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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-05-28 · Heft 22 (28.5.1867) · p. Seite 446

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 22 (28.5.1867)
Date
1867-05-28
Page
Seite 446 (sequence 18)
Language
German
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446 Pages und Duclerc und zeigte wenig Vertrauen auf die von ihnen vorgeschlagenen neuen Finanzmaßregeln; doch hielt er die Hypothekensteuer wenigstens als zeitweise Maßregel aufrecht, obwohl er — wie es auch später eintraf — von ihr einen geringen Ertrag vorhersagte. Sein Project, die Eisenbahnen anzukaufen, schob er noch auf, reservirte aber die Rechte des Staates auf dieselben. Außerdem traf er manche Verbesserungen in der Finanzverwaltung. So wurden die Schatzscheine und die Depots der Sparkassen in Rentenscheine umgewandelt, die constituirende Versammlung ordnete auf seinen Vorschlag das Ausgabenbudget dem Budget der Einnahmen unter, endlich wurde ein Anlehen auf seinen Antrag beschlossen. Als aber die Versammlung auf den Vorschlag des Hrn. Creton, eines Orleanisten, strenge Rechnungsablegung von ihm forderte, legte er sein Amt nieder, ohne daß jedoch der Schatten eines Verdachts auf ihru ruhte. . Als Volksvertreter gehörte er durch seine Abstimmungen zur Majorität der Versammlung, die bis zum 10. December 184 8 die Politik des Generals Cavaignac aufrecht erhielt. Nach der Wahl Louis Napoleons zum Präsidenten votirte er im Allgemeinen in allen Fragen, welche Personen oder wichtige Principien betrafen, mit der Linken, indem er aber von der Tribüne nur in Finanzsachen sich vernehmen ließ, wo seine Geschäftserfahrung seiner oratorischen Ungeschicklichkeit zu Hilfe kam. Seine Stimmung erbitterte sich übrigens immer mehr, je geringer die Aussicht auf eine gedeihliche Entwickelung der Republik wurde. In den Sitzungen vom 20. und 2!. April 1849 erregte er durch seine heftigen Anklagen gegen Herrn Fould eine große Aufregung, sowohl in der Bersannnlung wie im Lande. Ebenso hatte er mit dem General Baraguay d'Hilliers ein heftiges Rencontre. In die gesetzgebende Versammlung wurde er nicht wieder gewählt und hielt sich nun mehrere Jahre hindurch von der Politik fern. Im Jahre 1852 trat er als Candidat im vierten Wahlbezirk des Seine-Departements auf, und zwar an Stelle Carnot's, der gewählt war, aber den Treueid für den Kaiser und die Constitution verweigert hatte; er drang indeß nicht durch. Dagegen wurde er fünf Jahre später im sechsten Wahlbezirk des Seine-Departements als Oppositionsdeputirter gewählt; doch nun verweigerte er den Eid und wurde so nicht zugelassen. — In den letzten Jahren seines Lebens beschäftigte sich Goudcheaux viel mit Geldsammlungen für die französischen Flüchtlinge und Verbannten im Auslande. Goudcheaux zeichnete sich weniger durch ungewöhnliches Talent aus — auch in der Politik war er weder großer Redner noch Staatslnanu — als durch genaue Kenntnisse und Besonnenheit im Fiuanzfache, und besonders durch einen so makellosen Charakter, daß selbst seine zahlreichen politischen Gegner ihn auf das höchste achteten und ehrten. Dr. M. PH. 7. Isaak Noa Mannheimer. Es giebt Männer, deren Beruf und Bildungsgang sie mit den öffentlichen Angelegenheiten in eine nahe Verbindung bringen, so daß sie, in einen gesetzgebenden Körper durch das Vertrauen ihrer Mitbürger einmal gewählt, für immer ihren Platz darin finden, und fortan dem staatlichen Leben ihres Vaterlandes angehören. Neben diesen finden aber auch in den Versammlungen der Volksvertreter Viele einen Platz, denen dieses Amt an sich ferner liegt, die ihm daher nur zeitweise und im besonderen Interesse für die allgemeinen Angelegenheiten obliegen. Ja, die Mehrzahl von Abgeordneten sind wohl dieser Kategorie zuzutheilen. Die allgemeine Bildung, Talent und Interesse und das jetzt glücklicher Weise so verbreitete Verständniß für die allgemeinen Angelegenheiten geben auch dieser Klasse von Volksvertretern ihre Wichtigkeit und erwägt man, daß es im constitutionellen Wesen darauf ankommt, daß Männer aus allen Klassen des Volkes und von allen möglichen Fächern und Lebensherufen in den Deputirtenkammern vorhanden seien, so wird man es zu würdigen wissen, wenn man wünscht, daß die letzteren eben nicht blos aus politischen Charakteren zusammengesetzt seien. Auch unter den Abgeordneten jüdischer Religion finden wir beide Klassen, und wenn unter denen, deren Biographie wir hier bereits skizzirt haben, ein Jacob y, Fould, Riesser, Cromieup für die politische Laufbahn ihrem ganzen Wesen nach bestimmt waren, so stehen wir jetzt vor dem Bilde eines Mannes, der nur sehr vorübergehend der Volksvertretung angehörte. Interessant ist er in dieser Beziehung schon dadurch, daß er unseres Wissens bis jetzt außer dem Rabbiner Mises aus Krakau, der einzige jüdische Theologe war, der in einer gesetzgebenden Versammlung gewesen. Je bedeutender Mannheimer in seinem Berufe als Prediger und Seelsorger war, desto weniger können wir hier, wo es sich vorzugsweise um parlamentarische Wirksamkeit handelt, auf eine nähere Charakterisirung eingehen. Auch haben wir in Nr. 46 des 27. Jahrgangs (1863) eine ausführlichere Lebensbeschreibung von ihm gegeben. Die beste Biographie M.'s ist bis jetzt die von Dr. G. Wolf (Wien 1863, Knöpflmacher), welcher wir auch damals folgten, und die uns heute wiederum zur Benutzung vorliegt. Mannheimer wurde am 17. October 1793 in Kopenhagen geboren. Schon in seinem 31/2 Jahre kam er in die Schule. 9 Jahre alt, lag er schon dem Studium des Talmuds ob, erhielt aber auch bald eine gute Schulbildung. 1808 trat er ins Gymnasium und ging 1814 zur Universität über. Er studirte Philosophie, Philologie, namentlich orientalische Sprachen und hörte theologische Vorlesungen. Schon 1816 wurde er in seiner Vaterstadt als Katechet angestellt und seine Predigten hatten vielen Erfolg. Auf einer längeren Reise predigte er in Berlin und Wien mit großem Beifall und wurde 1825 nach Wien berufen, wo seine glänzende Kanzelberedsam-

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