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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-05-14 · Heft 20 (14.5.1867) · p. Seite 399

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 20 (14.5.1867)
Date
1867-05-14
Page
Seite 399 (sequence 11)
Language
German
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399 Aus dem Tokayergebirge, im April. (Privatmitth.) Unter den Deputationen, welche in jüngster Zeit bei dem Minister für Ciiltns und Unterricht, Baron Josef v. Eötvös Audienz hatten, nennen die öffentlichen Blätter Oberrabbi Or. Meisel, Oberrabbi Hirsch in Altofen, die Präparandenlehrcr der Landespräparandie unter der Führung des Direktors A. Lederer. Bei sämmtlichen Deputationen geruhte Seine Excellenz, sich angelegentlichst nach dein Stand der jüdischen Schulen des Landes zu erkundigen, ja bei der Deputation der Präparandie hob der Minister die Opfer- Willigkeit der Israeliten, ihre Liebe zum Schillwesen und die hierdurch bedingte Intelligenz derselben hervor; ob wohl der edle Baron bei dieser Gelegenheit auch an Oberungarn dachte, wo das Schulwesen seinem Tiechthmn nahe ist, bezweifeln wir uin so mehr, da seit dem Bach'schen Regime weder im Jahre 1861, noch heute das geringste für das Aufblühen des Bolksschnlwesens geschehen ist. Nor uns liegt ein statistischer Ausweis über das Gymnasial- und Neälschulwesen Ungarns, hiernach fallen von den 30606 Gymnasialschülern i 6000 auf Katholiken, mehr den 10000 auf Protestanten und kaum 1800 auf Juden, eine Zahl, die bei der bedeutenden jüdischen Bevölkerung eilte geringe genannt werden muß.*) Ueber den Stand des Bolköschulwesens schweigen die statistischen Tabellen gänzlich, nachdem, wie es iu jenem Ausweis heißt, „die geistlichen Behörden, in deren Händen die Zusammenstellung dieser Daten ruht, sich weniger einer wahrheitsgetreuen und verlässlichen Darstellung befleißigen, als vielmehr einer absichtlichen Fälschung, um die Unterrichtsverhältnisse der verschiedenen Sprengel in mögiichst rosiger Beleuchtung zu zeigen." In Ober Ungarn ist die Zahl der schulbesuchcnden Kinder sowohl bei Christen als Juden sehr gering und sind die Mehrzahl der unter dem Bach'schen Regime gegründeten Lehrau stalten aus prinzipiellem Widerwillen cingegangen. Auf journalistischem Gebiete ist man bei uns recht emsig, und sei hier vor allem auf die „Jüdischen Charakterbilder"vonM.Ehrentheil >Pest,Lampel, 1867) aufmerksam gemacht. Unser College ist entschlossen unter' diesem Titel eine Reihe von Biographien *) Dies finden wir nicht, da bei 1800 von 30,000 der 17. Schüler ein Jude ist, nach unserm Wissen aber erst der 25. Mensch in Ungarn ein Jude ist (350,000 unter 9 Millionen). Redakt. und Lebensskizzen jener Koryphäen unseres Volkes zur anschaulichen Darstellung zu bringen, die auf die Gestaltung des JudenthumS, namentlich in der jüngsten Vergangenheit und der Gegenwart, in irgend, einer Weise wesentlich eingewirkt und dasselbe nach alter oder neuer Richtung hin würdig repräsentirt haben. Die uns vorliegende Sammlung zeichnet sich durch eine seltene Klarheit im Ausdrucke, durch eine Wärme des zu behandelnden Materials ans, und wenn wir auch manchen Ausdruck bei Gelegenheit der Rabbi Akiba Cger'schen Biographie anders geivünfcht hätten, so können wir doch von Herzen diese v vrzügl iche Sammlung auf das wärmste empfehlen, und wünschen wir dein thätigen Herausgeber schon deßbalb eine recht loarme Theilnahme, damit das Werk fortgesetzt werde. — In der Provinz gestalten sich unsere Verhältnisse leider nicht besser. Ursache ist die Aufschiebung der Cmanciparion, und da glaubt jeder ein Recht zu haben, Stiche zu versetzen. So wird im „Maramaros einem in Sziget erscheinenden Journale, bei Gelegenheit der Besprechung des Satzverkaufes der Jude beschuldigt, daß er die Salzbeamten besteche und so dazu beitrage, daß das Salz tun ein Bedeutendes steige. Wohl nimmt sich ein in Pest erscheinendes Journal, die „Hungaria," der Inden mit Wärme au, doch sollte nach unserer Ansicht ein für atlcmal eine totale Reform auf s chu lm ä n n i s eh e m Gebiete in Oberungarn erfolgen, damit die Scheideivand zwischen Christ und Jude falle und nichtssagende Dinge, wie der Salzvcrkauf, nicht hervorgesucht werden können, um die Landbevölkerung in eine gefährliche Aufregung zu versetzen. — In Kaschan verlassen die Chassidäer die Stadt, nachdem, wie wir vernehmen, die hohe Regierung einen Winkelgottesdienst ein für allemal nicht dnlden will. Diesmal aber sind die Flüchtlinge, von denen sich einige nach S. A. Ujhely begeben haben, aschkenasische Chassidim, die den Chortcmpel nicht dulden wollen und damit umgingen, in der alten Synagoge ein aschkenasisch-orthodopes Minjan neben dem Gottesdienst im Chortempel aufrecht zu erhalten. Wie wir vernehmen, hat Herr Dr. Zipser ans Rech - nitz Aussicht, nach Kaschan als Oberrabbi berufen zu werden. Möge cs dem Manne gelingen, die Finsterniß zu verscheuchen, wenn wir „Licht" auch nicht so bald zu Hoffen berechtigt sind. Oberlehrer I. Nosenmeher. 20*

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