Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 24 (11.6.1867)
- Date
- 1867-06-11
- Page
- Seite 472 (sequence 4)
- Language
- German
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472 Hast, als fühlte sie schon die letzte Stunde ihres Bestandes herannahen, wollte sie die glimmenden Funken der Separations-Gelüste in dem auflodernden Feuer des religiösen Hasses aufgehen und mit vermehrter Heftigkeit nach einer anderen Richtung hinleiten lassen, und darin eben hat sich die Regierung mächtig geirrt; denn abgesehen davon, daß die Zeit längst vorüber ist, wo selbst in diesem uncultivirten Lande ein allgemeines Anfachen religiöser Leidenschaften möglich gewesen wäre, hatte die Regierung zwei andere bedeutend wehr ins Gewicht fallende Factoren in Anschlag zu ziehen vergessen: die durch achtjährige Mißregierung, Unterdrückung und Ausbeutung tief und brennend gewordenen Leiden der Moldauer und das enge Verwachsensein der Interessen der besitzenden Classen in der Moldau mit denen der Israeliten. Für einige Tage war es wol dem Minister des Innern unter Aufbietung seiner ganzen Autorität gelungen, unter Mitwirkung der corrumpirten Elemente des Landes — denen dabei die verlockende Aussicht auf Raub und Plünderung vorgeschwebt haben mochte — eine allgemeine Verwirrung hervorzubringen, um der Bevölkerung der Moldau einzureden, daß in der Vertreibung der Juden ihr Heil liege, doch es konnte nicht lange währen und die Jrregeführten mußten aus diesem betäubenden Rausche erwachen, und dies ist factisch bereits geschehen. Der Minister mochte vielleicht nur an eine Demonstration gedacht haben, und er hat die Anarchie im Lande geschaffen; er wollte die obenerwähnten Elemente nur als Werkzeug benützen, um sie dann nach gethaner Arbeit beiseite zu werfen , und diese verbreiten jetzt unaufhaltsam Angst und Aufregung im Lande; die erweckte und durch eine Autorität genährte Habgierde ist nicht so leicht zu stillen und „die Geister, die er rief, wird er nicht mehr los". Die ruheliebende Bevölkerung ist entsetzt über diesen Zustand der Dinge, und das Journal Gaz. de Jassy kann sich heute des Ausrufes nicht enthalten: „Es hat sich bei uns die schrecklichste Anarchie organisirt; die fürstliche, die gesetzliche und richterliche Gewalt wird verletzt; Alles, was in der Welt heilig, wird mit Füßen getreten, und der Minister des Innern ist selber hiehergekommen, um diesen Zustand der Dinge zu schassen, um den Staat und das Land in Anarchie zu versetzen, um ein Feuer zu entzünden, von dem wir nicht wissen, wie und von wem es nun wird gelöscht werden können. Alle unsere Gesetze sind factisch suspendirt, wir werden von Versammlungen auf den Straßen regiert, die von Behörden provocirt wurden, und befinden uns unter einer Schreckensherrschaft." Vom 25. Mai heißt es: Der Ankunft des Fürsten Carl wird bereits für Montag den 27. d. M. entgegengesehen, und ist Alles auf die Haltung gespannt, die derselbe unter den jetzigen Umständen einnehmen wird. Es verlautet soeben, -daß dem Präfecten telegraphische Ordre zugekommen sei, die Verhafteten frei und die Exilirten zurückkehren zu lassen.- Mit dem Aufhören dieser Verfolgung kann jedoch unsere Aufmerksamkeit und Fürsorge nicht aufhören. Zwar ist es gewiß, daß dieses Rumänien noch lange an einer argen Verwirrung, leiden wird, daß es vielleicht noch mannigfachen Umwälzungen entgegengeht, und daß unter solchen Verhältnissen auch an eine Regulirung der Lage unserer Glaubensgenossen nicht zu denken ist. Dies enthebt uns aber der Pflicht nicht, so viel wie möglich auf ihre Sicherung zu denken. Wenn es nun uns Deutschen nicht gegeben ist, die direkte Intervention einer Regierung nachzusuchen, welche auf die halbbarbarischen Leiter der rumänischen Lander eine Pression auszuüben vermag: so hat doch der Redakteur dieser Zeitung es für nützlich erachtet, ein desfallsiges Bittgesuch an seine kön. Hoheit den Fürsten von Hohenzollern, den Vater des Fürsten Carl, zu richten. Hoffen wir, daß auch dieser Schritt einigen günstigen Erfolg habe. Literarischer Wochenbericht. Lengnau (Aargau) 6. Mai 1867. Man ist längst zu der Ueberzeugung gelangt, daß es noch vieler Monographien über die Stellung der Juden in den einzelnen Städten, namentlich ihrer frühesten Ansiedelung, bedarf, bevor eine vollständige Geschichte der Juden geliefert werden kann. Eine solche neue Monographie begrüßen wir in der jüngst erschienenen „Geschichte der Juden in Cöln am Rhein von den Römerzeiten bis auf die Gegenwart," von Ernst Weyden. Cöln l8ö7. Es verdient alle Anerkennung, und heben wir es mit Freude hervor, daß der Vers, mit einer selbst in unserer Zeit immer noch seltenen Vorurtheilslosigkeit an die Bearbeitung seines Stoffes ging. Gleich in der Einleitung sagt er: „Groß blieb das Volk der Juden selbst in seinem politischen Untergänge. Nie hat es gewankt