Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 22 (28.5.1867)
- Date
- 1867-05-28
- Page
- Seite 431 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Eine Verwahrung unsrerseits gegen diese Vorurtheile, eine Verwahrung, wie wir persönlich sie bereits vor 25 Jahren in öffentlichen Blättern eingelegt, hilft Nichts; wir müssen uns, wie unter so vielem Andren, mit Geduld beugen, bis die Zeit auch diese beseitigen werde. Veranlassung zu diesen Betrachtungen giebt uns ein Vorgang in diesen Tagen. Die italienischen Kammern haben die Säcularisirung der geistlichen Güter beschlossen, wie diese bereits in den meisten katholischen Staaten vor sich gegangen. Die italienische Regierung trat deshalb mit einem belgischen Banquier Langrand -Dumonceau in Verhandlung, einem Manne, welcher durchaus klerikal und der Banquier vieler katholischen Bischöfe ist , so daß vorauszusetzen ist, daß er seine Pläne in Uebereinstimmung mit der katholischen Geistlichkeit entwarf. Aber das italienische Abgeordnetenhaus verwarf den desfallsigen, von dem Ministerium mit Langrand- Dumonceau abgeschlossenen Vertrag, weil derselbe zu wenig vortheilhaft für Italien erschien. Neuerdings soll nun das Haus Rothschild einen anderen Vertrag mit der italienischen Regierung zu übernehmen im Begriffe sein. Hiergegen erheben die belgischen und französischen klerikalen Blätter heftiges Geschrei, und in ihrem gewohnten Judenhasse greifen sie die Rothschilds als Juden an und schieben ihnen geradezu kirchenfeindliche Absichten unter. Nicht als Finanziers, sondern als Juden, welche der Kirche in feindlicher Absicht zu schaden suchen, sollen sie jenen Vertrag mit der Regierung zu Florenz eingehen wollen. Den klerikalen Skribenten sähe man dieses nun nach. Es tritt nun aber auch ein Jude auf, der seinem Hasse gegen die Rothschilds bei dieser Gelegenheit abermals freien Lauf schafft, und, indem er listiger Weise sich als Bertheidiger der Juden gerirt, so recht aus diesem Vorgänge eine leidenschaftliche Entrüstung gegen die Juden weckt. Denn was für ein Jude ist dies? Herr Mirös, deffen Frau und Kinder katholisch geworden, der, als er noch nicht der verunglückte Spekulant war, päpstlicher Finanzier war und reiche P eterspfennige steuerte. Wir haben hiergegen Nichts zu erinnern. Es kann Jeder denken und thun, was er will. Wie aber kommt dieser Mann dazu, jetzt den Vertheidiger der Juden spielen zu wollen? Und wie thut er dies? Indem er in nachdrücklichster Weise gerade Gedanken und Leidenschaften gegen die Juden weckt, die verhüten zu wollen er sich den Anschein giebt. Auch wir wünschten, die Rothschilds ließen sich in diese Angelegenheit nicht ein. Denn obwohl jeder Verständige einsieht, daß hierbei Judeuthum und Juden auch nicht im Entferntesten betheiligt sind, daß es Nichts als eine Finanzsache ist, wobei das religiöse Bekenntniß der Rothschilds durchaus nicht berührt wird: so giebt es doch der beschränkten Köpfe und solcher, welche gar zu gern den Juden Etwas anheften, allzu Viele, um nicht einer nachtheiligen Wirkung für die Juden Raum zu geben. Hören wir, was Mirös sagt. Er erläßt einen Brief an das Blatt ,,la Presse,“ das nach den öffentlichen Blättern vor einiger Zeit durch Mires von Auftraggebern für die Vertheidigung der weltlichen Herrschaft des Papstes angekauft worden. Er sagt darin: „Wenn es sich um eine Anleihe handelt, welche durch Besitzungen garantirt wird, die in unabhängigem Eigenthume der italienischen Regierung sind, und einer Corporation angehören, welche durch die ungeheure Majorität der Franzosen und Italiener gebildet wird, so ist die Freiheit des Herrn v. Rothschild nicht mehr dieselbe. Hier ruft ihm seine Eigenschaft als Jsraelite zu, sich abseits zu halten. Er darf aus keinem Beweggründe und unter keinem Vorwände in das katholische Frankreich ein Gefühl streuen, das in einem gegebenen Augenblicke gegen seine Glaubensgenoffen explodiren kann. Könnte er den ungerechten und grausamen Vorwurf vergessen, mit welchem der Tod Jesu Christi die jüdische Race sei achtzehnhundert Jahren bedeckt hat? Könnte er diese Gefühle wieder erwecken wollen , indem er sich der Kirchengüter ohne die Zustimmung des heiligen Vaters bemächtigte? Werden die Herren v. Rothschild die Unklugheit begehen, dieser Verantwortlichkeit zu trotzen, indem sie die Kirchengüter 'als Pfand annehmen? Die Bevölkerung erinnert sich nur zu gern der Beschwerdepuncte, welche sie hat oder zu haben glaubt, namentlich gegen Leute, die sie für sehr reich hält. Wir Juden in diesem glücklichen Frankreich, dem einzigen Lande, in welchem wir in Wahrheit keine Fremden sind, wollen durch unsere Hin- 22*