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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-05-07 · Heft 19 (7.5.1867) · p. Seite 379

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 19 (7.5.1867)
Date
1867-05-07
Page
Seite 379 (sequence 11)
Language
German
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879 Theil der hiesigen Juristen, sehr viele angesehene christliche Bürger und fast sämtliche Mitglieder der israelitischen Gemeinde anschlossen. Österreichischer Kaiserstaat. Pest, im April. An den Vorstand der hiesigen Gemeinde ist folgendes Schreiben von der 8ocietx of Friends oT Foreigncrs in Distress (Gesellschaft der Freunde unglücklicher Fremden) in Liverpool gelangt: An den wohllöbl. Vorstand der isr. Gemeinde zu Pest. Schon seit mehreren Jahren ist die besondere Aufmerksamkeit der obigen Gesellschaft zur Unterstützung hilfsbedürftiger Ausländer auf das Elend gerichtet gewesen, in dem sich die Mehrzahl der Juden befindet, die in der Hoffnung ihre Lage zu verbessern vom Continente nach England ausgewandert sind. Eine große Anzahl von Juden, namentlich aus Polen, Posen, Galizien und Ungarn, theils unvcrheirathet, thcils in Begleitung ihrer Kinder landet alljährlich in Hüll und anderen Häfen der Nordsee, von wo sie sich alsbald nach London, Manchester, Birmingham, besonders aber nach Liverpool begeben. Hier verfallen sie sofort in rettungslose Armuth, da cs ihnen ohne Mittel, ohne Kenntniß eines Handwerks, ohne Kenntniß der englischen Sprache ganz unmöglich wird Arbeit zu finden oder ein ernährendes Geschäft anzufangen. So werden sie von vornherein zu Bettlern, und der Umstand, daß religiöse Skrupel cs ihnen verbieten in das Armenhaus zu gehen — der letzte Zufluchtsort der englischen Armen — oder vielmehr die dort bereiteten Speisen zu genießen, macht ihnen ihre Lage vollends trostlos. Verzweifelnd an seinem Geschicke verläßt dann leider zu oft der Mann seine Familie, wohl in der besten Absicht sich und ihnen anderswo einen Unterhalt zu erwerben; aber damit ist dann auch die unglückliche Familie dem äußersten Elende, ja dem Hungertode preisgcgeben, der unabwendbar wäre, wenn nicht die obige Gesellschaft sich ihrer annähme. Bei den mäßigen Mitteln derselben und bei den begründeteren Ansprüchen der durch Krankheit oder sonst ohne eigene Schuld in Armuth geratheneu hier ansässigen Ausländer ist es jedoch selbstverständlich unmöglich eine ganze Klasse von Menschen zu unterhalten, deren Unüberlegtheit sie ins Elend gebracht hat. Dem natürlichen Gange der Dinge nach hätten die — nothwendiger Weise — trostlosen Berichte dieser Ankömmlinge einer solchen trostlosen Einwanderung schon längst ein Ende machen müssen. Dies ist jedoch nicht der Fall; im Gegentheil, dieselbe scheint mit jedem Jahre zuzunehmen, und man ist daher zu der Annahme gezwungen, daß nicht nur allgemeine Ursachen hier zu Grunde liegen, sondern, daß die Behauptungen vieler dieser Unglücklichen, wornach dieselben auf dem Continent von einer Gemeinde zur andern gewiesen und überall unterstützt, wohl gar auf Kosten der Gemeinde zur nächsten Stadt geschickt werden, wenigstens theillveise auf Wahrheit beruhen. Unter diesen Umständen hat die obige Gesellschaft sich genöthigt gesehen energische Maßregeln zu ergreifen und wünscht alle Auswanderer und namentlich alle Leute und Gesellschaften, welche, wenn auch mit der besten Absicht, dieselben zur Reise itach England unterstützen, ohn e sie mit Mitteln zur Weiterreise zu versehen, darauf aufmerksam zu machen, daß der Fremde, welcher hilflos hiehcr kommt, nur Elend zu erwarten hat. Liverpool ist mit Armen — Engländern und Ausländern — überschwemmt und hat von allen Städten Eitglands das größte Proletariat. Was die Hoffnung anbetrifft, hier Mittel und Wege zu finden, um nach Amerika zu gelangen, so ist diese eine durchaus eitle, namentlich machen wir darauf aufmerksam, daß eine der Hauptregeln der Gesellschaft uns verbietet, Auswanderer zu unterstützen, und daß die hiesigen israelitischen Gemeinden zu demselben Entschlüsse gekommen sind. Wir warnen ferner alle solche Einwanderer, Familien solvohl als unverheirathete Personen, daß dieselben keine weitere Hilfe zu erwarten haben, als die Mittel zur a u g e n b l i ck lich c n Rückkehr nach dem eontinentalen Hafen, von tvelchem sie gekommen sind. Schließlich möchte das Komiw noch bemer ken, daß dieser Protest nicht von religiösen Bornrtheilen oder sonstigen univürdigen Beweggründen anSgezangcu ist. Der Umstand, daß verschiedene Mitglieder des Eomitö's israelitischen Glaubens sind, und die Thatsache, daß die Gesellschaft trotz der geringen Zahl jüdischer Beiträge zu ihren Fonds jährlich cllva ein Drittel ihrer Einnahmen zur Unterstützung von Inden verwendet, diene als Beweis dafür, daß dieselbe unabänderlich an §1. ihrer Statuten festhält: „Der Zweck dieser Gesellschaft ist die Unterstützung bedürftiger Ausländer ohne jede Rücksicht auf Rationalität, Religion oder politische Meinungen." Die Gesellschaft zur Unterstützung hilfsbedürftiger 19*.

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