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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-04-30 · Heft 18 (30.4.1867) · p. Seite 361

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 18 (30.4.1867)
Date
1867-04-30
Page
Seite 361 (sequence 13)
Language
German
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3bi Großbritannien. London, 30. März. Als Sir F.Goldsmid seinen Antrag betreffs der Juden in Serbien gestellt hatte, antwortete der Minister des Auswärtigen, Lord Stanley, indem er versprach den britischen Gesandten bei der Hohen Pforte anzuweisen, daß er mit dem Fürsten von Serbien bei dessen bevorstehender Anwesenheit in Konstantinopel Rücksprache nehme und eine Petition, welche die Juden Serbiens oder Europas inzwischen an den Fürsten richten könnten, nach Kräften unterstütze. Der Minister tadelte das Auftreten der Serben gegen die Juden als ein um so ungerechteres und verdammenswertheres, als das serbische Volk selbst immer die Worte Nationalität und Unabhängigkeit im Munde führte; der Grund aber liege mehr in dem allgemeinen Vorurtheile des Volkes, als in einer beabsichtigten Politik der serbischen Regierung. Herr Layard, als Kenner des Orients, knüpfte an die Discussion einige Bcmerkungeu über die Juden in der Türkei. „Als spanische Bigotterie die Juden vertrieb, nahmen sie in großer Zahl ihre Zuflucht zur Türkei und wurden daselbst stets mit Gerechtigkeit und Mäßigung behandelt. In Konstantinopcl sind viele Juden zu großem Rcichthume und zu hohen Ehrenstcllen gelangt. Ihre bittern Feinde in der Türkei sind nicht die Mahomedaner, sondern die Christen; und der Erbitterung liegt nicht etwa geschäftliche Eifersucht, sonderen hauptsächlich religiöse Unduldsamkeit zu Grunde. In Griechenland ist cs den Juden fast unmöglich, zu leben. In der Türkei werden die Juden von den Christen in solcher Weise verfolgt, daß sie sich in der Osterwoche in ihren Häusern halten müssen, um nicht auf der Straße zerrissen oder todtgeschlagen zu werden. Selbst in Smyrna ist dies der Fall, wo sich doch die civilisirteste christliche Genieinde des ganzen Orients befindet. Schaudererregend sind die Zustände, und die einzige Autorität, welche noch Ordnung zwischen Christen und Juden zu halten strebt, ist die türkische Regierung. Man braucht nur in der Charwoche in Jerusalem zu sein, um zu sehen, daß die türkische Regierung Truppen marschiren lassen muß, um die Katholiken abzuhalten, den Griechen die Hälse abzuschneiden, und umgekehrt; und die Juden sind in der schlimmsten Lege, da sie Beiden ein Stein des Anstoßes sind."*) Layard schloß mit der Hoffnung, daß die Debatte sowohl von den Griechen als den Serben beherzigt werden möge. Asien. Smyma, im März. Der Impartial de Smyrne berichtet Folgendes: In der Nacht von Donnerstag am 7. März brach in dem Judenvicrtel eine Art Emeute aus, die von einigen Unzufriedenen angeregt worden, welche schon lange in der Gemeinde durch die bösen Rathschläge, welche sic dem Volke geben, bekannt sind. ' Seit lange giebt es in der jüdischen Gemeinde von Smyrna Streitigkeiten, welche unglücklicher Weise bis heute noch nicht ausgeglichen werden konnten. Als diese Streitigkeiten nach Constantinvpel gebracht worden, um dort einer ernstlichen Erwägung unterzogen zu werden, schickte der Großrabbiner dieser Stadt, mn die Sache ganz unparteiisch beurtheilen zu können, einen seiner Collegen, H. Samuel Danon, mit dem Aufträge hierher, diese Streitigkeiten beizulegen. Kaum in Smyrna angekommen, begab sich H. Danon mnthig an's Werk, aber da sein versöhnliches Verfahren kein Resultat erzielte, stattete er dem Großrabbiner von Constantinopcl seinen Bericht darüber ab. Dieser Letztere brachte die Sache vor die hohe Pforte, und ein ministerieller Erlaß entsetzte den Großrabbiner von Smyrna, Hann Palaci, 85 Jahre alt, seines Amtes und ernannte den besagten Samuel Danon provisorisch an dessen Stelle. Sobald diese Nachricht sich in Smyrna verbreitete, versammelte sich die jüdische Bevölkerung, von den Unzufriedenen, von denen ich oben gesprochen, aufgestachelt, bewaffnete sich mit Hämmern und Steinen und stürmte nach mehreren der angesehensten Häuser, zerschlug die Thüren und Fenster, drang in die Häuser ein, zertrüimuerte und demolirte Alles, >vas ihr unter die Hände kam, und stieß gegen die Cigcnthümcr Drohungen aus. Sie würde sie vielleicht auch ausgeführt haben, als die unerwartete Ankunft Seiner Excellenz Sureya Pascha, welchem wir ewig dankbar verbleiben für den Eifer, mit welchem er uns zu Hülse kam, den An- *) Wir haben hier also eine große Autorität für das, was wir wiederholt ausgesprochen. Red alt.

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