Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 21 (21.5.1867)
- Date
- 1867-05-21
- Page
- Seite 418 (sequence 10)
- Language
- German
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418 darauf nicht aufgegeben werden dürfe — so würde schon die oben angegebene Summe von circa 12000 Thlr. jährlichen Gehalts zu dem statutenmäßigen Beitrage von durchschnittlich 2 V2 °/o eine jährliche Einnahme von circa 300 Thlr. ergeben, womit sich schon mancher Noch abhelfen lasse. Einer wirklich bestehenden Kasse, die im engern Kreise segensreich wirkt, werde auch die vielbewährte Wohlthätigkeit sich nicht entziehen, viele Gemeinden seien zu Beiträgen bereit und dem begonnenen Werke werde die allseitige Theilnahme nicht fehlen. Er fordere demnach die Lehrer im vormaligen Königreich Hannover auf, nunmehr die längstprojectirte jüdische Lehrer-Wittwen- und Waisenkasse factisch ins Leben zu rufen und denjenigen Lehrer zu nennen, den sie in den Ausschuß wählen wollen. Die Herren, welche die relative Majorität der Stimmen erhalten, würden als provisorischer Ausschuß betrachtet und baldthunlichst zusammenberufen werden, um die Statuten festzustellen und die erforderliche regiminelle Genehmigung zu erwirken, sowie die sonst nöthigen Schritte zu thun. — Nach dem Empfange dieses Rundschreibens erließ jedoch Herr Lehrer Fleischhacker in Harburg als zeitiger Vorsitzender des Vereins der israelitischen Lehrer im ehemaligen Königreiche Hannover an seine Collegen ebenfalls ein Circular, in welchem er diese zu veranlassen sucht, sich theils mit der Abgabe ihres Votums, theils mit der Wahl zum Ausschüsse für die hannoversche Kasse nicht zu beeilen, und die diesjährige Generalversammlung auf den 12. Juni nach Hildesheim beruft, wo vor Allem eine Verständigung über die zu gründende Wittwen- resp. Unterstützungskasse — ob allgemein deutsche, ob hannoversche, ob Rheinland- Westphälische — erzielt und eine Berathung über etwaige gemeinsame Schritte, den Lehrern eine definitive Anstellung zu sichern, gepflogen werden soll. Ueber die Landrabbinatskasse zu Hannover veröffentlicht die Landdrostei eine Uebersicht für 1. Juli 1865/66, nach welcher die Einnahme betragen hat 2105 Thlr., worunter Beiträge der Gemeinden 1900 Thlr., die Ausgabe 2078 Thlr., darunter Gehalt des Landrabbiners und des Rechnungsführer 1080 Thlr., Unterhalt für Irre 186 Thlr. und Unterstützungen 700 Thlr. Der hiesigen Gemeinde steht demnächst ein sehr empfindlicher Verlust bevor, indem Herr Oberkommerzrath Simon im Herbste d. I. Hannover zu verlassen und seinen dauernden Wohnsitz in Wien zu nehmen gedenkt, was hier allgemein bedauert wird. Ein hier gebürtiger junger Mann israelitischen Glaubens, Capitän G. Jsenstein, wurde unlängst wegen seiner vielfachen Verdienste von dem Präsidenten der vereinigten Staaten von Nordamerika zum Postmeister in Clarksville ernannt, von dem Senate jedoch nicht bestätigt. Capitän Jsenstein, schreibt der Nashville Democrat, trat beim Ausbruche des Krieges im April 1861 in die Armee der Bereinigten Staaten als Freiwilliger ein, diente mit Auszeichnung während der drei Monatszeit als Gemeiner. Bei der Organisation des 15. Missouri-Regiments wurde er demselben als 2. Lieutenant zugetheilt und arbeitete sich bis zum Capitän hinauf. Nach der Schlacht bei Perrhville Ky. erhielt er die Ernennung zum Commissary of Subsistence an dem Stabe des Oberst Schäfer und machte als solcher die Schlacht bei Stone River mit. Obgleich er in seiner Stellung berechtigt war, sich hinter der Fronte zu halten, blieb er doch stets bei der Brigade und agitirte als Feldadjutant an dem denkwürdigen 31. Decbr. 1862, stets seine Kameraden durch Wort und That anfeuernd. Im August 1863 wurde er auf specielles Verlangen des Generals Sheridan zum Post- Quartiermeister in Cowan Station Tenn, ernannt und später erhielt er seine Commission als Asst.-Quartiermeister der Vo.-Armee. Dieser Position stand er mit Tüchtigkeit in Nashville vor und erwarb sich auch hier wiederum das Zutrauen seiner Vorgesetzten. Kurz vor seiner ehrenvollen Entlassung aus der Armee bekam er den Posten Clarksville angewiesen und kaufte sich gleichzeitig daselbst eine Farm, um den Staat Tennessee zu seiner neuen Heimath zu machen. Vom Präsidenten wegen seiner Verdienste in der Armee zum Postmeister ernannt, nahm er diesen Posten seit mehreren Monaten ein. Ob der loyale und principientreue (?) Senat der Bereinigten Staaten den jungen Mann in seinem neuen Amte nicht bestätigte, weil Capitän Jsenstein sich nicht mit der radikalen Umsturzpartei verbrüdern will oder weil er ein dutschman oder Jude ist, vermögen wir nicht zu beUrtheilen. Im landschaftlichen Collegium zu Celle wurde jüngst die Principienfrage, ob die Mittel der Landschaft auch zu Gunsten eines Stipendienbedürftigen Juden verwandt werden dürften, im Geiste der modernen Zeit zu Gunsten desselben entschieden. Meisenheim, 3. Mai. (Privatmitth.) Für die Verhältnisse der Juden in den annectirten Ländern scheint