Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 24 (11.6.1867)
- Date
- 1867-06-11
- Page
- Seite 473 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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473 in seinem nationale» Selbstbewußtsein, nie in der Ueberzeugung seines Glaubens, was auch immer sein Verhängniß sein mochte. Und sind wir gerecht, können wir dem Volke Israel unsere Hochachtung nicht versage»; denn wie vernichtend auch der Zeiten Geschick über dasselbe hereinbrach, ihm Heimath, Recht und Schutz, des Lebens heiligste Güter, raubend, wie vertilgend auch die unsäglichsten Leiden und Verfolgungen in allen Theilen der alten Welt gegen sein Dasein Jahrhunderte lang wütheten, in dem festen Glauben an den einigen Gott, sein Gesetz und seine Verheißungen, hat das Volk auch das Aergste, das Uebermenschliche überdauert. Und eine solche Erscheinung sollte unS nicht mit bewunderndem Staunen erfüllen?" ... Was die Anlage und Bearbeitung selbst betrifft, so gereicht es dem Buche nicht zum Vortheil, daß der Vers, einen allgemeinen Leserkreis im Auge hatte. Der allgemeinen Verständlichkeit wegen geht er bis zur Makkabäerzeit zurück, und berücksichtigt stets die allgemeine Geschichte der Juden in Deutschland, oft in einer Ausführlichkeit, daß man die Juden in Cöln ganz aus dem Gedächtnisse verliert. Als Hauptquelleu dienten dem Vers. Ennen's Geschickte der Stadt Cöln und die treffliche Quellensammlung von Ennen und Eckertz, der auch wohl die meisten der 36 mitabgedruckten Urkunden entnommen sind; außerdem sind die bezüglichen Quellensammlungen und die Arbeiten, welche in jüngster Zeit über die Geschichte der Juden in Deutschland erschienen, mit zu Rathe gezogen, aber leider nicht immer mit der nöthigen Sorgfalt, sonst würde der Herr Vers, aus Note 8v zu Wiener's deutscher Uebersetzung des Emek Habacha erfahren haben, daß das ihm unerklärliche Triebers (?) nichts anders als Trier ist. S. 49 wird R. Ephraim aus Bonn in die 2. Hälfte des 7. Jahrh., S. 116 hingegen richtig in die 2. Hälfte des l 2. Jahrh. versetzt; Juda ben Colonin statt Kalonymos, Guthiel statt Jekuthiel u. a. m. Nichtsdestoweniger ist Weyden's Buch ein schätzbarer Beitrag zur Geschichte der Juden in Deutschland, dem wir viele Freunde und Leser wünschen. — Der neueste (V.) Band der „Chroniken der deutschen Städte" enthält eine aus neuen zumeist handschriftlichen Quellen bearbeitete treffliche Beilage des Prof. Ferd. Frensdorfs in Göttigen: „Die Augsburger Juden im 15. Jahrhundert," eine werthvolle Ergänzung zu dem Capitel „Die Juden in Augsburg" in Stobbe's anerkannt tüchtigem Werke. — Als Beilage zum Weekblad erscheint jetzt in Amsterdam „Joodsche letterkundige Bijdragen," wovon jährlich 8 Bogen 4. zum Preise von 3 Frs. 5V Cts. ausgegeben werden sollen. Die vorliegende l. Nummer, welche eine Arbeit über den Pentateuchcommentar von Raschbam von Dünner, ein höchst interessantes hebr. Gedicht des Dichters David Franco Mendes zur Feier des hundertjährigen Bestehens der großen Amsterdamer Synagoge (1775), und werthvolle literarisch-historische Beiträge von Roest enthält, berechtigt zu schönen Erwartungen. Kayserling. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Berlin, im Mai (Privatmitth.) Durch ein Cirkulair erfahren wir, daß sich hier unter dem Titel „Talmud" eine Commandit-Gesellschaft auf Aktien mit einem Grundkapital von 50,000 Thlr., bestehend in 250 Aktien ü 200 Thlr., gebildet hat, und sind diese Aktien bereits gezeichnet. Ein Aufsichtsrath, bestehend aus sechs Herren, von denen der Redakteur des Magazins für Literatur des Auslandes, Herr Lehmann, den Vorsitz führt, controlirt das Unternehmen. Der zunächst liegende Zweck ist, die auch in diesem Blatte wiederholt besprochene, aber ins Stocken gerathene Quartausgabe des Talmud, die Herr A. Salomon unternommen hatte, zu vollenden. Als eigentliche Geschäftsleiter fungiren die Herren C.Caspary und H. Theodor. Gewiß ein eigenthümliches Unternehmen, wie es nur unsre Zeit hervorzubringen vermag. Ehemals hätte man die Angelegenheit als eine Sache frommer Wohlthätigkeit behandelt. Jndeß kommt es zuletzt auf dasselbe hinaus, denn die Aktionäre denken sicherlich nicht an Dividende, sondern nur an die Förderung des schönen Unternehmens, da die bereits gedruckten Theile ohne die Beendigung werthlos geworden wären. Bonn, 26. Mai. (Privatmitth.) Des Königs Majestät hat auf Antrag des Ministeriums das Statut der Stipendienstiftung der Frau Fulda-Herz für Studirende jüdischer Religion an der hies. Universität, landesherrlich bestätigt, so daß die Stiftung mit dem I. Juli dieses Jahres in Thätigkeit tritt. Wir werden das Statut in einer der nächsten Nummern veröffent-