Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 22 (28.5.1867)
- Date
- 1867-05-28
- Page
- Seite 437 (sequence 9)
- Language
- German
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437 , entneu- :ftigen rdamdiesen it uns ntbehosesten rischen st soll Aus- Was rgang u der! mit x da- Weise rhmamkeit. 207.) trat ir im l als n gewähr- . lführt ilfrika I und also n die rvorleiten iutter v die von wahr Slauhulen Das inden schmwem- Rudaß ewie- 15. scheu Philosophen zurück, und nun sollen dieselben eine der Ursachen jener grausamen Intoleranz gewesen sein. Ze unwahrer dieses daher ist, desto leichter werden wir auch gegen die andere Quelle, die er hervorhebt „der alt-jüdische Religionseifer" dem Verdachte zugänglich sein, daß Bluntschi sucht, und weil er sucht, Etwas findet, selbst!vo Nichts ist. Wo findet denn der Verf., wenn er die Geschichte durchmustert, die Beispiele jenes „altjüdischen Religionseifers," der jenem verfolgungssüchtigen Glaubenszwange zur unmittelbaren Unterlage gedient haben soll? Etwa bei Moses, der dem Fremdling nichts weiter verbot, als öffentlichen Götzendienst in Israel zu üben, sonst aber es ihm freistellte, in den israelitischen Bund durch die Beschneidung einzutreten oder nicht? Etwa bei Salomon, dem Erbauer des Tempels, der den fremdländischen Weibern sogar gestattete, Götzenaltäre zu errichten? Etwa unter den Pharisäern und Saddncäern, den Hilleliten und Schammaiten, von deren geradezu entgegengesetzten .Entscheidungen der Talmud sagt: „Sowohl diese als jene sind Worte des lebendigen Gottes" (Jebam. l, 4. Chag. 3.)? Wo Religionseifer bei den Juden zum Vorschein kommt, war er zur Vertheidigung nach Innen, nicht aber zum Angriff nach Außen gerichtet. Auch Elijahs und Nehemia's Verfahren ist nur derartig. Nein! Der aufrichtige Geschichtsforscher erkennt leicht, daß in dieser Beziehung ein außerordentlicher Unterschied zwischen den Religionen besteht', deren Tendenz nur nach Innen innerhalb der Nationalität, in welcher sie entsprungen, ging, und den Religionen, welche von ihrem Beginne an die möglichste Ausdehnung über zahlreiche Völkerschaften in ihrer Natur hatten. Die Expansivkraft der letzteren und der Kampf, den sie gegen die entgegenstehenden Elemente in den Bölkern beginnen und unterhalten müssen, führt sie unmitrelbar und nothwendig zur Ausschließlichkeit und von dieser zur Verfolgungssucht und zum unbedingten Glaubenszwang. Dieselben Bedingungen bringen dann stets dieselben Wirkungen hervor, und der Islam ging darin keinen andern Weg, nur daß er mit Einem Male noch brutaler ward. Wir zweifeln z. B. nicht, daß die heutigen Missionäre, wenn sie die Gewalt dazu hätten, denselben Pfad verfolgten, welchen die spanischen Mönche in Mexiko und Peru wandelten/ Zeitungsnachrichten. Deutschland. Berlin, 8. Mai. In der heutigen Sitzung des Abgeordnetenhauses, in welchem die Schlußberathung über die Verfassung des Norddeutschen-Bundes zu Ende geführt wurde, fand ein Vorfall statt, wie er in der Geschichte des parlamentarischen Lebens unserer Erinnerung nach, noch nicht vorgekommen. Der Abgeordnete Las k er hielt eine, mit Beifall aufgenommene Rede zur Vertheidigung der national-liberalen Partei, betreffs Annahme der Verfassung. In derselben wandte er sich auch gegen den Abgeordneten Di. Michelis, einen katholischen Geistlichen, welcher Tags zuvor 3 Abgeordnete, unter denen auch Lasker, ausdrücklich genannt „daß aus sie kein Verlaß mehr sei." Er bezeichnet ihn dabei als „das geistliche Mitglied für Allenstein." Nach dem Schluß der allgemeinen Debatte forderte Dr. Michelis das Wort zu persönlicher Bemerkung und sagte, ich habe einige persönliche Bemerkungen zu machen gegen den jüdischen Abgeordneten für Berlin (Großer Lärm auf allen Seiten des Hauses. Rufe: Pfui! Pfui! Zur Ordnung! Glocke des Präsidenten). Präsident von Forckenbeck. Ich muß den Herrn Redner unterbrechen, ich halte die Bezeichnung: „jüdischer Abgeordnete für Berlin" nicht für parlamenmentarisch. (Beifall). Abgeordt. Michelis: Ich werde diese Bezeichnung nicht rechtfertigen; ich glaube aber, es wird ihnen Allen verständlich gewesen sein, daß ich diese Bezeichnung nur gewählt habe, weil eine Beziehung auf meinen Stand von dem Herrn ebensowenig motivirt war. (Lebhafter Widerspruch.) Präsident von Forckenbeck: Meine Herren, ich bitte um Ruhe; ich habe die Bemerkung des Abg. Lasker nicht corrigirt, weil nur der Stand bezeichnet war. (Rufe: Sehr richtig. Lebhafter Beifall auf allen Seiten des Hauses.) Diese Lösung des Confliktes macht jede weitere Bemerkung unnöthig, obgleich man nicht verkennen kann, daß der Abg. Lasker auch keine Veranlassung hatte, den Stand des Dr. Michelis zu betonen, da dieser von seinem Wahlkreise ebensowenig 'als Geistlicher, als Lasker als Jude gewählt worden. — 22