eingegangenen freüvilligeu Gaben bewirkt werden sollte. Soweit nun diese Letzteren ausreichten, wurde die Ausführung des Projcctes energisch betrieben, zumal auch die Shnagogen-Stellenbesitzer zu jenem Umbau die erforderliche Zustimmung : gegeben hatten, bis auf zwei, welche dieserhalb bei der : Königl. Regierung protestirten. Selbstverständlich wurden sie von dieser sowohl, wie von allen drei Rechtsinstanzen, an welche sie sich wegen Eigcnthumsbeschränkung wandten, von Letzteren unter Auslage der bedeutenden Kosten abschlägig beschieden, und ungehindert sieht das Werk seiner Vollendung entgegen. Was den Cultus hies. Gemeinde betrifft, so läßt derselbe trotz der anerkennenswerthen Bemühungen des Gemeinde-Vorstandes noch viel zu wünschen übrig.

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