Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 20 (14.5.1867)
- Date
- 1867-05-14
- Page
- Seite 392 (sequence 4)
- Language
- German
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3S2 ständigem Staate befähigten und berufenen Nationalität, welche das schwere Joch der Unterdrückung trägt, zu ihrem Rechte zu verhelfen, wäre der Kampf gerechtfertigt — also auch hier nur ein Vertheidigungskrieg. Wenn aber große Nationen, die voll entwickelt nebeneinander bestehen, von denen jede sich unbehindert in ihrer Lebens- und Machtsphäre bewegt, statt sich die Hände zu bieten, um ihre schöpferische, geistige wie materielle, Arbeit auszutauscheu, den beiderseitigen nationalen Wohlstand zu fördern und ihre Entwickelung zu erhöhen, sich in Eifersucht und Haß aufreiben, in blinder Wuth gegenseitig die Werke ihres Fleißes und Genies vernichten — dann wird wohl Niemand von ihrer Vernunft sprechen, und die Geschichte über den höchsten Kraftaufwand derselben das lauteste Urtheil der Verwerfung verkünden. So bleibt denn nur das Produkt unserer Zeit, „der Krieg um eine Idee" übrig. Was ist das? Soll es heißen, um anderen Völkern eine Idee aufzndrängen, die sie nicht haben, die in ihnen nicht lebt? Schwerlich wird dies dem Schwerte gelingen, denn die Idee kann nur durch beu Geist geweckt und verbreitet werden. Es ist dies nichts als ein Milchbruder des Religionskrieges. Oder heißt es, einer in einen: Volke unterdrückten Idee zum Siege zu verhelfen? Wenn diese Station nicht im Stande ist, alle ihre eigenen Kräfte zusammenzufassen, und, den günstigen Moment abwartend, ihrer Idee selbst das volle Leben zu verschaffen, so kann weder die Idee noch die Nation reif sein. Das erste Zeichen eines solchen Krieges um eine Idee müßte sein, daß der helfende Staat völlig eigennutzlos handele und sich bethätige. Sonst steht er nicht im Dienste der Idee, sondern im Solde eines handgreiflichen Nutzens. Für einen solchen aufopfernden Kampf um die Idee fehlt daher auch noch jedes Beispiel, und wir brauchen hier nicht erst die neueren unb neuesten Kriege durchzumustern, um in den vorgeblichen „Ideen" nur die Masken für Machtuud.Besitzvergrößerung zu erblicken. denn freilich kommt es auf solche Deduktionen, wie wir sie gegeben, wenig, Alles aber darauf an, ob diese Anschauungen immer mehr das Bewußtsein der civilisirten Völker werden und sich darum innner mehr hervorwagen, innner lauter ausgesprochen werden. Und kann hierüber noch ein Zweifel bestehen? Die Völker wollen keinen Krieg mehr. Sie sprechen es bei jeder Gelegenheit laut aus. Gerade von der Seite, von welcher in den letzten Monaten die erste Anregung, die erste Aufstachelung und Forderung ausgegangen, von der französischen Seite, von welcher Hetzereien, Aufwiegelung der nationalen Leidenschaften, wie Blasen aus einem Sumpfe, aufstiegen, gerade aus dem Herzen des französischen Volkes gingen zahlreiche und lebhafte Proteste gegen Krieg und Kriegslust hervor, freie Demonstrationen zu Gunsten des Friedens, und es zeigte sich sonnenklar, daß, so sehr jetzt die Franzosen alle Eifersucht gegen die Engländer aufgegeben, keine Art von Gehässigkeit auch zwischen den beiden großen Continentalvölkern, den Franzosen und Deutschen, besteht. Man wende nicht ein: Diese Stimmen des Volkes werden doch nicht gehört, wenn es den Machthabern nicht gelegen ist. Dies mag heute und morgen und noch öfter der Fall sein; aber nicht immer, nicht in aller Zukunft. Dafür bürgt die Entwickelung, welche die Zeit seit einem Jahrhundert gewonnen. Es kann den Machthabern schlimm bekommen, einen blutigen zerstörenden Kampf wider den Willen des Volkes begonnen zu haben. Dann werden solche Lehren nach allen Seiten hin wirken. Mögen also die verschiedenen, gegensätzlichen Elemente vielfach verworren in unserer Zeit noch vor unseren Augen liegen; vermögen wir uns zu einer allgemeinen Perspective zu erheben, so ordnen sich auch die Erscheinungen des Momentes, scheiden sich von einander und treten in Zusammenhang. Das Gleichartige wie das Gegensätzliche gruppirt sich. Man sieht das Eine wachsen, das Andere abnehmen. Die Schwankungen des Augenblicks, so fühlbar sie auch sind, stören den Mick nicht. Wir erkennen, daß sie nothwendig sind, um das Leben in Fluß zu erhalten und zur Vollendung seiner neuen Gestaltungen aufzureizen. Der Menschheit fällt nichts in den Schooß, sie muß um Alles mühselig ringen. Literarischer Wochenbericht. Bonn, 3. Mai. Vor kurzem kamen uns photographische Blätter, „jüdische Bilder" nach Gemälden von Prof. Oppenheim (Keller, Frankfurt a. M.) zu, mit einer Erklärung von Dr. Stein. Wir können dieselben, namentlich im größten Format, zum Zimmerschmuck, als Album auf den Tischen der Damen und überhaupt, dringend empfehlen. Die Gegenstände sind gut gewählt und wecken von vornherein die Sympathie des Beschauers. Die Figuren correet und edel, die Gruppirung gelungen.