Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 21 (21.5.1867)
- Date
- 1867-05-21
- Page
- Seite 419 (sequence 11)
- Language
- German
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419 es nicht uninteressant zu sein, daß bei dem Uebergange der Regierung unseres Ländchens an Preußen der hiesige Landrabbiner, Herr Latzar, im Aufträge des königl. Civilcommissarins vom Landrath wie die anderen Staatsbeamten vereidigt worden ist. Es scheint also, daß vorerst in den neu erworbenen Ländern die jüdischen Verhältnisse in statu quo erhalten werden sollen. Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien, 2. Mai. Die hiesige „Presse" schreibt: Dieser Tage hat sich in Wien ein Comits gebildet, um in Angelegenheit der Geldsammlungen für die armen Inden Palästinas definitive Ordnung zu schaffen. Nach der bisherigen Gepflogenheit erschienen alle 2—3 Jahre eigene „Beglaubigte" aus Palästina, welche auf ihrer Rundreise durch Europa die in den Synagogen — in eigenen Opferstöcken — für Palästina niedergelegten Spenden übernahmen. Diese Gelder wurden nach Abzug von dreißig Percent, welche die „Beglaubigten" für Reisespesen und ihre Bemühung erhielten, dem Ober-Rabbi von Jerusalem (Chacham-Pascha) übergeben, der eine Art von Patriarchen, vom Sultan ernannt, und mit der Jurisdiction über die palästinensischen Juden und der Vertheilung aller für dieselben dahin gelangten Gelder betraut ist. Die Vertheilung wurde bisher von dem Chacham-Pascha, nach Abzug weiterer 30 Percent für sich und sein Synhedrion lRabbinats-Collegium). — da sie keinen Gehalt beziehen, steht ihnen gesetzlich dieser Antheil an den Unterstützungen zu — nach der Kopfzahl, ohne Rücksicht auf die Vermögens-Verhältnisse der einzelnen Gemeinden vorgenommen, wodurch die auf die Einzelnen entfallenden Beträge oft im grellsten Mißverhältnisse zu einander standen. Diesem Uebelstande soll nun dadurch abgeholfen werden, daß in den Gemeinden Vertrauensmänner das Einsammeln der Spenden übernehmen, und die gesammelten Gelder dem Central-Comite in Wien übermachen, welches nach genauen statistischen Erhebungen in Palästina unter Intervention des Consulats, die Vertheilung nach Maßgabe der wirklichen Bedürftigkeit einzuleiten und zu überwachen hätte. (Wir wollen wünschen, daß dies ausführbar und von guten Erfolgen begleitet sei. Vielleicht ist es möglich, in Jerusalem damit durchzudringen, wenn es von einer größern'Gesammtheit ausgeht, oder weil die Zeiten doch etwas anders geworden. Als wir vor 20 Jahren ergiebige Sammlungen für die Armen Jerusalems angestellt hatten und in gleicher Weise verfahren wollten, wiesen es die dortigen Juden ab; wir mußten auf Umwegen das Geld vertheilen lassen, hielten uns aber von der Zeit von jeder diesfallsigen Sammlung zurück. Red. d. A. Z. d. I.) Neu-Verbüß, 22. April. (Privatmitth.) Der Deputate August Trefort, eine der Capacitäten der Landtagsmajorität, durch seinen vor einigen Jahren in der ungarischen Akademie der Wissenschaften gehaltenen judengehässigen Vorrrag bei unseren Glaubensgenossen bisher übel angeschrieben, hielt vor wenigen Tagen im Stadthause zu Gyoma an seine Wähler eine längere Ansprache, in welcher auch folgende, auf die Judenemancipation Bezug habende Stelle vorkömmt, die das rechtssinnige und anerkeunenswerthe Gcständniß enthält, daß sein früherer diesbezüglicher Standpunkt nun bereits ein unhaltbarer sei. Der gedachte Passus lautete also: „Ich wünsche, daß die Regierung in der dritten Periode des Reichstages, nach der Krönung Sr. Majestät, wenn wir zur Gesetzeskreirung einberufen sein werden, die Initiative ergreife, um einen odiösen Zustand zu beseitigen, der unserm Vaterlande in der öffentlichen Meinung Curopa's nicht wenig schadet, weil er ein Ueberbleibsel der Unduldsamkeit, ein Gegensatz zu jener Humanität ist, auf welche unsere Zeit stolz ist, und weil er Lügen straft jenen Freiheitssinn des ungarischen Volkes, dessen wir uns mit Recht rühmen können; ich meine den rechtlosen Zustand der Juden.' Es ist nicht meine Gewohnheit, Jemandem Weihrauch zu streuen, oft habe ich große Wahrheiten rund herausgesagt und mich Verfolgungen ausgesetzt. Ich habe einmal von den Fehlern des jüdischen Volkes gesprochen und mir Unannehmlichkeit verursacht. Aber eben darum bin ich berechtigt, jetzt geradezu auszusprechen, daß über die bürgerliche und politische Gleichberechtigung der Juden nicht mehr diskutirt unv dieselbe nicht mehr aufgeschoben werden darf. Rechte dürfen nicht mit zweierlei Maß gemessen werden. Im feudalen Ungarn, wie es bis 1848 bestand, konnte es rechtlose Volksklassen geben. Das constitutionelle Ungarn, der Rechtsstaat, darf .bürgerliche und politische 21*