Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 21 (21.5.1867)
- Date
- 1867-05-21
- Page
- Seite 416 (sequence 8)
- Language
- German
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m fapt als Jüngling aus England nach den Niederlandenwar später durch die engsten Beziehungen mit einer der achtbarsten Familien Amsterdams verbunden, und ging vor länger als einem Decennium in den Schooß der katholischen Kirche ein. Die böse Fama breitet manche trübe Wolke über die Motive zu diesem Uebertritt; indessen Privatoerhältniffe, zumal solche, die in das Familienleben eingreifen, gehören nicht zu dem Bereiche dieser Skizzen. Für das Judenthum ist das Scheiden Lipman's aus der Gemeinschaft nicht von mehr Bedeutung, als das eines bandloopers (Landläufers), der .den taufsüchtigen Commis-voyageurs der Bibelgesellschaften als Beute zufällt. Soviel steht fest, daß dieser Mann nach feiner Taufe in der Achtung von Seiten seiner Mitbürger christlichen Bekenntnisses nicht gestiegen ist; trotzdem er eine mit Noten versehene Uebersetzung des neuen Testaments, veröffentlicht hat, und jeden Morgen mit dem Meßbuche in der Hand zur Kirche gehen soll. Während die Juden Godefroi und van Nierop (vergl. Sk. II), Ersterer in seinem Portefeuille als Minister, Beide in ihren Mandaten als Mitglieder der zweiten Kammer, sprechende Zeugnisse hohen Vertrauens und allgemeiner Achtung sehen, hat der getaufte Jude Lipman nie eine ähnliche Stellung erlangt. Jsaac Da Costa hingegen ist ein ganz anderer Charakter. Vielleicht wäre er bei anderer Erziehung, anderen Jugendeindrücken und in Folge dessen bei gründlicher Erkenntniß des Geistes, den die Lehre Jsrael's einschließt, der Religion der Väter treu geblieben. Sein Charakter ist von jedem Verdachte frei, als hätte er dem Judenthume entsagt, um irgend eines irdischen Zieles willen, und dieser Umstand berechtigt mit zu der eben ausgesprochenen Vermnthung. Er ist der Sohn reicher, portugiesischer Eltern zu Amsterdam; kam in zartem Jünglingsalter in vertraute und dauernde Beziehung zu dem größten holl. Dichter, zu Bilderdijkdessen treuester und begabtester Jünger und Nachahmer et. wurde. Er studirte zu Leyden die Rechte, und ward vr. jur. Während seiner Studienzeit blieb er in stetem innigem Umgänge mit dem ebenfalls zu Leyden weilenden Meister. Da Costa ging zur protestantischen Kirche über, und schlug die schwärmerisch-pietistische Richtung ein. Auch hierin zeigte er sich als einen treuen Jünger Bilderdijk's. In allen dichterischen Schöpfungen Da Costa's liegt Gluth und Ueberschwänglichkeit, innerer Kampf, Ringen und Durst nach Wahrheit; zugleich verrathen sie aber die Herrschaft einer reichen Phantasie und einer Fülle des l Gemüths, die despotisch das Scepter über de» sichtenden. . Verstand und den forschenden Geist schwingen. Diese ' Momente sind geeignet den Weg und die Richtung zubegreifen, die Da Costa verfolgte. Aber mit dieser Richtung strahlt aus vielen seiner, gluthvollsten Gedichte eine Anhänglichkeit und Achtung für das Judenthum, ein warmes Interesse für dessen Vergangenheit. Dasselbe geht auch hervor aus dem „Leben Bilderdijk's" von Da Costa (Band 16. der durch Da Costa besorgten Ausgabe sänuntlicher Werke Bilderdijks, S. 274 ff.). Der Titel dieser Biographie ist: ve inensoli so de dichter, Willem Bilderdijk, eene bijdragc tot de kennis van zijn leven, karakter en Schriften, Haarlem 1859). — Und so wären denn die Reihen Jsrael's an uns vorübergezogen in ihren mannigfachen Waffengattungen; mit ihren Kampfgeübten und Tironen, mit ihren Muthigen und Schwachen, mit ihren Gesunden und Invaliden, mit ihren Vorkämpfern und Nachzüglern. Wir wollen nun, zur näheren Beweisführung des Gesagten, Einiges berichten, woraus das Maaß der Begeisterung für das Judenthum erkannt werden soll, die sich dann kundgiebt, wenn zuweilen ein herausforderndes Signal dazu veranlaßt. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Berlin, 28. April. Noch eine neue Synagoge in Berlin ist im Werden begriffen. Eine Anzahl sehr reicher Mitglieder der hiesigen jüdischen- Gemeinde, (welche gegen die Reformen der Synagoge: im der Orai nienburgerstraße vergeblich Front gemacht hatten, sind (zusammengetreten, um aus eigenen Mitteln eine sich im Wesentlichen an den strenggläubigen Ritus anschließende Synagoge zu bauen. An Mitteln soll es (nicht fehlen und eine Summe von. 160,000 Thlr. be- (reits aufgebracht sein. 1 j Berlin, 6. Mai. Der hiesige Vorstand hat sich für die Wahl Br. Geigers zum Rabbiner ausgesprochen. — Die Errichtung einer neuen-, orthodoxen (Gemeinde ist ----- eine Erfindung.