Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 22 (28.5.1867)
- Date
- 1867-05-28
- Page
- Seite 441 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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441 tischen Gemeinde von Triest, hat eine für gelungen gehaltene Uebersetzung der biblischen Klagelieder in italienischen Versen veröffentlicht. Se. Majestät der Kaiser von Oesterreich hat den Präsidenten des österreichischen Lloyd Cav. Elio de Morpurgo zum Baron des österreichischen Kaiserstaates erhoben, und Herrn Julius Eisner, ebenfalls von Triest, für Anerkennung seiner im letzten Kriege dem Staate geleisteten Dienste den Franz Joscph's Ritterorden ertheilt. Auch Herr Horaz Landau aus Pesth ist durch Ertheilung des 'Ordens der eisernen Krone dritter Klasse in den österreichischen Adelsstand erhoben worden. Derselbe hat sich als Repräsentant des Hauses Rothschild vor und nach dem vorjährigen Kriege bei den Statt gehabten Verhandlunden zwischen Oesterreich und Italien in Florenz persönlich und unmittelbar zu Oesterreichs Gunsten sehr thätig bewiesen. Griechenland. Corfu, im April. (Times). Folgende Uebersetzung eines Briefes von der israelitischen Gemeinde in Corfu wurde uns zur Veröffentlichung übersandt: „Nachdem wir die Bemerkungen des Herrn Layard im englischen Unterhause über die Art und Weise, wie die Juden in Griechenland behandelt werden, gelesen haben, halten wir es für eine heilige Pflicht, diese Bemerkungen zu widerlegen, die gänzlich der Wahrheit entbehren. Die Grundsätze der Freiheit und Gleichheit, welche im Allgemeinen in Griechenland vorherrschen, werden in jeder Hinsicht auf uns Israeliten angewendet, die wir jetzt die vollen Rechte der Gleichberechtigung genießen, welche uns unter dem englischen Protectorat vorenthalten wurden. Noch mehr, nicht blos sind diese Prinzipien in den Landesgesetzen eingeschrieben, sondern sie leben auch in den Herzen sowohl unserer regierenden wie regierten Compatrioten anderer religiöser Bekenntnisse — ein Faktum, von dem wir viele Beweise haben. Wir fühlen uns durch Dankbarkeit und zur Ehre der Wahrheit verpflichtet, diese Erklärungen zu veröffentlichen. — Corfu, 29. März 1867. Unterzeichnet — A. L. de Semos, M. Usilio, Raphael D. Jossua, Joseph Nakamuli, Vorsteher der israelitischen Gemeinde in Corfu. (Nach unserer Meinung hatte der Staatsminister Layard bei seinen Klagen über die Unduldsamkeit der Griechen gegen die Juden nicht das vor Kurzem annectirte Corfu, sondern das eigentliche Griechenland im Auge, und wir möchten es allerdings keinem Glaubensgenossen rathen, sich in Athen niederzulassen, wo er den Insulten des griechischen Pöbels ausgesetzt sein würde. Red. d. A. Z. d. Judenthums.) — Bei dem furchtbaren Erdbeben, welches vor einiger Zeit Cephalonia, Mitylene und andere jonische Inseln heimgesucht, waren auch die dortigen Juden des harten Mißgeschickes theilhaftig. Die Glaubensgenossen in Corfu reichten ihnen hülfreiche Hand. Palästina. Jerusalem, im März. Bon hier wird der Wiener Zeitung unter dem 10. März geschrieben: „In den hiesigen europäischen Judengemeinden, welche bei 5000 Köpfe zählen, und deren Mitglieder theils unter der österreichischen, theils unter der preußischen oder englischen Jurisdiction stehen, herrscht große Freude darüber, daß sie nicht mehr, wie seit dreißig Jahren, ihren Fleischbedarf aus der Schlächterei der türkischen Israeliten beziehen müssen. Dieser Bezug war immer mit einer bestimmten Taxentrichtung verbunden. Nun hatte der Ober-Rabbiner der türkischen Juden in letzter Zeit die von der osmanischen Regierung festgesetzte Fleischtaxe willkürlich so erhöht, daß die europäischen Juden, die größtentheils nur von milden Spenden leben, sie nicht erschwingen konnten; sie bewarben sich daher um die Intervention ihrer respektiven consularischen Schutzbehörden, worauf die Chefs der Consulate Oesterreichs, Preußens und Großbritanniens sich an den Lokal- Gouverneur wendeten, damit er Abhilfe treffen möge. Jzzet Pascha trug nicht Bedenken, den europäischen Israeliten, obschon der türkischen Gemeinde und ihrem Ober-Rabbiner dadurch ein jährlicher Gewinn von beiläufig hundertfünfzigtausend Piastern (30,000 Thlr.) entgeht, gerecht zu werden und zu gestatten, daß sie für sich eine eigene Schlächterei eröffnen und besitzen dürfen. Die österreichischen Juden, welche unter den europäischen die zahlreichsten sind, bezeigten ihrem Consular-Bertreter für die Errungenschaft die tiefste Erkenntlichkeit und richten eine besondere Dankadresse an die kaiserliche Regierung in Wien.*) *) So fällt der Eigennutz, namentlich wenn er die Religion zu seiner Befriedigung mißbraucht, in seine eigene Schlinge. Redakt,