Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 22 (28.5.1867)
- Date
- 1867-05-28
- Page
- Seite 447 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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447 feit, sein unermüdlicher Eifer und auch sein praktisches Talent reiche Saaten ausstreuten und in einer 40jährigen Wirksamkeit zur Blüthe und Frucht brachten. «Fortsetzung folgt.) Eine Hochzeit bei eingeborenen Israeliten in CaKutta. Ein Correspondent der Arcli. isr. schreibt: Calcutta, 22. Februar 1867. Ich will Ihnen von einer jüdischen Hochzeit erzählen, der ich jüngst beiwohnte. Gegen acht Uhr des Abends begab ich mich zu dem Bräutigam, wo in einem großen, vollkommen erleuchteten Laale sich eine große Menge Menschen versammelt fand, die Einen Indier, die Andern Ankömmlinge aus Bagdad oder aus anderen Gegenden Arabiens. In einem anstoßenden Zimmer plauderten einige Verwandte, wobei sie die Stookah (indische Pfeife) rauchten. Der Bräutigam, der auf einem mit weißer Leinwand bedeckten Campe saß, schwatzte mit Einem und dem Andern, die Freude im Antlitze, gewiß an seine zukünftige Gefährtin denkend, die für einen Tag noch von ihm getrennt war. Bei den Tönen einer Mohrentrommel und anderer gebräuchlichen Instrumente, stimmten bezahlte Leute mehr oder weniger dem europäischen Ohre angenehme Gesänge an, die aber die Gesellschaft sehr unterhielten. Dann gaben indische Sänger und Musiker ihre Talente zum Besten, wobei sie die Zuhörer einige Stunden aufmerksam erhielten. Nach einer gewissen Zeit, in diesen sogenannten Genüssen verbracht, reichen die nahen Verwandten des Bräutigams ihm, beim Scheine zweier sechsarmigen Leuchter, den „Meddi-Patta", einen Teig mit Baumblättern gemacht, der die Eigenschaft hat, nachdem er ungefähr eine halbe Stunde auf der rechten Hand gelegen hat, dieser eine röthliche Farbe zu geben, welches die erste Ceremonie der Hochzeit ist. Als die Verwandten diesen Teig auf die Hand legten, die sie mit einem seidenen Tuche, einem Geschenke der Braut, umgaben, ließen sich die Gesänge noch stärker vernehmen, und die Frauen stießen Freudengeschrei aus, indem sie dem Bräutigam Bonbons an den Kopf warfen, welcher sich davor zu schützen suchte, um nur nicht geblendet zu werden. Eine ausgezeichnete Auswahl Früchte und Kuchen wurde nach dieser Ceremonie der Gesellschaft gereicht. Darauf begab ich wich in das Haus der Braut, wohin nach der Sitte die Männer sich gewöhnlich an jenem Abend nicht begeben. Bon einer entlegenen Ecke des Saales aus, wo ich wich verhielt, sah ich, in Gegenwart der ganzen Gesellschaft, die Braut, die auf einem gewöhnlichen Sitze Platz genommen, einem großen brennenden Leuchter gegenüber; Ue darf keine Bewegung machen, auch kein Wort sprechen während des ganzen Abends. Eine „Aljah“, eine eingeborene Kammerfrau, fächelte ihr zu. Da die Stellung der Braut ermüdend ist, so ist es ihr erlaubt, sich von Zeit zu Zeit in ein benachbartes Zimmer zurückzuziehen, um sich auszuruhen und ihre gelähmten Glieder zu bewegen. Dort singen oder schreien vielmehr die Frauen im Chor, wozu sie sich mit der Mohrentrommel und Händegeklatsch begleiten, indem sie von Zeit zu Zeit einen Zug aus der Stookah rauchen, welche sie sich untereinander gern leihen. Von Zeit zu Zeit werden Früchte und Kuchen in der Gesellschaft herumgereicht. An jenem Abende dürfen sich die Verlobten nicht sehen, jeder bleibt in seinem Hause. Am Tage daraus findet die Hochzeit statt. Um vier Uhr ungefähr, vor dem Scheiden des Tages, kommt ein Vorbeter (der die Hochzeiten zu vollziehen hat) in das Haus des Bräutigams, wo eine noch größere Zahl Menschen versammelt ist, als am Tage vorher. Der Bräutigam, mit einer Tunika aus schwarzer, mit Gold gestickter Seide bekleidet, mit einem Kaschmirturbau von unverhältnißmäßiger Größe und einem ebenso breiten Kaschmirgürtel, hält sich in der Mitte seiner beiden Brüder, seiner nächsten Verwandten (der Bräutigam und die Braut waren Waisen). Sie gehen aus dem Hause, von der ganzen Männergesellschaft voran begleitet, beim Scheine zweier großen Kerzen, nach der Wohnung der Braut. Hier findet sich eine zahlreiche Menge Frauen versammelt, die in von Gold glänzende Gewänder gekleidet sind. Die Braut, die auf einer Art sehr hohen Fauteuils, der über die ganze Versammlung ragt, sitzt, trägt von Kopf bis Fuß einen langen rosa Mousselinschleier, mit Gold gestickt, der ihren ganzen Körper bedeckt. Wie am Tage vorher, darf sie keine Bewegung machen. Bei der Ankunft des Bräutigams, ließ man ihn zwischen seinen beiden Brüdern Platz nehmen, seiner Zukünftigen den Rücken zugewendet, und der Vorbeter stimmte die Segenssprüche an. Als der Erstere seine Lippen in dem Glase benetzt hatte, ließ man es zu der Braut gelangen, welche unter ihrem Schleier ihre Lippen befeuchtete, wobei sie sich so wenig wie möglich bewegte. Alsdann übergab der Zukünftige dem Vorbeter, in ein Tuch versteckt, ein Stück Gold, ein Stück Silber und ein Stück Kupfer, welche man, der Sitte gemäß, der Braut brachte. Dies geschehen, schritt der Vermählte, nach einigen Gebeten, auf seine Gemahlin zu und zerbrach das Glas. Ein von dem Vorbeter und zwei Zeugen Unterzeichneter Akt war die Befestigung der Heirath, worauf die Frauen Geschrei als Zeichen der Freude ausstießen. Ein in einem besonderen Saale servirtes Mahl beschloß diese Ceremonie für den Augenblick. Am Abend fand ein großes Diner statt, und die Festgenosfen trennten sich sehr spät, ermüdet, aber zufrieden mit dein Vergnügen, das sie genossen. Wenn die Segeussprüche vor Untergang der Sonne gesungen worden, dauern die Festlichkeiten sieben Tage, vom Tage der Feier selbst an. Aber wenn die Segens-