Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 20 (14.5.1867)
- Date
- 1867-05-14
- Page
- Seite 400 (sequence 12)
- Language
- German
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400 ProHniH, 15. April. lPrivatmitth.) Die hiesige israelitische Gemeinde hatte heute eine Ausschußsitzung, deren Tagesordnung: „Besprechung herabgelangter Bescheide/' nur ein Vorwand war. Der eigentliche Gegenstand sollte die Auflösung der israelitischen Hauptschule sein, die von den Gegnern derselben schon vor der Sitzung beschlossen wurde. Die letzteren, im Ausschüsse in der Majorität, 12 Stimmmen gegen die Minorität von 7 Stimmen, setzten ihren Antrag trotz Verwahrungen der Minorität, welche die Verantwortung für diesen Beschluß der Majorität überließ, durch, lind zwar in einem Tumulte, der lebhaft an die Scenen des böhmischen Landtags erinnerte. Der Vorsitzende, Bürgermeister Zweig Salomon, konnte die Debatte nicht in den gehörigen Schranken halten. Die Auflösung der Schule hat natürlich bei den Gebildeten die größte Entrüstung hcrvorgebracht. Alan gibt sich in schulfreundlichen Kreisen der Hoffnung hin, daß dieser Beschluß von der Behörde sistirt werden wird. Lundenburg, im März. lPrivatmitth.) Lundenburg, an der Grenze Oesterreichs und, Ungarns, gehört zu jenen Städten Mährens, in welchen die Pulse des geschäftlichen Lebens rege und kräftig schlagen, und in Folge dessen auch die finanziellen, sozialen und cultuellen Zustände recht freundliche Mienen zeigen. In der That gehört der größte Theil der Einwohnerschaft der luiutv tiinlnce an, und begegnet man auch hier nicht der hungernden und verarmten Familien so vielen, wie dies leider im heurigen Jahre in den von Mißwachs, Krieg und Pest hcimgesuchten Gegenden in schauererregender Weise der Fall ist, obwohl auch da die erzürnten Götter furchtbar ihre Geisel geschwungen haben. — Der Verkehr mit unfern christlichen Brüdern ist ein freundschaftlicher und geselliger, ja man könnte sagen ein intimer, und lassen diese auch keine Gelegenheit vorübergehen, uns ihre Sympathien zu erkennen zu geben. Dieses Frcundschaftsbündniß bewährte sich namentlich in der eben verflossenen, für unser theures Vaterland so unheilvollen Periode. Ich hatte dieser Tage Gelegenheit, einen Einblick in die Acten des christlichen Ortsvorstandes zu thun; da gewahrte ich zu meiner nicht geringen Freude, daß unser allgemein verehrter Herr Rabb. Dr. Müller, dem schon einmal eine allerhöchste Belobung zu theil geworden, abermals allerhöchsten Orts zur Auszeichnung vorgeschlagen ist. Hören wir, wie sich der Ortsvorstand im Gesuche über den Herrn Rabbiner ausspricht: „ve. Müller, Rabbiner, Inhaber der Hohenzollerschen Medaille, hat sich während der feindlichen Invasion und vor derselben unbestreitbare Verdienste um Thron und Vaterland erworben, indem er bei der für Staats - zwecke veranstalteten Collekte mit dem edlen Bespiele der Freigebigkeit voranging, und so zum Opfermuthe aneiferte; indem er durch sein begeistertes Wort die Einwohner zum Patriotismus, zum Muthe und zur Ausdauer in den Tagen der Bedränguiß ermunterte uud entflammte! Am Tage der höchsten Noth, cs wurde nämlich allgemein eine Plünderung von Seite des Feindes befürchtet, war er cs, welcher einer Deputation als Führer und Sprecher bei dem General v. Blumenthal diente, worauf alsogleich eine aus 12 Mann bestehende Militärpatrouille zur Handhabung der Ordnung und zum Schutze des Privateigcnthunts beordert wurde, und so unsere Stadt von einem unberechenbaren Verluste verschont blieb." Solche Worte bedürfen wohl keines Commentars, sie sprechen für sich selbst. Unsere cultuellen Angelegenheiten sind in umsichtige und energische Hände gelegt, und unser Schoßkind, die Schule, erfreut sich der sorgsamen Pflege gesinnungstüchtiger und berufseifriger Lehrer. Großbritannien. London, 10. April. In Folge der durch Sir Francis Goldsmid vcranlaßtcn Verhandlung im Parlament über die Lage der Juden in Serbien hat der Minister des Auswärtigen, Lord Stanley, an den englischen Gesandten in Konstantinopel folgende Depesche gesandt: „Der Fürst von Serbien wird in Kurzem in Constantinopel eintreffen, und Ew. Excellenz wird diese Gelegenheit benutzen, um Seiner Hoheit den peinlichen Eindruck zu schildern, welchen die alleinige Erwähnung der den serbischen Juden zugefügten Leiden auf das britische Parlament hervorgebracht hat, einen Eindruck, der sich jedenfalls noch verstärken wiro durch das Lesen der Einzelheiten, welche der Agent Ihrer Majestät in Serbien beschrieben hat und welche jetzt dem Parlament vorgelcgt werden. Sie werden dem Fürsten sagen, daß die Unterstützung bei der Pforte, welche Sie von der Regierung Ihrer britischen Majestät ihm in Bezug auf die Festung Belgrad zu leisten autorisirt lvorden sind, dieser