Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 23 (4.6.1867)
- Date
- 1867-06-04
- Page
- Seite 454 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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454 Capitel bemerkenswert!), wo auch die Frage untersucht wird, welche Spuren von der Kenntniß der Pyramiden in der Bibel sich finden. Die Schrift ist auch mit zwei vorzüglichen Photographien geziert, von denen die eine die trauernde Judäa auf den Trümmern des Tempels, die andere den, den Israeliten in Aegypten predigenden Jeremias (nach Kap. 44.) darstellt. — Eludes sur lc Mccklembourg el sur la qucslion allemande par M. Borcliard, Doclcur en medeeine ctc., clc. Paris, Pion 1867. Erster Th eil, über Mecklenburg. Der Vers., der sich durch seine Schrift: riiygiene publique cliez les juifs (Paris 1865) rühmlich bekannt geinacht hat, ist ein geborener Mecklenburger, seit mehr als 25 Jahren in Paris ansässig, ein Jude. In dieser dreifachen Eigenschaft erwartet man von ihm eine scharfe und einschneidende Beurteilung der Mecklenburger Zustände. Aber das Gegentheil trifft zu. Hätte der Berf. die im norddeutschen Reichstage über die Mecklenburger Zustände gehaltenen Reden, hätte er die Petition der Mecklenburger Juden an diesen Reichstag gelesen, .und den schroffen Gegensatz gewahrt, in welchem alle Verhältnisse in Mecklenburg zu den Grundsätzen, zu dem Bewußtsein und den Bedürfnissen unserer Zeit stehen und dadurch für den leidenden Theil, d. t. für die ungeheure Mehrzahl der Bevölkerung unerträglich geworden: vielleicht hätte er Anstand genommen, sein Buch so zu schreiben, wie er es gethan. Der Berf. findet, daß Mecklenburg mit allzu großer Strenge beurtheilt werde; er will daher die Gesetze, Einrichtungen und Zustände dieses Landes erklären, wie dieselben so geworden. Aber wie es zu geschehen pflegt, wird der Erklärer unter der Hand zu einem Sachwalter, einem Vertheidiger. Er übersieht, daß Institutionen vor Jahrhunderten angemessen, besser als die in den benachbarten Ländern gewesen sein können, jetzt aber, weil sie stehen geblieben, zu verwerflichen Härten, zu erdrückenden Lasten geworden sind. Was vor Jahrhunderten eine Milderung vorangegangener Gesetze war, ist jetzt ein unerträgliches Joch. Wir halten daher die vorliegende Arbeit für sehr lehrreich, aber im Grunde gänzlich verfehlt, und weisen unsrerseits die Consequeuzen entschieden zurück. Der Berf. hat außerordentlich viel gelesen und besitzt mancherlei Einblick in die verschiedenartigsten Zweige des Wissens. Dagegen fehlt ihm alle systematische Darstellung, und er läßt sich vollständig frei gehen, wie ein Spaziergänger, der, von der Zeit nickt .gedrängt, viele Nebenwege einschlägt, um sich zu ergehen und sich erst spät wieder seinem eigentlichen Hauptpfade zuzuwenden. Er will hier zunächst den Großherzog Friedrich Franz I. schildern, dann eine Geographie und Geschichte Mecklenburgs geben, um von da aus die Gesetze, Einrichtungen und Zustände zu erklären und zu rechtfertigen. Aber jede Veranlassung bringt ihn zu einer Digression, und sehen wir ihn über hundert Gegenstände bunt hinter einander, wenn auch beredt und belesen, handeln. Philologie, Philosophie, Rechtswissenschaft, Medizin, der Ursprung der Gallier, die Seebäder, der Congreß von Wien, Fries und Hegel, Dichter und Denker, Thiers und Renan u.s. w. u. s. w. im bunten Wechsel. Es liest sich Alles gut und ist sehr unterhaltend. Aber erst spät kommt man zu einiger Aufklärung über die Sache. Wir bemerken dies, weil es allerdings die Art der Kritik bezeichnet, die der Verf. übt. Warum wir uns aber hier überhaupt mit dieser Schrift beschäftigen? Weil allerdings Mecklenburg als der Winkel Deutschlands, in welchem überhaupt mittelalterliche Anschauungen und Einrichtungen noch gepflegt werden, besonders aber die religiöse Intoleranz selbst gegen die Lutheraner (unterschieden von den Reformirten), dann gegen die Katholiken, ganz besonders aber gegen die Juden in für unsre Zeit ungeheuerlichem Maße geübt wird, unsre ganze Aufmerksamkeit auf sich ziehen muß. Es liegt uns dies nicht blos um unsrer dortigen Glaubensgenossen willen ob, sondern auch ans ganz allgemeinen Motiven. Der Sieg der Gewissensfreiheit ist nicht eher überall gesichert, bevor der Gewissenszwang nicht überall in der civilisirten Welt, dereinst in der ganzen Menschenwelt verschwunden ist. — Im Eruw. Gedichte von B. Placzek. Wien 1867. Herzfeld & Bauer. Das kritische Amt ist kein leichtes, kein angenehmes. Wir sind durchaus nicht dafür passionirt. Am unliebsamsten wird aöer dieses Amt, wenn uns in einem Erzeugnisse der Literatur ganz widersprechende Elemente vereinigt entgegentreten, wir uns von der einen Seite angezogen, von der anderen abgestoßen fühlen. So ergeht es uns mit der vorliegenden Gedichtsammlung. Sie gehört dem Genre an; aber w gestehen, daß wir in der Dichtung wie in der Malerei einen offenen Sinn nur für das echt noble Genre oder für das durchaus komische haben. Jede mittlere Mischung, wo in geschmackloser Weise die platte Realität mit irgend einem feineren, poetischen oder malerischeil Zuge sich ungeregelt verbindet, sagt uns nicht zu und will uns der Kunst nicht würdig bedünken. Daß Hen Placzek eine sehr leichte Versification, eine gewandte