Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 21 (21.5.1867)
- Date
- 1867-05-21
- Page
- Seite 417 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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417 Franfurt a/Main, 1 o Mai. Die öffentlichen Blätter bringen folgende Trauerkunde: Gestern Mittag verschied nach viermonatlichen Leiden der Direktor der israelitischen Realschule Dr. Sigismund Stern. Seine hervorragende pädagogische Bedeutung gereichte nicht nur der Anstalt, welcher er zwölf Jahre Vorstand, zu nachhaltiger Förderung, auch in den weitesten Lehrerkreisen wirkte er anregend durch Wort und Schrift. Durch das Vertrauen seiner Mitbürger in manches öffentliche Ehrenamt berufen, hat er auch über die Schule hinaus, besonders als mehrjähriges Mitglied der gesetzgebenden Versammlung eine segensreiche Thatigkeit entfaltet. (Wir hoffen, in d. Bl. bald einen ausführlichen Nekrolog geben zu können. Hier sei nur bemerkt, daß der Verstorbene und sein älterer Bruder, Herr Dr. med. Stern, zu gleicher Zeitmit uns in Berlin stlldirten. Der Verstorbene lag den philologischen Studien ob. Später übernahm er die Pensions- und Schulanstalt des sel. Dr. Jost in Berlin, als dieser an die israelitische Realschule in Frankfurt berufen ward. Doch gab Dr. St. jene Anstalt nach einigen Jahren auf. Seine Vorlesungen über das Judenthum brachten die Bewegung in Berlin hervor, welche zu der Gründung der jüdischen Reformgemeinde in Berlin führte, deren Seele uub Leiter er war. Vor zwölf Jahren ward er zum Dirigenten der ged. Schule in Frankfurt gewählt, wo er ebenfalls durch Vorlesungen namentlich über deutsche Litteratur, sich bald hohes Ansehen erwarb. Er gehörte auch längere Zeit dem Vorstande des allgemeinen deutschen Lehrervereins an. Dr. Stern zeichnete sich in seiner Erscheinung wie in seinem Styl durch eine gewisse Eleganz und Feinheit aus, die ihm sehr rasch die Neigung und Achtung jedes gebildeten Sinnes zuwandte. Er hatte wohl noch nicht die Mitte der Fünfziger erreicht. Red. d A. Z. d. I.) Hannover, 30. April. (Privatmitth.) Der hiesige Landrabbiner hat vor Kurzem, zugleich im Aufträge seiner Collegen zu Hildesheim und Emden, an die Lehrer der Synagogengemeinden im vormaligen Königreich Hannover ein Circular erlassen, in welchem er denselben mittheilt, daß sich für den bereits in einem frühern Ausschreiben dargelegten Zweck, eine jüdische Lehrer-Wittwen- und Waisenkasse zu bilden, die lebhafteste Theilnahme. gezeigt und die überwiegende Mehrzahl der Lehrer sich zum Beitritte bereit erklärt habe. Am 1. Oktober 1865 waren bei angeblich 146 Stellen im Lande 59 Vacanzen, theilweise aus Mangel an Lehrern, größtentheils aber loeil die Stellen zu klein und nur nominell sind, so daß faetisch nur circa 160 Stellen gerechnet werden können. Von den angestellten 81 Lehrern waren 36 verheirathet, mit einem Gehalte von angeblich 16,600 Thlr.; 6 waren nicht näher angeben, 39 unverheirathet mit 7670 Thlr. Gehalt. Davon haben 26 verheirathete mit 7866 Thlr. und 22 unverheirathete mit 4825 Thlr. ihren Beitritt erklärt; 6 verheirathete mit circa 1900 Thlr. und 12 unverheirathete mit circa 2000 Thlr. haben es unbestimmt gelassen und nur 4 verheirathete mit 852 Thlr. und 5 unverheirathete mit 860 Thlr. haben den Beitritt bestimmt verweigert. Die inzwischen eingetretenen Verhältnisse hätten eine Weiterförderung der Angelegenheit bis jetzt nicht zugelassen und trete überall die Frage an uns heran, ob die Begründung einer eigenen Lehrer- Wittwenkasse für den Bereich des ehemaligen Königreichs Hannover noch thunlich und räthlich sei, oder ob ein allgemeiner Anschluß an einen andern Verein sich empfehle. Was den s. g. Klingenstein'schen betrifft, so hätten die Lehrer selbst sich größtentheils dagegen erklärt; auch dürfte derselbe, schon der weiten Entfernung wegen, nicht für uns geeignet sein und sei der Landrabbiner der Ansicht, daß die Wirksamkeit und Nützlichkeit eines solchen Vereins, mit seiner räumlichen Ausdehnung über eine gewisse Grenze hinaus nicht zu sondern abnehme, da es dabei doch nicht allein auf die Geldmittel, sondern auf die persönliche Kenntniß der Verhältnisse bei der verwaltenden Behörde ankomme. Das sei denn auch der wesentliche Grund, weßhalb er das freundliche Anerbieten des Vorstandes der Unterstützungskasse des Vereins israelitischer Elementarlehrer für Westphalen und Rheinprovinz, auch die diesseitigen Lehrer auszunehmen und die Statuten entsprechend zu ändern, seinerseits nicht befürworten könne. Dazu komme, daß an dieser Unterstützungskasse die Religionslehrer sich nicht betheiligen können, und wenn das auch geändert würde, so liegen doch die Verhältnisse der jüdischen Lehrer bis jetzt hier in sofern besser, als die meisten definitiv angestellt sind und das Verhältniß der unverheiratheten zu den verheiratheten hier ein sehr günstiges ist. Die Lebensfähigkeit der projectirten Wittwenkasse dürfte nicht zu bezweifeln sein. Wenn auch der früher in Aussicht stehende Beitrag des Staates wegfallen sollte — obgleich die Hoffnung 22