Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 19 (7.5.1867)
- Date
- 1867-05-07
- Page
- Seite 375 (sequence 7)
- Language
- German
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375 scheint uns das j*. B. M. deshalb zum ersten Bibelunterrichl gewählt zu sein, weil solches keine so sinnenreizende Erzählungen enthält wie das 1. B. M. — 1>) Fremde Sp rachen. Hier werden die gewöhnlichen und allbekannten Zitate zusammengetragen, um zu beweisen, daß die griechische Sprache „die bevorzugte und Lieblingssprache der Juden war;" sogar das Buch Schalscheleth wurde hierzu herbeigezogen, um daraus zu erfahren, daß man 1304 in Barzelona das Erlernen der griech. Sprache vor dem 25. Jahre verboten hatte, und ferner, daß Gebirol der griech. Sprache kundig war, aber daß in den Schulen die griech. Sprache gelehrt wurde, was doch hier die Hauptsache ist, davon wird nichts gesagt. Wir erfahren nicht einmal, wer und wo die hebräische Sprache unterrichtet wurde, wofür doch Zitate aus 4er. Succa 3, 12 und Sifre Abs. Ekeb beizubringen sind, c) Sternkunde, Mathematik und naturgeschichtliche Wissenschaften. Sehr nüchtern wird hier von beiden Verfassern nur die Bermuthung ausgesprochen, daß man wohl in den Mischnaschulen den Schülern die Elemente dieser Wisschenschaften beizubringen bemüht gewesen wäre, weil diese zum Verständniß der Traktate Erubin, Klajim und Chulin nothwendig seien. Wir fragen aber alle unsere zeitgenössischen Talmudkundigen, ob ihnen je in den Talmudschulen zum Berständniß der betreffenden Stellen nur Etwas von der Quadratur des Zirkels, vom pythagoräischen Lehrsatz oder von der Berechnung des Cubikinhalts der Körper — worauf sich doch der ganze mathematische Inhalt des Talmud beschränkt — nach wissenschaftlichen Prinzipien gelehrt worden sei. Und was die anatomischen Studien betrifft, so können wir einen berühmten Lamdan aus der alten Schule nahmhaft machen, dessen aus dem Traktat Chulin geschöpfte anatomische Kenntnisse so umfassend waren, daß er die Lunge von der Leber nicht zu unterscheiden vermochte. Selbst in unserer Zeit, in der doch auch die Orthodoxie mit den Wissenschaften zu buhlen sich den Anschein giebt, wird in den Schulen das Berständniß solcher Stellen nicht angestrebt, sondern dieselben werden einfach — übersprungen, wie man früher beim Raschiuntericht mit den sogenannten Dikduk- Raschis verfuhr. Den Verfassern der Schul-Pädagogik mag wohl die Unterrichtsmethode im Breslauer Seminar und die einschlägigen Arbeiten von Zuckermann vorgeschwebt haben, aber diese Schule ist selbst in der Gegenwart noch eine Oase in der Wüste. — Endlich wird auch 4) die Gymnastik als Lehrstoff aufgeführt, die „theils zum persönlichen Nutzen, theils auch zum religiösen Zwecke dienen sollte." Für Ersteres wird die Verpflichtung des Vaters seinem Sohne die Schwimmkunst zu lehren, angeführt, für Letzteres — die Wurf- und Springkünste von R. Simon b. Gamliel beim Wasserfeste. Ob diese Kunststücke in den Schulen gelehrt, oder von indischen Gauklern im Privatunterricht, wissen wir freilich nicht; dein Verf. genügen aber diese Spuren, die auf gymnastische Uebung Hinweisen, um solche auch in die Bibel- oder Mischnaschulen zu verpflanzen. Um gerecht zu sein, wollen wir noch weitere Spuren dieser Art beifügen: so produzirte Levy vor Rab seine Messerkünste, Samuel vor König Sapor Becherkünste und Abaja vor Raba das Eierspiel (Succa 53) und N. Tachlife war ein so guter Schütze, daß er einen Vogel im Fluge mit einem Pfeile ritualmäßig abschlachtete (Chulin 30). Bei allen diesen gymnastischen Uebungen und Künsten konnte doch Keiner das rrrp vorschriftsmäßig zu Stande bringen — was bei unfern Kautschukmännern etwas leichtes ist — und Levy, der sich hierin üben wollte, blieb zeitlebens hinkend. Als Muster einer treuen, richtigen Uebersetzung wollen wir noch folgendes hervorheben. S. 52 sagt der Verf.: „Wie die Strafe zu der Diseiplin gehört, so auch die Belohnung im betreffenden Falle. Es wird uns erzählt, daß Rabba in seiner Elementarschule Honig zur Belohnung der kleinen Kinder in Bereitschaft hatte. Bei der Belohnung der kleinen Kinder galt endlich als eine Hauptregel der Diseiplin die Gleichheit aller Schüler vor dem Lehrer." Zu diesen beiden Sätzen werden die Textworte Taanith 21 angeführt, wo es aber heißt: das besondere Verdienst eines Elementarlehrers, auf dessen Gebet es sogleich regnete, war, daß er die Kinder der Armen wie die der Reichen unterrichtete und von den Unvermögenden keine Bezahlung annahm; er hatte ferner einen Fischteich uud munterte mit zubereiteten Fischen die trägen Knaben zum fleißigen Schulbesuch auf. Kirchheim. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Berlin» 4. April. Ein wohl sehr wenig bekanntes Euriosnm bringt eine Bekanntmachung des Vorstandes der hiesigen Nikolai-, Marien- und Klosterkirche