Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 20 (14.5.1867)
- Date
- 1867-05-14
- Page
- Seite 406 (sequence 18)
- Language
- German
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406 „auf dem Glacis mißhandelt worden, wird hiermit ie- „kannt gemacht, daß gedachte Soldaten schuldig befmr- „den wurden, durch UnachtsainkeiL die N-Mnens des Se- ,Mks erlassene Ordonnanz übertreten zu haben, die „bestehlt, daß die französischen Juden frei über die „öffentlichen Promenaden gehen können, und daß die „genannten Soldaten sowohl als ein fremder Bedien- „ter, der ihnen behülflich war, deshalb zu der ver- „dienten Strafe verurtheilt worden sind." „Zu Frankfurt, den 28. September 1806." „Im Aufträge des Bürgermeisters." Hierauf erkannte Picard auf der Straße einen Bürger, der ihn auf dem Spaziergange am 27. September geschlagen hatte. Diesen faßte er, brachte ihn, ohne das Gewühl auf den Straßen zu beachten, nach der französischen Wache, wo er zu derselben Strafe verurtheilt wurde, die die Soldaten erleiden mußten. Der Fürst-Primas gab nach diesen Vorfällen sofort dem Magistrate seinen Wunsch zu erkennen, daß den Frankfurter Juden die öffentlichen Spazierwege freigestellt werden mögen. Diesem Verlangen wurde Folge gegeben, und demgemäß wurde, wieder einen Tag später, in einer der Frankfurter Zeitungen bekannt gemacht: „Da fortan sowohl für die Juden als für Jeg- „lichen, welcher sich nicht unanständig beträgt, die öffentlichen Spazierwege auf den Wällen und in der „Stadt offen stehen, so wird dies hiedurch zur Nach- „richt bekannt gemacht." „Frankfurt, den 29. September 1806." „Die Stadtkanzlei." Der Vorstand der jüdischen Gemeinde zu Frankfurt wurde auch vor die städtische Regierung geladen, um officielle Kenntniß zu empfangen von dem vorstehenden Beschlüsse. Es wurde ihm hierbei bemerkt, „daß der Fürst-Primas es so befohlen hätte." Der Vorstand hielt es für seine Pflicht, dem Fürsten hierfür seinen Dank zu bezeigen, und suchte deshalb noch an demselben Tage behufs dessen eine Audienz nach, die er auch erlangte. Der Fürst-Primas empfing den Vorstand auf die freundlichste Weise, und nachdem er den Dank für das Hinwegräumen der Erniedrigung, die so lange die jüdische Gemeinde in den Staub gebeugt hielt, entgegengenommen, eröffnete er den Vertretern der Gemeinde: „daß die Juden zu Frankfurt das Bürgerrecht erlangt hätten und sie ebenso gute Behandlung genießen sollten, wie ihre Glaubensgenossen in Frankreich und Holland." In Folge dessen hörte auch die Beschränkung für die Juden zu Frankfurt, nur in der Judengasse zu wohnen, auf. Correspondenz. Jerusalem, I.März 1867. Da eben drei Monate verflossen sind, seitdem mir die Ehre zu Theil wurde, mit der Leitung des durch Munificenz der edlen Familie Rothschild gegründeten Hospitales und der damit in Verbindung stehenden Wvhlthätigkeitsansmlken betraut zuwerden t halte ich K als Pflicht durch Veröffentlichung dHÄ MriHts', vM den ärztlichen Leistungen sowohl als SM Len SdmkliDatiMl Angelegenheiten der übrigen Anstalten, Rechenschaft zu geben. Am 9. Deccmber 1866 übernahm ich sämmtliche Anstalten — das Hospital, die Direktion der Handwerks¬ und Mädchenschule, die Oberaufsicht über Bertheilung von Brvd und Wöchnerinnenwäsche — von dem bis zu der Zeit wirkenden provisorischen Verwaltungscomits. In derselben Zeit waren im Hospitale verblieben: 15 Kranke (8 Männer und 7 Weiber). *j Der Beschäftigung nach waren: Lehrer I, Schneider 1, Schuhmacher 2, Taglöhner 4, Handarbeiterinnen 4, ohne Beschäftigung 3. Die Anzahl der vom 9. December 1866 bis l. März 1867 im Hospitale verpflegten Kranken betrug 84, und zwar 44 Männer und 40 Weiber. Der Beschäftigung nach waren vom: Lehrstanve 1, Schneider 5, Schuhmacher 2, Taglöhner 4, Handarbeiterinnen 8, ohne Besch äftigung >3. — Kaufleute 15, Tischler 2, Maurer 2, Rabbinerswittwen 2, Wärterinnen 2, Köchinnen 3, ohne Beschäftigung 25. Bon diesen Kranken wurden geheilt entlassen 38 Männer und 30 Weiber 68. Gestorben 1 Mann an Tnberculose und 1 Weib an Dysenterie. In Behandlung verblieben 6 Männer und 8 Weiber. Dem Geburtsorte nach waren aus: Jerusalem 13 Kranke, Hebron 1, Saphet 1, Türkei 11, Rußland 36, Polen 5, Oesterreich 2, Preußen 1, Moldau-Wallachei 6, Algier I, Marokko 6. Es wurden aber außer den im Spitale verpflegten israelitischen Kranken auch Ambulanten — ohne Unterschied der Cvnfession — gratis behandelt und mit Arzneien unentgeltlich versehen. — So habe ich vom 9. December 1866 bis l. März 1867 — 1930 Kranken (1008 Israeliten, 311 Christen, 61 > Türken) theils in der Ambulance, theils in ihren Wohnungen unentgeltlich ärztliche Behandlung ertheilt und Medicamente verabfolgt. Aus dem Stande der Krankheitsformen ist ersichtlich, daß das größte Contingent der Patienten das leider hier epidemisch herrschende Fieber lieferte. Ich stellte mir deshalb zur Aufgabe, die wichtigsten hier vorhandenen ätiologischen Momente des Fiebers zu erforschen und womöglich mir einen klaren Aufschluß darüber zu verschaffen. *) Im Folgenden zählt der Herr Berichterstatter dieKrankheitssormen und bespricht die ärztlichen Behandlungsweisen, die er eingeschlagen. Da dies nur für Aerzte interessant und verständlich ist, übergehen wir das, mit Ausnahme dessen, was er über das Fieber sagt. Rcdaction.