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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-04-30 · Heft 18 (30.4.1867) · p. Seite 355

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 18 (30.4.1867)
Date
1867-04-30
Page
Seite 355 (sequence 7)
Language
German
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355 »arum, tischen ergebmeine, c Zeit tib die ig der rgnü- H Dank, tenden auch uns, nicht > I)0!1 alvarj cunclo 1867 ht in spari Nach Utsch, rdit, auch, ibeln, einen bnet, emverleibt. Jetzt, nachdem der Junge bereits zwei Jahre alt geworden, erhielt die Mutter plötzlich von der Polizei die Aufforderung, ihren Sohn in der christlichen Kirche taufen zu lassen, und davon, daß dies geschehen, der Obrigkeit binnen kürzester Zeit Anzeige zu machen. Die Mutter weigerte sich, dieser Anordnung Folge zu leisten, indem sie der Meinung war, keine Macht der Welt könne ohne ihren Willen ihren Sohn in die christliche Kirche bringen. Da erschienen in der vergangenen Woche plötzlich in ihrer Wohnung ein Polizei-Wachtmeister in Begleitung einer Hebamme. Letztere bemächtigte sich, trotz des Gewimmers der bestürzten Mutter, des orientalischen Knäbleins und fort gings nach der Elisabethkirche, wo es von dem Pfarrer der christlichen Gemeinschaft einverleibt und ihm die Vornamen Julius Richard — letzteren führte auch sein Pathe, der Polizei-Wachtmeister — beigelegt wurden. Demnächst wurde das Kind der Mutter wieder ins Haus gebracht. Ob der Vater des Kindes oder das Bormundschaftsgericht oder die Polizei diese Mortara- Taufe veranlaßt haben, ist bis jetzt noch nicht sichergestellt. Hamburg, im April. (Privathmitth.) Als Hannibal vor Rom stand, ward in der Stadt dasselbe Stück Land, auf welchem seine Armee lagerte, öffentlich versteigert. Derselbe Geist in Miniatur hat auch hier bewirkt, daß die Organe des hiesigen Tempelvereins, um dessen corporatives Fortbestehen jetzt gewissermaßen gewürfelt wird, die Wahl eines Predigers an Stelle des im vorigen Jahr verstorbenen vr. Frankfurter vollzogen haben. Die Wahl fiel auf Herrn Dr. Sänger, bisherigen Kreisrabbiner in Mergentheim. Es ist dabei auch zu loben, daß man das irrlichterirende System der Probc-Predigten-Concnrrenz aufgegeben hat. Die Verwaltung war längst über den Anzustellenden einig, weil alle Erkundigungen in jeder Beziehung nur das günstigste Resultat gaben, und so ward Herr vr. S. im Februar zu einigen Wahlpredigten eingeladen, um ihn dem Publikum bekannt zu machen. Das Interim bei unserer deutsch-israelitischen Gemeinde dauert einstweilen fort, indem die Statutenmacher sich um einen Geldpunkt nicht einigen können, nämlich so. Im Gesetze über die Reorganisation der jüdischen Gemeinden ist bestimmt, daß die vorhandenen Gebäude der Synagogen, Bäder u. s. w. ihrer bisherigen Bestimmung erhalten werden, und nicht in die Liquidation fallen. In dem Statutenentwurf ist man darin einig, daß innerhalb dieser Gemeinde zwei völlig gleichberechtigte, innerlich autonome und sich finanziell selbsthaltende Cultusverbände bestehen sollen, und sollte der Syuagogcn-Berband die Synagogen, Bäder u. s. w. zur Benützung behalten, ohne daß die Gesammtgemeinde ihr Eigenthumsrecht daran ausgiebt. „Aber nicht ohne Entschädigung für uns," rufen die Tempelleute, die ihren Tempel auf Privatkosten erbaut haben und erhalten. „Keineswegs, ihr könnt ja die Synagogen auch besuchen, wenn ihr wollt," antworteten einige Orthodoxen. „Es ist gegen unser Gewissen, aus gemeinschaftlicher Casse indirect für das ketzerische Tempelinstitut beizutragen," rufen eine Anzahl Tartüffes. Und so wird dieser gordische Knoten noch immer verwickelter, und unsre orthodoxe Partei, die allerdings jetzt (aber wie lange noch?) die Majorität in der Gemeinde bildet, die völlige Gleichstellung des Tempels mit der Synagoge mit Freuden acceptirt, also den wichtigsten Punkt concedirt hat, hadert jetzt um einige, gar nicht einmal zahlreiche, Silberlinge! Uebrigens ist cs diesen Leuten recht empfindlich, daß Herr Or. S., ein anerkannter, seit vielen Jahren fungirender und durchaus nicht nihilistisch gesinnter Prediger, sich dem hiesigen Tempel widmen will, und sie werden nicht ermangeln, baldigst in ihren Blättern in üblichster zionswächterischer Weise loszuziehen. In des berühmten I. W. Draper (Ncw-Aork) Werke „Gedanken über die zukünftige Politik Amerikas," Cap. 3, über die politische Macht der Ideen, findet sich eine auffallende Construktion der Geschichte Israels. Hier soll die israelitische Messias-Idee allein die wunderbare Erhaltung der Nation bewirkt haben. Als ob die israelitische Idee eine Apolitische" Tendenz hätte! Und als ob das Eins und Alles dieser Ideen immer und überall nur die Messias-Hoffnung wäre! Und als ob die jetzt freilich in den Hintergrund gedrängte Hoffnung auf die Wiederkunft Christi (---Messias) und auf das tausendjährige Reich bei ihren Anhängern je eine politische Wirkung gehabt hätte! Uebrigens ist dieses Werk des wahrhaft bedeutenden Schriftstellers voller transatlantischer Illusionen, und sein Patriotismus verteilet ihn in den gegenwärtigen N. A. Zuständen die Erfüllung des so lange vergeblich erstrebten goldenen Zeitalters zu finden, trotz Bigotterie, trotz Plutokratie, trotz Wahlfälschungen, trotz Liqueur-Gesetze, trotz Nigger-Waggons, trotz Messer-Duelle, trotz Geifterklopferei

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