Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 23 (4.6.1867)
- Date
- 1867-06-04
- Page
- Seite 450 (sequence 2)
- Language
- German
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Es ist bereits (Skizze I.) des Volksschulwesens erwähnt worden. Bis zuin Beginne dieses Jahrhunderts gab es in den Niederlanden kein allgemeines System, bestanden keine festen Prinzipien für die Volksschule. Die Grundlage hierzu ging aus von einem Privatvereine, der bald durch sein wohlthätiges Wirken die verdiente Anerkennung fand und als die Quelle zu betrachten ist, aus welcher dasjenige entsprang, was seit jener Zeit sich zum Heile des Volksunterrichts in Holland entwickelt hat. Dieser Verein wurde gegründet im Jahre 1784, von einem Mennonitischen Geistlichen, Jan Nieuwenhuizen zu Monnikendam (Prov. Nord-Holland), und erhielt den Namen Maatschappij lol Nut van het Algemecn (Gesellschaft zum allgemeinen Nutzen). Dieser jetzt noch bestehende Verein stellte sich zum Ziele: Verbreitung der Bildung unter der geringeren ärmeren Volksklasse: durch billige Bücher für den elementaren Unterricht, Volksbibliotheken und andere die Lösung der Aufgabe begünstigende Mittel. Zweigvereine verbreiten sich bald über das ganze Land; Musterschulen werden errichtet und Untersuchungen über die beste Methode für den Volksunterricht angestellt. Die Prinzipien dieser Maatschappij werden in einem 1801 von van der l'alm, dem berühmten Kanzc.lreduer und damaligen Chef des Departements für öffentlichen Unterricht, der Regierung vorgelegten Gesetzentwürfe sestgehalten. Dieser Entwurf wird durch van den Ende, der als der Vater des Niederländischen Volksschulwesens betrachtet wird, umgearbeitet und im Jahre 1800 als die Richtschnur für die Organisation der Volksschule angenommen. Die Maatschappij tot Nut van licl Algemecn hat sich also einen denkwürdigen, ehrenhaften Platz in der Geschichte des Niederländischen Volksschulwesens gegründet, und wirkt noch immer wohlthätig für Volksbildung. Und doch leidet die Maatschappij an einem Gebrechen, da ihr Wesen mit ihrem Namen im offenen Widerstreit steht. Sie nennt sich: Verein zum allgemeinen Nutzen und nach Art. 1 ihres Statuts sollen Gottesfurcht, Moral und Kenntniß verbreitet werden nach christlichen Grundsätzen; nach Art. 5 desselben Statuts wird die Mitgliedschaft von dem christlichen Glaubensbekenntnisse abhängig gemacht. In Folge dieser Normen entspricht also die Maatschappij durchaus nicht ihrem Namen (zum allgemeinen Nutzen): entweder weil sie in ihrer Wirksamkeit und bei den daraus entspringenden Wohlthaten mehr als zwei Proeent der gesammten Bevölkerung Hollands: die Staatsangehörigen israelitischen Bekenntnisses, ignorirt und excludirt; oder weil sie einen streng confessionellen, d. h. christlichen Charakter hat. Wie dem nun auch sei, so mußten sich die Juden isolirt finden im Hinblick auf ein weitumfassendes Feld der Thätigkeit, worin sie nicht Mitwirken und wovon sie nicht mitgenießen konnten. Es dauerte zwar lange, ehe das Bewußtsein diese« Fernstehens sich in eine Thal verkörperte; aber die Thai kam, wenn auch nach länger als einem halben Säculuni nach der Geburt der Maatschappij tot Nut van licl Algc-- meen, doch zur Reife. Große Ereignisse, die Staaten und Böller erfassen und bewegen, die das Individuum wie die Gesammthei! über die wichtigsten Fragen: über Gesetz, Recht, Gewissensfreiheit zu denken und wirken anspornen, pflegen Einrichtungen und Anstalten hervorzurufen, welche die gewonnenen Ueberzeugungen zu fördern und zu bethätige», die neuen Zustände zu befestigen geeignet sind. So entstand an der Schwelle der französischen Revolution die genannte Maatschappij; consolidirte und organisirte sich nicht lange nach derselben die Niederländische Volksschule, und kaum war das bewegte Jahr 1848 verstrichen, so entstand ein Institut von Niederländischen Israeliten gegründet, um in ihrem Kreise und für denselben Ziele zu verfolgen, ähnlich denen der Maatsehappij t. N. v. h. Alg., von der sie sich ausgeschlossen sahen. Dies Institut erhielt den Namen: Maatschappij tot Nut der Israeliten in Ncdcrland. Es ist unsere Absicht nicht, schon hier über die Thätigkeit dieses in Jahre 1849 gestifteten Vereines ausführlich zu sprechen; speciell die Mittel anzugeben, durch welche sie ihre löblichen Absichten zu erreichen strebte, wie weit sie diese bisher erreicht hat und in welchem Zustande sie sich jetzt befindet. Wir haben die Maatschappij tot Nh! der Israeliten vor der Hand allein in ihrem Ursprünge zu betrachten, als einen Beweis für die erwachte Kraft, um mit den geeigneten Mitteln den das Judeuthmn ausschließenden Bestrebungen entgegenzutreten und sie unschädlich zu machen. Ferner wollen wir in dem Verhalten zu diesem zu gründenden Vereine und den Anschauungen von demselben innerhalb der jüdischen Kreise eine Bestätigung für das finden, was über den religiösen Standpunkt (Skizze III) berichtet worden. Unter den Begründern sehen wir Männer, hervorragend durch geistige Befähigung, einflußreich durch ihre Stellung; und wir müssen pflichtgemäß von den Portu-