Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 18 (30.4.1867)
- Date
- 1867-04-30
- Page
- Seite 358 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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358 der Wehrpflichtigkeit jüdischer Theologen dem Minister zu übergeben, in welchem der Vorstand bittet, daß auch jene jüdischen Theologen, die in Wien, Prag, Lemberg, Krakau und Breslau studiren, vom Militärdienste gleich jenen befreit werden mögen, die ihre Studien an der Rabbinerschule in Presburg machen. Der Minister soll versprochen haben, den Gegenstand dem Reichsrathe, wenn das Wehrgesetz daselbst zur Berathung kommen wird, vorzulegen. Prag, 31. März. (Privatmitth.) Am 22. d. M. fand die Wahl der Landtagsabgeordneten für den zunächst wieder zusammentretenden Landtag statt. In Josefstadt fielen dem von der deutschen verfassungstreuen Partei vorgeschlagenen Candidaten, Dr. Wiener- Tedesco, stimm bliche Stimmen bis auf vier zu. Am 28. hielt Hr. Prof. Kämpf vor den zahlreich versammelten Hörern in einem Saale der k. k. Universität eine Rede, welche dem Andenken des sel. Munk gewidmet war. In sehr geistreicher und beredter Weise schilderte er, wie in Munk der weltberühmte Gelehrte mit dem nationalen Juden in harmonischer Einheit verbunden waren. So wurde denn die Munkfeier hier auf eine sehr würdige Weise begangen. Dem Professor am College de France wurde in einem Saale der k. k. Universität von einem Professor, der zugleich jüdischer Geistlicher ist, der Nachruf gehalten, vor Studirenden. die sich mit orientalischen Sprachen befassen und Munks epochemachende wissenschaftliche Leistungen, sowie dessen Einfluß aufs Judenthum recht zu würdigen wissen. Wie wir hören, beabsichtigt Herr Prof. Kämpf, von dem erst jüngst das Gebetbuch mit deutscher Uebersetzung, betitelt „Sichath Jizchak" erschienen ist, das sich durch eine gediegene abgerundete Uebersetzung, die doch dem hebräischen Originale überall gerecht wird, insbesondere aber durch vorzügliche wissenschaftliche Erklärungen zu den Pirke Aboth auszeichnet, einen ausführlichen Commentar zu den Büchern Jesaias und Koheleth herauszugeben, die succcssive aus seinen durch mehrere Jahre an der k. k. Universität abgehaltenen Borträge entstanden. Aus Ungarn wußte sich hier eine 8 Seiten starke Broschüre bald Verbreitung zu verschaffen; sie geißelt in geistteicher Weise die Intoleranz jener ungarischen Herren, die sich der Emanzipation der Juden entgegenstcllen, nur Schade, daß der Verfasser den Inhalt dieser Broschüre in eine, für außerjüdische Kreiie unzugängliche Form kleidete, statt des hochdeutschen bediente er sich nämlich des sog. Jüdisch-Deutsch. Der Titel der Flugschrift ist „Jilnge Zores ün alte Geseres oder Koschere Tschüwes äf trefene Schäjles vün Majer Jofeh.“ Die „Klaus", eine der größten Synagogen Prags, hat durch die Aufnahme eines zeitgemäßen Cantors den ersten Schritt gethan, die alte „Schule" in einen Tempel umzuwandeln. A. W. Prag, März. (Privatmitth.) Der alte Tempel ist bereits demolirt, um aus dem Schutt, wie ein Phönix aus der Asche, verjüngt hervorzugehen. Der Bau wird ein prachtvoller sein. Das Gebäude wird zwar keine großen Dimensionen haben — es werden im Ganzen etwa nur vierhundert Sitzplätze zukommen — aber Räumlichkeit, Licht und Luft, Form und Gestalt werden überaus entsprechend und ansprechend sein. Die Theilnahme für das zeitgemäße Unternehmen ist fortwährend im Steigen begeiffen. — „Der Appetit kommt vor dem Essen" — das beweisen die zahlreichen Spenden, die sehr ansehnlich sind. Die Wölbung wird auf gußeisernen Säulen ruhen, damit im Schiffe der Raum frei bleibe. Die Bundeslade wird ganz aus Marmor bestehen und mit solchem auch von Außen verziert werden. Hier will der Architect seine ganze Kunst entfalten. Sobald die betreffende Zeichnung mir vorliegen wird, werde ich nicht unterlassen, darüber in der Allg. Z. d. Judenths. zu berichten. Den Plan zeichnete der erste Architekt Böhmens, Herr Prof. Niklas, — und den Bau führt aus einer der ersten Baumeister Böhmens, Herr Belskh, Bruder des Oberbürgermeisters von Prag — zwei Männer, die für den Erfolg des Werkes hinlänglich Garantie bieten. Pest, 19. April. Die hiesige israelitische Cultusgemeinde hat an die israelitischen Cultusgemeinden des Landes ein Rundschreiben gerichtet, worin dieselbe mittheilt, daß an sie von Seite des Ministeriums für Cultus und Unterricht die Aufforderung ergangen, die auf confessionelle Angelegenheiten bezüglichen Wünsche der Israeliten Ungarns in einem Memorandum zu unterbreiten. Da nun die Pester israelitische Gemeinde allein nicht berufen ist, im Namen der Gesammtjudenschaft Ungarns das Wort zu erheben, so beschränkte sie sich im Memorandum darauf, hervorzuheben, wie nöthig es sei, sämmtliche Gemeinden des Landes zu vernehmen, und suchte um die Erlaubniß der Abhal-