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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-05-14 · Heft 20 (14.5.1867) · p. Seite 398

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 20 (14.5.1867)
Date
1867-05-14
Page
Seite 398 (sequence 10)
Language
German
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398 beschämen, die für die politische Ausschließung der Israeliten noch immer sympathisiren." Wie süß doch die Herren sein können! Wir lasen ähnliche Schreiben von Kandidaten znm Reichstage an jüdische Dorfbewohner, doch kaum gewählt, vergaßen sie uns. Wir sind gewiß, daß die Israeliten dieser Stadt sich für Szentkirnlhi interessiren werden, jedoch lanm als Bürgermeister gewählt, wird er der Inden, „da keine Zeit", vergessen. <?!) Pest, 18. April. Ans denn, vom Borstande der hiesigen Gemeinde ans die Aufforderung des EultiiS- und Unterrichtsministers eingcreichten Memorandum heben wür folgende Stellen hervor: Ew. Exeellenz! Indem wir, der gnädigen Aufforderung Ew. Exeellenz nachkommend, im Begriffe find, uns über die Wünsche der ungarischen Inden ansznsprechen, glauben wir, daß die Aufforderung Ew. Exeellenz sich nicht ans jene Verhältnisse beziehen kann, deren Regelung gewöhnlich mit dem Nainen Emaneipation bezeichnet zu werden pflegt. Unsere Ueberzengnng ist es, daß wir als Inden auf die Frage, ob die bürgerliche Freiheit anfhören soll, ein Vorrecht privilegirter Konfessionen zu sein, — nichts zu sagen haben. Dies ist Sache des Rindes und der Ration, deren Wohl durch die Erfüllung dieser unabweisbaren Forderung des Fortschrittes gefördert wird; demzufolge ist die Lösung dieser Frage Aufgabe der nationalen Gesetzgebung, Nur aber fühlen uns nicht berufen, diesbezüglich bittend oder klagend dazwischen zu treten. *) Wir werden daher nicht von den Rechten und Interessen einzelner Glaubensgenossen sprechen, sondern von der rechtlichen Stellung und den allgemeinen K»ltnrinteressen unserer ganzen Glaubensgenossenschaft, deren glückliche Regelung die unumgängliche Grundbedingung des Gedeihens aller Gemeindeinstikntionen bildet. Bei jeden: Momente unseres Gemeindelebens — heißt es im weiteren Verlause — empfinden wir mit *) Wir halten diese Aenßernng wenigstens in ihrer Form für sehr gezwungen. Blau konnte sagen, daß die Forderungen der Gleichberechtigung in einem Schreiben an den Cultus und Unterrichtsminister nicht am Platze sei; aber ansznsprechen, da.ß eö dem Inden nicht zustehe, sei» Recht zu fordern, kann nur irrig sein, weil es.durch so viele Schriften und Schritte unserer besten Glaubensgenossen widerlegt wird. Bedauern den Mangel an Statuten, die sowohl das Verhältniß der Religionsgcmeinden zur Staatsgewalt, wie auch das Maß des den einzelnen Mitgliedern znstehenden berechtigten Einflusses auf die Gemeindeangelegenheiten und auf die Wahl ihrer Vorstände, sowie endlich die Rechte der Rabbiner, Lehrer und anderer Glanbensbcamten präzis bestimmen würden. Dieser Mangel giebt Anlaß zu zahlreichen Mißbräuchen, und bietet bald den unteren Staatsbehörden, bald einzelnen eigenmächtigen Gemeindegliedern weiten Spielraun: zur Willkür. Nachden: noch hervorgehoben wird, welch ein Uebelstaud es ist, daß keine israelitische Körperschaft existirt, welche berechtigt wäre in vorkomtneuden Angelegenheiten der Glaubeusgenossenschaft unparteiische, vertrauenswürdige Aufklärung der Negierung im Namen der Religivnö geineiudcn zu geben, und wie selbst die Negierung häufig sich bemüßigt gesehen Hat, die Meinung israelitischer Vertrauensmänner — die aber doch nur als einzelne Männer sprechen konnten — einznholen, schließt das Meinorandum mit folgender Erklärung: „Wir mußten uns darauf beschränken, das Klägliche des jetzigen Zustandes und die Nothwendigkeit einer raschen und gründlichen Heilung nachzinvcisen. Wie aber die ungarischer: Israeliten diese Heilung bewerkstelligen wollen? auf diese Frage wird nur eine Bersannnlung von gewählten Repräsentanten sämmtlichcr Religionsgemeinden zu antworten berechtigt sein. Darun: ist es unsere achtungsvolle Bitte, daß Ew. Exeellenz geruhen wolle, solch eine Versammlung cinzubernfei:, welche mit der Organisirnng einer allgemeinen Landesgemeinde und einer Centralvertretung den Grund zu einem neuen Systen: und einer von diesen: erwarteten besserer: Zukunft legen könne. Wir halten dies für um so nochwendiger, als auch bis 1848, so oft es sich um Gegenstände handelte, welche stimmt liehe Religionsgemeinden berührten, die Abhaltung solcher Landesversammlungen üblich war, und wir ein Umgehen dieser alten Gepflogenheit auch jetzt nicht motiviren könnten." Die Idee einer israelitischen Landcssynode stiurmt, H'ic der „Magyar Jzraelita" berichtet, mit den Intentionen des Ministers vollkommen überein und sott Se. Exeellenz sich dahiir geäußert haben, daß er geneigt sei, dieselbe in eigener Person feierlich zu er öffnen.

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