Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-05-28 · Heft 22 (28.5.1867) · p. Seite 440

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 22 (28.5.1867)
Date
1867-05-28
Page
Seite 440 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3226581-3226604--25001-3260483
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

tiviren, alles andere hätte im Memorandum füglich wegbleiben können. Die Verwendung des Schulfondes ist ein Gegenstand, der wohl auf religiöse Fragen influirt, aber nicht verschoben werden kann. Es ist etwas Unerhörtes, eine Musterschule aus dem Fonde in Nordungarn zu unterhalten, dern Räume so gut wie leer stehen und worin z. B. in den obern Klassen anstatt 100-150 sich bloß 7-8 Kinder befinden! Allein auch hierin wird sich eher eine Majorität erzielen lassen als in den andern Fragen, weil bloß die chasst d Lisch en Gemeinden gegen Lehrer- und Rabbinerseminare sind.-Die wichtigste Frage ist aber jetzt: auf welcher Grundlage die Conferenz gewählt und berufen werden soll. In Ungarn, einem constitutionellen Lande, gibt es nur eine freie allgemeine Wahl auf Grundlage der Population, die auf Anerkennung Ansprüche machen kann. Frankreich. Paris, 16. Mai. Die „Köln. Ztg." schreibt: In derselben Weise, wie bereits das Univers, macht jetzt der ultramontane Monde den Juden Angst, falls Herr v. Rothschild sich unterstehe, seine Hand an Kirchengut zu legen. Er findet, daß Herr Mir es sehr triftige Gründe gegen diese, von seinem Glaubensgenossen vorzunehmende Finanz-Operation vorbringt: „Die Juden verdanken den Päpsten Vieles und sind von diesen immer gegen die Antipathien des Volkes geschützt worden. In verschiedenen Ländern Europa's konnten sie nur Dank dem Clerus bestehen. Heute sind sie nur zu sehr im Flor, und vom Neide zum Hasse ist nicht weit. Der von den Juden den Katholiken erklärte Krieg könnte Repressalien Hervorrufen, und wir leben in revolutionären Zeiten." (!) (Bange machen gilt nicht! wir leben in einer Zeit, wo Jedermann einsieht, daß die 7,000,00 Juden von einem Ende der Welt zum andern nicht dafür verantwortlich gemacht werden können, wenn Rothschild's Kirchcngüter kaufen. Was den Schutz der Päpste und des Clerus anbetrifft, so fand dieser für die Juden nur in seltenen Ausnahmen statt — das Gegentheil war die Regel. Wir brauchen kaum zu erinnern, daß die Judenhetzen des Mittelalters meist auf die Hetzereien der Geistlichen eintraten. Erst nachdem der Staat wieder die Oberhand erlangt hatte, trat auch die Ruhe für die Juden wieder ein. Die Redakt.) Italien. Ans Oberitalien, 19. April. (Privatmitth.) Hiemit theile ich Ihnen die Namen der Männer unseres Glaubens mit, welche die freie Volkswahl jüngst als Deputirte ins italienische Parlament ernannt hat. Es sind deren sieben: die Herren Alessandro Maurogonato, Sanson D'Ancona, Servadio, Giacomo Dina, Direktor der offiziösen „Opinione" von Florenz, Morpurgo, Tullo Massarini und Giuseppe Finzi. Fünf derselbe» wurden wieder erwählt und Dina und Morpurgo sind zum ersten Mal Deputirte. Es ist bezeichnend, daß fast sämmtliche Wahlcolle gien, die sich von genannten Männern im Parlamente repräsentiren lassen, keine israelitische Bevölkerung haben: Herr Dina, wie die Unitä Cattolica berichtet, im Ghetto von Turin geboren, ist der Erwählte von Jmola, ehemals Provinz des Kirchenstaates. Vom Advokaten David Levi, früher Parlamentsglied, ist ein von mehreren namhaften Zeitschriften höchst gerühmtes Drama erschienen. Das Werk heißt: der Prophet, und behandelt die letzte Periode des judäischen Reiches, in des Propheten Jeremia Zeiten.*) Bor einiger Zeit erfolgte in Livorno die förmliche Uebergabe an das dortige Municipium eines stattlichen Palastes von Seiten des edlen Barons Franchetti, welcher denselben bei seinen Lebzeiten seiner Geburtsstadt schenkte. Bon der jährlichen Auszahlung von mehr als 20,000 Frcs. zu Gunsten einiger Wohlthätigkeits- Anstalten, die das Municipium bei dieser Gelegenheit als Bedingung annahm, läßt sich auf die hohe Bedeutung und den Werth des betreffenden Geschenkes schließen. Bei Besprechung einer Ansprache der Apostaten Lehmann an ihre ehemaligen Glaubensbrüder erwähnt die Unitä Cattolica in ihrem heutigen Blatte Spenden, welche Cölner und Frankfurter Israeliten zur Aufrechthaltung der weltlichen Herrschaft des Papstes nach Rom eingesandt haben. Sonderbar, jedoch nicht unmöglich. Ein Jude von Modena hat am 1. Januar l. I. einen Beweis dazu geliefert. Herr Di*. Giuseppe Barzilai, Secretär der israeli- *) Wir würden gern ein Ex. dieses Drama erhalten, schon um es mit unserm „Jojachin," in welchem Jeremias ebenfalls die Hauptstelle einnimmt, zu vergleichen. Redakt.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.