Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 23 (4.6.1867)
- Date
- 1867-06-04
- Page
- Seite 465 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Haftes te Leichtert serten n. — träger a. . Bem. ja sen, ja uchja 4ttjfl ja ' ja ja I5H5£ in beit m un= (ebenen Frau I ihrer uf bien, auf, ngnisse, ab bas müssen rbe. rlehrcr tgen:, Thlr. 5 Dätrck Thlr. 1. rstand. Allgemeine Zeitung -es Zudcnthnms. Feuilletan-Geilage M Ar. 23. Leipzig, ben 4. Juni 1867. Gallerie von Abgeordneten jüdischen Glaubens. 7. Isaak Noa Mannheimer. (Fortsetzung u. Schluß.) Als 1848 mitten unter den revolutionären Stürmen ein konstituirender Reichstag gewählt ward, wurde Mannheimer von der Stadt Brody in denselben gewählt. Seine Wirksamkeit in demselben trat besonders in zwei Fällen hervor: am 5. October 1848, als im Reichstage die Aufhebung der Judensteuer, und am 29. Januar 1849, als die Abschaffung der Todesstrafe berathen wurde. Im ersteren Falle sprach er unter Anderem: „Meine Herren! Ich werde Ihnen nicht den ewigen Juden vorführen und nicht seine Leidensgeschichte. Ich glaube, daß sie heute nicht an der Tagesordnung ist, möglich kommt die Zeit, und ich behalte es mir vor. Für heute möchte ich nur einige Worte über den betreffenden §. sprechen, und zwar nicht, weil es eine G eldfrage ist — da spreche ich nicht, — sondern weil es eine Lebensfrage für meine Glaubensgenossen ist, eine Ehrensache ist, und die Ehre steht höher selbst als das Leben. Man hat gesagt, es wäre das keine Glaubenssteuer, es wäre eine Steuer vom Eigenthum. Nun, weine Herren! Ich will Ihnen das in zwei einfachen Fragen anschaulich machen. Ich frage, ob das eine Eigenthumssteuer ist, die der Jude heute zahlt, morgen aber mcht zahlt, wenn er sich dem betreffenden Pfarrer zur Verfügung stellt? Ist sein Eigenthum, sein Besitzthum morgen ein anderes, als es heute? Ist er selbst ein Anderer? Er ist derselbe, sein Eigenthum dasselbe, sein Vermögen dasselbe; sein Glaube ist ein anderer. — Es ist die Frage, ob der ein anderer ist? Man hat gesagt, es wäre eine Eigenthumssteuer und keine Glaubenssteuer. Ich frage Sie aber, wenn der arme Jude, und von dem spreche ich immer, wenn der kranke Jude zu seiner Stärkung und Kräftigung ein Huhn schlachten läßt, und nun von diesem Huhn, das bereits der Accise und Verzehrungssteuer unterlegen ist, von diesem Huhne eine bedeutende Steuer zu zahlen hat, weil es bei der Schlachtung einer religiösen Observanz unterliegt, wahrend der reiche, gebildete Jude, der sich über diese Observanz hinwegsetzt, diese Steuer nicht zahlt, ich frage Sie, ist das eine Steuer vom Eigenthum, oder eine Glaubenssteuer? Man hat gesagt, es wäre eine Capitaliensteuer. Meine Herren! dem muß ich ein für alle Male widersprechen. Ich kenne keine Capitalien und feine jüdischen Capitalisteu, am wenigsten gilt es voll denen, auf die Sie vielleicht Ihr Augenmerk haben, die als solche besteuert wären.... Ich gehe auf einen andern Gegenstand über. Die Frage ist nahe, ob denn die Sache gar so dringlich sei, ob denn die Juden diese Steuer, die sie so lange gezahlt haben, nicht vielleicht noch das halbe Jahr oder das Jahr hindurch zahlen könnten? Die Dringlichkeit liegt nicht im Juden; der Jude tragt gar viel, und hat gar viel getragen, der Jude ist sehr zäher Natur, meine Herren! Wissen Sie, er hat mehr getragen als die Judeusteuer, er hat getragen den Judenhaß! der drückt schwerer. Der Jude trägt noch, wenn es sein müßte, ein Jährchen diese Steuer fort. Aber wissen Sie, meine Herren, wo diese Dringlichkeit liegt? Die Dringlichkeit liegt nicht im Juden, sie liegt in Ihnen, sie liegt in Ihrer Mission, in Ihrem Berufe, in der Würde dieses Hauses. Die Dringlichkeit liegt in dem Boden da, der uns trägt und hält; da liegt die Dringlichkeit. Sie sind der constituirende Reichstag, die erste constituirende Versammlung, die Vertreter des Volkes, Sie sind die Ersten, die der Regierung ein Budget, eine Steuer votiren; hier gelten allerdings die Fragen, ob nun Sie in diesen: ersten Acte eine so abnorme, inhumane Steuer sanetionireu wollen; ob Sie für die Ungebühr der alten Zeit die Gewährleistung auf sich nehmen wollen; ob Sie das Unrecht von Neuem mit Ihrem Sternpel versehen wollen? Das ist die Dringlichkeit, meine Herren, sonst — wir trügen sie wohl noch eine Weile. Uebrigens bitte ich Sie, schauen Sie sich bei den übrigen Völkern um, ob noch irgendwo eine Judensteuer besteht? Nirgends! in keinem Lande! — doch allerdings, in Einem — in Rußland!